Viele Analysten überdenken nun ihre Einschätzung
Ölwerte verzeichnen sprudelnde Gewinne

Die Hausse der Rohölnotierungen beschert den Ölkonzernen satte Gewinne in ihren Quartals- und Jahresabschlüssen. Doch bislang scheinen das die Börsen weitgehend zu ignorieren. Der Aufschwung der Aktienkurse in den vergangenen Monaten ging an den Energietiteln fast spurlos vorbei. Hauptverantwortlich dafür: die schlechte Kursentwicklung von Ölaktien.

Während andere Branchen Kurssprünge von 30 bis 40 % in den vergangenen Monaten verzeichneten, zogen Aktien aus dem Energiesektor lediglich 10 % an. Grund: Viele Investoren rechneten mit einem baldigen Preissturz des Rohöls. Doch der blieb bislang aus und es spricht viel dafür, dass die Ölkonzerne weiter auf satte Gewinne setzen dürfen.

Das ermuntert einige Analysten zu einem Wechsel ihrer Sichtweise: Die Experten der niederländischen Bank ABN Amro stuften den europäischen Ölsektor gestern von „gleichgewichten“ auf „übergewichten“ hoch. Auch Harald Feldhoff von der WGZ-Bank korrigierte seine Einschätzung der Branche vergangene Woche von „leicht untergewichten“ auf „leicht übergewichten“. Der Analyst rechnet im vierten Quartal 2003 mit einem durchschnittlichen Brent-Ölpreis von 29,50 $ pro Barrel (159 Liter). Für das kommende Jahr geht er von einem Durchschnittspreis von 25 $ aus. Preisdimensionen, die den Unternehmen satte Gewinne ermöglichen. „Der hohe Ölpreis und die guten Unternehmenszahlen spiegeln sich nicht in den Aktienkursen wider", meint Feldhoff.

Potenzial für die Branche sieht auch Katja Blanke von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) – allerdings sei das eher gering. Dass sich das Ölpreisniveau in einem allgemeinen Anstieg der Aktienkurse deutlich sichtbar niederschlägt, glaubt sie nicht. „Auf die hohen Ölpreise haben die Kurse in den vergangenen Monaten kaum reagiert, daran wird sich nichts ändern“, meint Blanke.

Auf der anderen Seite halten Experten auch einen Preissturz durch eine Ölschwemme für unwahrscheinlich: Zum einen steige im Winter gewöhnlich eher die Nachfrage an. Zum anderen steht dem die jüngste Opec-Entscheidung, die Förderquoten zu senken, entgegen.

Den einzelnen Aktien geben die Öl-Analysten unterschiedliche Chancen: Feldhoff hält Total Fina Elf für „stark unterbewertet“. Dabei steche der französische Konzern mit einem „hervorragenden Produktionswachstum“ heraus, begründet Feldhoff seine Kaufempfehlung. Blanke sieht den italienischen Konkurrenten ENI vorne. „Eine sehr gute Strategie und reichlich Kostensenkungspotenzial“ macht sie bei dem Unternehmen aus. Das Engagement von BP in Russland wertet die Expertin zwar grundsätzlich positiv, „allerdings besteht wegen der politischen Lage auch ein Risiko“. Ihre Einstufung für die BP-Aktie lautet „Underperformer“. WGZ-Bank-Analyst Feldhoff stuft BP und ENI genauso wie Repsol mit „akkumulieren“ ein. Auf „Reduzieren“ setzt er Royal Dutch/Shell.

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