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Versicherer sacken nach US-Klagen europaweit ab

Europäische Versicherungsaktien haben auf Grund von drohenden Anklagen in den USA am Freitag erhebliche Kursverluste verzeichnet. Besonders stark betroffen waren Unternehmen mit Geschäftsverbindungen in die USA.

dpa-afx FRANKFURT. Europäische Versicherungsaktien haben auf Grund von drohenden Anklagen in den USA am Freitag erhebliche Kursverluste verzeichnet. Besonders stark betroffen waren Unternehmen mit Geschäftsverbindungen in die USA. In New York hatte der Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer am Vortag eine erste Klage im Zusammenhang mit möglichen Wettbewerbsverstößen eingereicht.

Im Eurostoxx50 bildeten fünf Versicherungstitel die größten Verlierer: Münchener Rück büßten bis 12.10 Uhr 4,11 Prozent auf 74,04 Euro und Allianz 3,36 Prozent auf 81,20 Euro ein; die französische AXA verlor 2,47 Prozent auf 16,58 Euro, und aus den Niederlanden sackten Aegon 1,73 Prozent auf 8,50 Euro und ING Groep 2,24 Prozent auf 20,51 Euro ab. Der Index fiel zeitgleich um 0,63 Prozent auf 2 758,59 Zähler. In der Schweiz gaben Zürich Financial um 3,32 Prozent auf 168,80 Franken und Swiss Re 2,87 Prozent auf 72,85 Franken nach.

Verklagt wurde von Spitzer die größte amerikanische Versicherungsmakler -Firma Marsh & Mclennan Companies. Mehrere Versicherer sollen ihr überhöhte Kommissionen gezahlt haben als Gegenleistung für eine Bevorzugung bei der Vermittlung von Kunden. Im Zusammenhang mit den Ermittlungen wurde unter anderem die weltgrößte Versicherung American International Group (AIG) genannt, deren Papiere am Donnerstag mit 10,43 Prozent einbrachen. Dem New Yorker Staatsanwalt zufolge haben zwei AIG-Manager Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht ihm gegenüber zugegeben.

Analysten befürchten nun hohe Strafzahlungen auch gegen andere Unternehmen. Die von Spitzer verfolgte Art der Kommissionszahlung sei möglicherweise weiter verbreitet als bisher angenommen. Ein Experte der Züricher Kantonalbank sagte, das Vorgehen der US-Strafverfolgungsbehörden könne den Versicherungsmarkt in naher Zukunft deutlich belasten. HVB-Analyst Lucio di Geronimo sagte dagegen: "Die Spitzer-Anklagen belasten ungerechtfertigterweise auch die europäischen Branchengrößen." Er nannte die Kursverluste "total übertrieben".

Nach Ansicht des niederländischen Investmenthauses Stroeve stehen bisher nur Sach- und Unfallversicherer in der Schusslinie. Möglicherweise würden Lebensversicherer nicht in die Verfahren einbezogen, sagte Analyst Albert Ploegh. Die Auswirkung auf Aegon und ING sollte daher begrenzt sein.

Die Münchener Rück stellte klar, dass entgegen anders lautenden Berichten keine Klage gegen die zu ihrer US-Tochter American Re gehörende Munich-American Riskpartners eingereicht worden sei. Deutlich weniger verloren Versicherungen ohne Verbindung in die USA, unter ihnen die italienische Generali (minus 0,82 Prozent) sowie die Schweizer Baloise (minus 1,34 Prozent) und Swiss Life (minus 0,66 Prozent).

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