Vertrauensverlust lastet schwer - Analysten sehen Weihnachtsgeschäft als kritische Phase für den Elektronik-Großhändler
Medion beschäftigt die Spekulanten

Die Aktie des Elektronikgroßhändlers Medion wird nach dem dramatischen Kursverfall in der letzten Woche zum Spekulationsobjekt: Zwölf Banken stuften den Titel seit Freitag herab, aktuell rät ein Duzend Analysten zum Verkauf, fünf raten zum Kauf, vier sehen Medion neutral.

DÜSSELDORF. Der Kurs des Spezialisten für Konsumelektronik war am Donnerstag um fast 40 Prozent gefallen, nachdem der Vorstand überraschend die Jahresziele für 2004 zurück genommen hatte. Am MIttwoch verlor die Aktie weiter und fiel zeitweise auf 16,45 Euro.

Christian Schindler von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) bewertet Medion weiterhin mit „outperform“. „Unsere Kaufempfehlung zielt auf den spekulativen Anleger“, sagt der LRP-Analyst. Das Medion-Geschäftsmodell sei erprobt und erfolgreich, die schlechten Zahlen der Halbjahresbilanz vor allem Folge des schwachen Konsumklimas in Deutschland. „Die Aktie bietet Chancen“, meint Schindler.

Der Elektronik-Großhändler, der durch den Verkauf von Personalcomputern beim Discounter Aldi bekannt wurde, hatte durch die Gewinnwarnung und die miserable Bilanz für das zweite Quartal eine tiefe Vertrauenskrise ausgelöst. Nach der ursprünglichen Vorstandsprognose sollte der Umsatz bis zum Jahresende zweistellig wachsen, der Gewinn ebenfalls steigen. Im zweiten Quartal erhöhte sich der Umsatz aber lediglich um 3,8 Prozent auf 490 Mill. Euro, für das erste Halbjahr 2004 bedeutet das eine Steigerung um fünf Prozent. Statt wie angekündigt zu steigen, brachen EBIT und Nettogewinn um je 50 Prozent ein – auf 13 Mill. und 7 Mill. Euro. Schockierend für die Anleger war der Rückgang der Bruttomarge von elf auf neun Prozent, im deutschen Markt gar auf acht Prozent.

Als Begründung dafür führte das Unternehmen die Konsumflaute und den anhaltenden Preisdruck in Deutschland an. Nach Berechnungen der LRP sanken die Preise für Notebooks und Digitalkameras im zweiten Quartal um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, die Preise für DVD-Player sogar um 35 Prozent. Um Umsatz und Marktanteile zu halten, weitete Medion die Stückzahlen dieser Produkte um bis zu 50 Prozent aus. „Sollten sich die Rahmenbedingungen in Deutschland nicht stabilisieren, kann für das Gesamtjahr ein Umsatz- und Ergebnisrückgang im Vergleich zum Vorjahr nicht mehr ausgeschlossen werden", warnte das Unternehmen.

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