Versorger in der Krise RWE, ein Gigant im Schrumpfmodus

Die Energiewende bringt RWE ins Wanken. Die Aktionäre haben bittere Jahre hinter sich. Ist ein Comeback in Sicht? Hilft eine große Koalition in Berlin dem Versorger an Rhein und Ruhr? Ist die Aktie wieder ein Kauf?
19 Kommentare
Beim Weltkonzernen RWE könnte die Krise eine Chance für Anleger bedeuten. Quelle: Reuters

Beim Weltkonzernen RWE könnte die Krise eine Chance für Anleger bedeuten.

(Foto: Reuters)

MünchenDie Energiewende der deutschen Bundesregierung trifft den nordrhein-westfälischen Strom-und Gasanbieter RWE wie ein Schuss aus der Elektropistole. Die Gewinne brechen weg, die Aktienkurse fallen seit Quartalen massiv, die Analysten überbieten sich in Warnungen. Nun sind auch Massenentlassungen in den kommenden Jahren angekündigt. Der Riese strauchelt gewaltig. Und nach den neuen Quartalsergebnissen ging es auch vergangene Woche für den Aktienkurs wieder einmal bergab.

Doch gerade bei derart substantiellen Weltkonzernen könnte die Krise eine Chance für Anleger bedeuten. Während viele Studien den Anlegern empfehlen, bloß nicht ins berüchtigte fallende Messer zu greifen, gibt es einen Hoffnungsschimmer. Denn die neue Große Koalition in Berlin will die Energiewende korrigieren. Die massiven Fehlsubventionen in erneuerbare Energien sollen zurück geführt werden, die Öko-Planwirtschaft stückweise dem Markt geöffnet werden.

Zugleich blickt Berlin mit Sorge auf den drohenden Kollaps von RWE und EON. Man hat erkannt, dass es Deutschland und den hiesigen Wirtschaftsstandort strategisch schwächen würde, wenn die beiden wichtigsten Energiekonzerne taumeln. Es könnte also aus Sicht von Anlegern gut sein, dass bei Bekanntgabe der Koalitionsvereinbarung die Versorgeraktien ein kleines Comeback erleben werden. Viele der aktuellen Probleme hingegen sind in den derzeitigen Niedrigkursen schon eingepreist.

Dass der Essener Energieriese RWE durch die Energiewende finanziell nicht mehr auf Rosen gebettet ist, war schon vielen vorher klar. Die eiserne Härte des Sparkurses, der diese Woche anlässlich der Quartalsbilanz angekündigt wurde, hat aber selbst zahlreiche Experten überrascht. Wegen stark schrumpfender Gewinne streicht RWE bis 2016 weitere 6750 Arbeitsplätze, davon 4700 in Deutschland. Bereits bis zum Jahresende soll sich der konzernweite Personalstand von rund 67.400 auf 61.000 Stellen reduzieren. Und das, obwohl die Essener von 2011 bis 2013 schon 6200 Beschäftigungsposten abgebaut oder durch Verkauf abgegeben haben.

Angesichts der ernüchternden Prognose für das kommende Jahr 2014 bleibt dem Energiegiganten allerdings kaum etwas anderes übrig, als diesen unangenehmen Schritt zu gehen. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) werde demnach auf 7,6 bis 8,1 Milliarden Euro schrumpfen nach neun Milliarden Euro in diesem Jahr. Geht RWE für das aktuell laufende Jahr noch von einem bereinigten Nettoergebnis von 2,4 Milliarden Euro aus, rechnet man für 2014 nur noch mit 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro. „Das ist das Tal der Tränen, da müssen wir durch“, sagte Konzernchef Peter Terium.

Entsprechend schockiert zeigten sich die Aktionäre des zweitgrößten deutschen Energiekonzerns, die RWE-Papiere brachen zwischenzeitlich um 8,8 Prozent ein. Auch die Dividendenzahlung ist von der Misere der Essener betroffen, und wird um die Hälfte auf nur noch einen Euro je Aktie herabgesetzt. Da sie sich maßgeblich am drastisch sinkenden nachhaltigen Nettoergebnis orientiert, besteht nach Angaben des RWE-Managements bis auf weiteres wenig Hoffnung für einen Anstieg der Zahlungen.

