Versicherer Standard Life
Der schwere Gang an die Börse

Trevor Matthews ist eine Art Weltreisender in Sachen Versicherungsmanagement. Im Laufe seiner 23-jährigen Karriere hat der kleine quirlige Mann bereits in Australien, Kanada und Japan gearbeitet. Dass Matthews in der Lage ist, auch riskante Entscheidungen beherzt zu treffen, hat der altgediente Manager bei seinem jüngsten Umzug bewiesen.

FRANKFURT. Von Tokio aus suchte er für seinen neuen Job ein Haus für sich und seine Familie im schottischen Edinburgh. Weil Zeit und Muße fehlten, schlug Matthews im Internet zu und kaufte ein Anwesen in der Nähe der schottischen Hauptstadt, ohne das Haus je besichtigt zu haben. Mit seiner neuen Bleibe ist Matthews aber sehr zufrieden, genau so wie mit seiner Aufgabe in der Führung von Standard Life, einem der größten britischen Lebensversicherer.

Es ist ein Mammutprojekt, das Matthews vor zwei Jahren nach Edinburgh gelockt hat. Der Australier soll helfen, das Ende einer Ära einzuläuten. Als Vorstand für das europäische Lebens- und Pensionsgeschäft ist er maßgeblich daran beteiligt, einen der letzten großen britischen Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit an die Börse zu führen. In Deutschland firmieren noch viele Versicherer als VVaG.

5,5 Milliarden Pfund an Marktwert soll Standard Life nach der Platzierung im Sommer auf die Waage bringen. Allein die geplante Kapitalerhöhung von 1,1 Milliarden Pfund macht aus dem Projekt den größten britischen Börsengang seit fünf Jahren. Bislang gehört das Unternehmen den etwa 2,4 Millionen Mitgliedern, die so genannte Policen mit Überschussbeteiligung abgeschlossen haben. Sie sind das Herzstück des Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit; diese Mitglieder tragen am Ende das Risiko des Geschäfts und profitieren umgekehrt von den Überschüssen – bisher. Durch den Börsengang verliert diese Klientel ihre Mitgliedschaft, doch für den Statusverlust wird sie entschädigt – im Schnitt kann jedes Mitglied mit einer Ausschüttung in Aktien im Wert von 1 700 Pfund rechnen.

„Demutualisierung“ heißt der Prozess im Fachjargon, und Standard Life ist einer der letzten großen britischen Versicherungsvereine, der diesen Weg einschlägt. Die Tradition der Genossenschaften reicht bis ins Jahr 1706 zurück, als der erste Lebensversicherer „Royal Charter, the Amicable Society for Perpetual Life Assuarance Office“, gegründet wurde. Standard Life selbst blickt auf eine Tradition von über 150 Jahren zurück.

Warum jetzt die Auflösung? Eine Erklärung können Versicherte und Mitglieder auf Seite sieben des Prospektes für die Umwandlung nachlesen. Immer weniger Kunden der Versicherungsvereine sind bereit, Policen mit Überschussbeteiligung abzuschließen. Bei Standard Life stehen den 2,4 Millionen Mitgliedern mittlerweile sieben Millionen „normale“ Versicherte gegenüber. Das heißt, das Risiko der Versicherung verteilt sich auf immer weniger Schultern.

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