Viele Analysten halten die Aktie für teuer, obwohl die kanadische Luxushotel-Kette wieder Gewinn erzielt
Bei Four Seasons ist die Phantasie raus

Nach zwei Jahren Unwetterstimmung in der Reise- und Hotelbranche sind die dunkelsten Gewitterwolken offenbar vorbeigezogen. Der kanadische Luxushotel- Betreiber Four Seasons Hotels & Resorts jedenfalls schaffte vor kurzem die Wende: Ausgerechnet im traditionell reiseschwachen dritten Quartal erzielte Four Seasons einen Gewinn von rund 3,6 Mill. US-Dollar (umgerechnet etwa 3,05 Mill. Euro), also knapp zehn US-Cent je Aktie, nachdem der Konzern im gleichen Vorjahreszeitraum noch einen Verlust von 27 Cent pro Aktie hatte hinnehmen müssen.

HOUSTON. Experten bewerten das gute Ergebnis als positives Zeichen für die gesamte Branche: „Die globale Erholung hat begonnen“, kommentiert Analyst Marc Falcone von Deutscher Bank Securities, der sein Kursziel vor kurzem auf 69 $ erhöhte – das wäre ein Plus von mehr als 15 % im Vergleich zum aktuellen Preis. „Bisher kam die wachsende Nachfrage eher aus dem Freizeitbereich, aber diesmal berichtet Four Seasons von einem breiten Zuwachs bei Geschäftsreisenden, vor allem von Finanzunternehmen“, sagt auch Joyce Minor von Lehman Brothers.

Die aktuellen Zahlen des US-Verbandes der Reisebranche TIA prognostizieren auch für 2004 einen Schritt nach vorne. Zum ersten Mal seit 1999 soll im kommenden Jahr die Zahl der einheimischen Geschäftsreisenden in den USA nach TIA-Schätzungen wieder steigen. Wachsende Einnahmen erwartet der Verband dann auch von Touristen aus dem In- und Ausland, die voraussichtlich etwa 570 Mrd. $ in den USA ausgeben werden - ein Plus von 4,4 % im Vergleich zu diesem Jahr.

In der Reisebranche gilt die Four-Seasons-Marke als eine der besten Adressen. Mit ihren 43 Anlagen in bedeutenden internationalen Wirtschaftszentren gehören die Kanadier im Bereich der Luxushotels zu den führenden Unternehmen weltweit. Analysten loben vor allem, dass der traditionsreiche Konzern selbst in den jüngsten Krisenmonaten einer Änderung der Zimmerpreise widerstanden hat. „Four Seasons hat die Standorte, die Servicequalität und das Preisniveau während der Rezession beibehalten – deshalb sind sie jetzt gut positioniert, um von der Erholung zu profitieren“, sagt Marc Falcone. Harry Curtis von JP Morgan erwartet ebenfalls, dass Four Seasons in den kommenden drei bis vier Jahren die Ergebnisse der Konkurrenz übertreffen wird: „Das Unternehmen hat die stärksten Wachstumsaussichten der gesamten Branche, und auch bei der Bilanz des vergangenen Quartals ist die Überlegenheit der Marke wieder deutlich geworden.“

Dennoch rät Curtis zurzeit nur zum „Halten“ der Aktie. Grund ist der verhältnismäßig hohe Kurs. Bei knapp unter 60 $ erreichten Four Seasons Anfang November ein neues Zwölfmonatshoch. Seit den Jahrestiefständen vom Frühjahr hat der Kurs damit inzwischen um fast 140 % angezogen. „Das Kurs- Gewinn-Verhältnis liegt bei mehr als 35, und das ist Aufsehen erregend hoch – aber der Titel ist es auch wert“, sagt Deutsche-Bank-Analyst Marc Falcone. „Four Seasons hat in allen Phasen einen ähnlichen Wert beibehalten, und wir sind der Meinung, dass ein so hoher Kurspreis gut untermauert ist.“

Doch nur wenige Analysten raten bei solchen Preisen noch zum Kauf. Der Finanzdienstleister Thomson First Call listet zurzeit 21 Anlageurteile auf, von denen drei den Kauf und elf den Verkauf der Titel empfehlen. Sieben Bewertungen lauten „neutral“. J. Cogan von Bank of America hob jüngst sein Urteil von „Verkauf“ auf „neutral“ an, warnte zugleich jedoch vor zu hohen Erwartungen: „Es ist ein wenig übertrieben, den Anlegern den Verkauf der Aktie zu empfehlen, aber lassen Sie uns Klartext sprechen – es ist vermutlich zu spät, um Four Seasons noch hinterherzujagen.“

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