Den wird es wohl erst geben, wenn es dem Weltkonzern aus dem Ruhrpott endlich gelingt, wieder auf die Beine zu kommen. Dafür sollte RWE einen Blick auf regenerative Energien richten. Der dringend benötigte Strategiewechsel wird nicht konsequent genug umgesetzt. Obwohl sich die traditionellen Geschäftsmodelle mittlerweile überlebt haben, setzt RWE noch immer auf Stein und Braunkohle und investiert kräftig in unausgelastete neue Kraftwerke, die durch den extrem gefallenen Börsenstrompreis kaum noch Gewinne abwerfen.

Hoffnungsschimmer: Neues Konzept der Bundesregierung
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

19 Kommentare zu "Versorger in der Krise: RWE, ein Gigant im Schrumpfmodus"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Das sehe ich genau so.
    Hinzu kommt, dass das EEG verfassungswidrig ist, den Strom ist wie Brot. Er darf nur aus Steuermitteln und nicht über einseitige Gebühren subventioniert werden. den Kohlepfennig hat das Verfassungsgericht 1994 abgelehnt.

  • Sie haben vollkommen Recht. Ich frage mich nur, warum die großen Energieversorger nicht gegen dieses grüne Strompreisdumping vorgehen. Wir brauchen dringend die von Kommissar Öttinger vorgeschlagenen Gleichstromleitungen nach Tirol. Dort kostet das kWh nur 16 Cent.
    Deutschland ist keine Insel im europäischen Binnenmarkt.

  • "im übrigen bin ich nicht bereit..."

    Ja, antiillusionist,- Niemand ist bereit, auch nur lächerlichste "Komforteinbußen" hinzunehmen- Nein, es muss im Gegenteil immer komfortabler werden. Das müssen sie dann aber 6 Millarden Menschen auf dieser Erde auch zugestehen. Wir leben hier allerdings bereits schon länger auf Kosten anderer- aber ich bezweifle stark, das sie das überhaupt begreifen. Ich wünsche ihnen noch viel Spaß bei ihrem "Kampf" gegen die Vernunft. Mitstreiter haben sie ja zur genüge. Einstein läßt grüßen...

  • @ sowat

    1. Blockheizkraftwerke sind nur deshalb wirtschaftlich, weil sie vom Staat gegen alle Vernunft gefördert und subventioniert werden. Sie sind nun mal mit dem strukturellen Mangel behaftet, dass Wärmebedarf und Strombedarf meist nicht zur selben Zeit vorliegen.

    Es mag einzelne Anwendungsbereiche geben, in denen das doch der Fall ist. Meistens aber passt es nicht.

    2. Im übrigen bin ich nicht bereit, die Waschmaschine oder die Spülmaschine zu betreiben, wenn der Netzbetreiber gerade günstigen Strom signalisiert, sondern dann, wenn dies vom Ablauf unseres Haushalts erforderlich ist.

    Im übrigen ist es so, dass im Haushalb nur etwa ein Viertel des Stroms in Deutschland verbraucht wird. Zeitliche Verschiebungen des Verbrauchs fallen daher nicht sehr ins Gewicht.

    Den größten Verbrauchsbrocken stellt die Industrie, auch Verwaltung, öffentliche Einrichtungen und Verkehr sind wichtig. In all diesen Bereichen ist eine zeitliche Verschiebung des Strombedarfs kaum möglich. Wenn der ICE starten soll, muss er starten können, und wenn bei VW die Bänder anlaufen sollen, muss der Strom zur Verfügung stehen.

    Wir brauchen keine "intelligenten" Stromnetze, sondern intelligente Politiker.

