Versicherer
Talanx strebt an die Börse

Deutschlands drittgrößter Versicherer Talanx will an die Börse. Bis Mitte 2008 wird es aber mindestens noch dauern, denn zuvor will der Konzern noch in größerem Stil zukaufen – und sein Geschäft internationaler ausrichten. Ganz oben auf der Wunschliste stehen derzeit Übernahmekandidaten in Italien und Lateinamerika.

MÜNCHEN. Deutschlands drittgrößter Versicherer Talanx hat seine Bereitschaft zu milliardenschweren Zukäufen und einem unmittelbar danach erfolgenden Börsengang bekräftigt. Firmenchef Herbert Haas sagte gestern auf der Handelsblatt-Tagung „Assekuranz im Aufbruch“, nach einer größeren Übernahme mit einem Volumen von ein bis zwei Mrd. Euro werde Talanx sehr rasch an die Börse gehen. „Der Gang wird erfolgen. Die Frage ist nur wann“, sagte er und ergänzte: „Nicht vor Mitte nächsten Jahres.“

Talanx liefert ein Beispiel für den Trend der europäischen Versicherungswirtschaft, über Zukäufe zu wachsen. Die europäischen Versicherer sehen sich auf Grund des fehlenden Bevölkerungswachstums einem starken Verdrängungswettbewerb ausgesetzt. Die Märkte sind gesättigt, die Konkurrenz ist zahlreich. Neben Talanx sind auch die anderen führenden Versicherer wie Allianz, Axa undGenerali durch Übernahmen groß geworden. Die Konsolidierung gehe weiter, sagte der Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) Bernhard Schareck vor mehr als 300 Branchenvertretern.

Talanx hat erst im vergangenen Jahr den Industrieversicherer Gerling gekauft. Die Integration schreite entgegen anders lautender Meldungen gut voran, sagte Haas: „Wir stehen kurz vor der Einigung mit dem Betriebsrat.“

Weitere Zukäufe stünden in Deutschland nicht auf der Agenda, sagte Haas. Mit Seitenhieb auf die Allianz, zu der die Dresdner Bank gehört, sagte er: „Wir haben keine Absicht eine Bausparkasse oder eine Bank zu kaufen.“ Talanx sei heute führend in der Kooperation mit Banken „ohne sich deren Risiken in die Bilanz zu holen.“

Er richte den Konzern jetzt breiter und internationaler aus, erläuterte der Talanx-Chef. Die Rating-Agenturen werfen den Hannoveranern vor, zu stark vom deutschen Markt abhängig zu sein. „Das stimmt auch“, sagte Haas. Der Anteil liege 2006 noch bei 71 Prozent des Umsatzes von 11,3 Mrd. Euro in der Erstversicherung. Er solle auf 55 bis 60 Prozent reduziert werden. Haas sucht deshalb im Ausland nach Kandidaten. Italien und Lateinamerika stünden auf der Wunschliste ganz oben. Derzeit habe das Unternehmen einen Wert von rund sechs Mrd. Euro und könne durch eine Platzierung von Aktien bis zu sechs weitere Mrd. einnehmen. Außerdem könne er jederzeit 1,5 Mrd. Euro Kredit abrufen.

Der Anteil des Versicherungsvereins, der an der Spitze der Talanx steht, soll 50 Prozent plus eine Aktie aber nicht unterschreiten. „Damit sichern wir unsere Unabhängigkeit“, so Haas. Ursprünglich war die Talanx-Gruppe unter dem Namen HDI genossenschaftlich organisiert. Den Kunden aus dieser Zeit gehört der Verein noch heute und damit die Talanx-Holding. Mit einer Börsennotiz könnten sie ihre Anteile erstmals versilbern. Haas sieht jedoch weder derartige Begehrlichkeiten noch die Gefahr, dass die Altkunden damit Druck auf die Geschäftspolitik ausüben könnten. Zu den Kunden zählten schließlich nicht nur die Großkunden aus der Industrie, sondern auch viele kleine Privatkunden. Branchenvertreter bestätigten dem Handelsblatt am Rande der Tagung jedoch, dass sie die Gefahr sehr wohl sehen.

Auch an der Tochter Hannover Rück möchte Haas im Grunde die strategische Mehrheit behalten. Eine weitere Reduzierung des Anteils zur Finanzierung eines teuren Neuerwerbs sei daher unwahrscheinlich. Der viertgrößte Rückversicherer der Welt sei der einzige global Player im Konzern und stelle wichtige Kapazitäten bereit, sagte Haas.

Neben der Streuung des Geschäfts setzt Haas ebenso wie AMB-Generali-Chef Walter Thießen auf eine Mehrmarken-Strategie. „Die Marke gewinnt im Verdrängungswettbewerb enorm an Bedeutung“, sagte Thießen und: „Die Marke zieht! Nicht nur der Vermittler.“ Die AMB-Generali organisiert ihren Vertrieb derzeit grundlegend neu. Dabei setzt Thießen stark auf externe Vermittler.

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