  • @Antiillusionist

    Die dezentralen Energieversorgungseinheiten nennen sich derzeit noch BHKW (Blockheizkraftwerk) und bedürfen keiner "blumigen Umschreibungen" sondern sind handfeste Realität und verstärkt auf dem Vormarsch. Vor allem in der mittelständischen Industrie hat man längst erkannt, das die eigene Strom- und Wärmeversorgung unterm Strich günstiger ist. Ab 6 Wohneinheiten rechnen sich diese Kleinkraftwerke auch für den Wohnungsbau. Es gibt sie für den Betrieb mit (Alt-)Öl, (Bio-)Gas.
    Würden die PV Anlagen für Niedervoltgeräte genutzt, könnte deren erzeugter Strom auch 24 Std. mittels konventioneller Akkus genutzt werden. Die Anwendung reicht da von Beleuchtung bis Unterhaltungselektronik.
    Wasch- und Spülmaschinen sollten nicht SIE anwerfen, sondern von einem Intelligenten Stromnetz anwerfen lassen,- DAS haben wir allerdings IMMER NOCH NICHT.
    Das Windkraftanlagen und PV z.Zt. falsch genutzt werden erwähnte ich schon. Die direkte Einspeisung in ein unintelligentes Netz ist in der Tat Unfug.

  • @Munganperoni
    "Ein Großkonzern kann nicht mit soviel Dummheit rechnen..."

    Im Prinzip würden nicht nur Großkonzerne gerne nicht mit "soviel Dummheit" rechnen,- auch der "normale Bürger" wären dankbar, für etwas weniger davon.- Aber Dummheit und Geld regiert nun mal diese Welt- es ist täglich Brot!!! Ergo,- jederzeit damit zu rechnen.

    Von 1933 bis 1945 hatten wir einen totalen Volltrottel an der Regierung- die Industrie kam auch damit prima zurecht und war ausgesprochen kreativ.

    Der Ball läßt sich auch zurückspielen- wenn man z.B. Kernkraftwerke errichtet ohne sich Gedanken darüber zu machen, wo man deren "Asche" entsorgen kann, so ist das auch nicht gerade intelligent- oder?

    Etwas mehr miteinander und etwas weniger gegeneinander würde dieser Gesellschaft mal wirklich gut tun!

  • @sowat

    Solange meine PV-Anlage auf dem Dach oder meine Windmühle im Garten (ich habe beides nicht), also meine dezentral errichteten Anlagen, nicht sicher dafür sorgen können, dass ich Strom im Haus habe, wenn ich die Waschmaschine bzw. die Spülmaschine anwerfen oder einfach nur mein Handy aufladen will, solange sind diese Kraftwerke Zufallskraftwerke und für eine sichere Versorung untauglich.

    Da helfen weder dezentrale "Lösungen" (die immer in blumigen Worten gefordert, aber nie detailliert und in realisierbarer Gestalt beschrieben werden), weder neue Stromleitungen (die natürlich spannungslos bleiben, wenn kein Wind weht und die Sonne nicht scheint) und auch nicht die großflächige Verspargelung unseres schönen Landes mit Windmühlen. Wenn kein Wind weht, liefern auch 1000 000 Windmühlen keinen Strom.

    Und: Gerade weil der Strombedarf nicht hundertprozentig auf die Sekunde vorhergesagt werden kann, muss die Stromerzeugung flexibel dem jeweiligen Strombedarf folgen können. Das können Zufallskraftwerke nun einmal nicht. Das werden sie auch nicht lernen.

    Und noch etwas: Je größer das Versorgungsgebiet, desto mehr gleichen sich die "zufälligen" jeweiligen Strombedarfe der einzelnen Stromverbraucher aus. Diese Zufallsbewegungen können bei einer stark dezentralisierten Versorgung nicht so leicht abgefangen werden wie bei größeren Verteilernetzen.

    Wir haben deshalb ein europäisches Verbundnetz, das für großflächigen gegenseitigen Ausgleich der aktuellen Bedarfe sorgt. Das ist eine großartige Leistung, die unsere Ingenieure vollbracht haben. Wenn eine Dummenpolitik das zerstören will, wird sie einen hohen Preis dafür zu zahlen haben.

  • @Antiillusionist
    es ist ein Fehler, beim Stichwort erneuerbare Energien immer nur an die "Zufallskraftwerke" zu denken;- zudem sie nur deshalb Zufallskraftwerke sind, weil die derzeitige Anwendung falsch ist. Im übrigen ist auch der "Stromverbrauch" im Grunde "zufällig",- nur durch die Dichte der Verbraucher und eine relative Gleichschaltung gibt es ja überhaupt eine Grundlast. Von daher liegt auch in einer dezentralen Versorgung die logische Zukunft. Die Zahl der Stromversorgungseinheiten passt sich der Dichte der Verbraucher an.
    Wichtig ist aber, das hier gemeinsam an Lösungen gearbeitet wird, anstatt irgendwelche Ideologien zu verfolgen und bestehende,- Ressourcenverschwendene Mammuttechnik mit dem Messer zwischen den Zähnen zu verteidigen. Über Kurz oder Lang führt kein Weg an den "Erneuerbaren" vorbei, weil für eine ständig wachsende Weltbevölkerung nicht genügend Uran, Öl und Gas- und auch nicht Kohle zur Verfügung stehen wird.

  • @ real.is

    Sie schreiben: " ... es hat etwas mit Intelligenz zu tun."

    Vollkommen richtig! Zur Intelligenz gehört aber zunächst, dass man die Naturgesetze zur Kenntnis nimmt und dass man einsieht, dass der Mensch diese Gesetze nur anwenden, nicht aber verändern kann.

    Wenn man so weit ist, wird man erkennen, dass es aus naturgesetzlichen Gründen vollkommen ausgeschlossen ist, ein Land wie Deutschland auf der Grundlage von "erneuerbaren" Energien, also im wesentlichen mit Zufallskraftwerken, mit Strom zu versorgen.

    Die Energieversorger, in deren Entscheidungsgremien im Gegensatz zu den Ethikommissionen und Palaverrunden der Politik Fachleute sitzen, die etwas von Stromversorgung verstehen, haben sich deshalb vollkommen zu Recht nur gezwungenermaßen und gegen ihre Einsicht dazu bringen lassen, auf "Erneuerbare" zu setzen. Sie wussten eben und wissen immer noch, dass das vollkommen unsinnig ist.

    Ihr "Fehler" allerdings bestand darin, es einfach nicht für möglich zu halten, dass die Politik in kollektiver Verblendung und Verdummung gegen die Gesetze der Natur handeln und eine Energieversorgung mit "Erneuerbaren" vorschreiben würde. Soll man ihnen daraus einen Vorwurf machen? Ich meine nicht.

  • Komisch, das man jetzt in Bezug auf eine Änderung der
    deutschen Energiepoltik auf etwas wartet was diese Frau an der Sptze ihrer Truppe während ihrer ausgelaufenen zweiten Regentschaft, noch zusammen mit den ach so wirtschaftsliberalen Freien Demokraten einfach verpennt oder besser noch nicht einmal erkannt hat, schlmmer noch
    nicht ekennen wollte als Physikerin. Aber nun, Schwenk zur Drehung, dies nach einer EEG Zwangabgabenerhöhung um mehr als 300 % allein während der letzten vier Jahre I.M.
    alternativloser Führung.
    Das wird wohl nichts was kurz und mittelfrstg zu einer Entlastung auf dem deutschen Strommarkt nicht nur für Großunternehmen sondern für uns alle effektiv beitragen
    könnte. In NRW sehen dies Ministerpräsidentin und Wirschaftminister gezwungenermaßen bereits anders um zu
    erkennen, was Deutschland eine bezahlbare, zugleich versorgungssichere Stromversorgung während der letzten
    6 Jahrzehnte gebracht hat und wenn diese zukünftig auch für Stromerzeuger und Konsumenten trotz bester Ziele
    nicht sichergestellt wird, einbringen könnte.
    Andrerseits, vielleicht eine Chance für die Hohen Kommissare der EU zu fordern, zu bestimmen, dass zumindestens kleine und mittlere Verbraucher in Deutschland ihren Strom im Zuge einer "Liberalisierung des allgemeinen Strombezugs" bald zu güstigeren
    Konditionen nach Steuern und Abgaben versteht sich, z.B. von einem polnischen oder französichen Erzeuger beziehen können. Die Einführung einer prepaid card mit smartmeter
    könnten dies doch zumindestens für den "Kleinen Mann" unterstützen ? In anderen Bereichen, so im Sozialen
    (s.h. H4) klappt eine Libealisierung innerhalb der EU doch auch bereits ganz leidlich.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%