Viele Konjunkturnachrichten in der kommenden Woche
Experten sehen Dax weiter bei 3900 Punkten

Der Deutsche Aktienindex (Dax) wird nach Einschätzung von Marktexperten in der kommenden Woche erneut versuchen, die Marke von 3900 Punkten nachhaltig zu durchbrechen – ohne großen Erfolg, wie viele meinen.

HB FRANKFURT. Von den börsennotierten Unternehmen sind nur dünne Nachrichten zu erwarten, daher dürften die Investoren ihr Augenmerk besonders auf die zahlreichen Konjunkturdaten richten. „Da von Unternehmensseite keine neuen Geschäftszahlen anstehen, werden sich die Märkte auf die US-Konjunkturdaten konzentrieren“, sagte Carsten Klude, Chef-Volkswirt bei M.M. Warburg. „Da diese aber wohl kein neues Bild von der Lage der US-Wirtschaft zeichnen werden, dürfte der Dax wohl erst einmal weiterhin um die Marke von 3900 Punkten pendeln“, ergänzte er. In der nächsten Woche stehen in den USA unter anderem wichtige Daten zum Verbraucherverhalten an. Die Konsumenten tragen mit ihren Ausgaben in der weltgrößten Volkswirtschaft rund zwei Drittel zur Wirtschaftsleistung bei. Auch der Ölpreis sollte weiter ein wichtiges Thema an den Finanzmärkten bleiben.

„Gewisse Orientierungslosigkeit“

Die Unsicherheit am Aktienmarkt steht indes nach Ansicht vieler Marktteilnehmer einem weiteren Anstieg entgegen. Einige meinen gar, dass nach den Gewinnen der Vorwochen nun eine Konsolidierung wahrscheinlich sei. „Darin drückt sich eine gewisse Orientierungslosigkeit aus, die im fundamentalen und geldpolitischen Umfeld ihre Wurzeln besitzt“, meinen die Experten der Bankgesellschaft Berlin. So bleibe der Ölpreis ein anhaltender Risikofaktor, der durch erneute Terroranschläge wieder an Brisanz gewinnen könnte. „Durch den näherrückenden 11. September ist dieses Thema wieder aktuell geworden“, meint ein Händler.

Zudem werde im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen ohnehin mit Anschlägen gerechnet. Hinzu komme die Saisonalität der Börse: „Vor allem der September ist halt ein traditionell schlechter Monat, da wagt sich niemand zu weit vor“, sagt ein Händler. Von der eher gedämpften Stimmung zeuge auch die unbeeindruckte Reaktion der Anleger auf die eigentlich guten Konjunkturdaten in der Eurozone, so die Experten der Bankgesellschaft. Starke Produktions- und Auftragseingangszahlen in Deutschland hätten der Börse keine neuen Impulse verliehen.

Vielmehr gebe es wohl Bedenken hinsichtlich der inflationären Risiken, die von der Weltkonjunktur und vom Ölpreis ausgehen. So zeigten die Verbraucherpreise erste Anzeichen einer möglichen Aufwärtstendenz. Daraus resultierten Unsicherheiten, wie die Notenbanken weiterhin vorgehen werden. So lange die Unsicherheiten hier bestünden, dürfte die Phase der Orientierungslosigkeit Bestand haben, wobei günstige Bewertungen und die anziehende Wirtschaft eigentlich für die Aktienanlage sprächen.

Auch technische Analysten sehen Konsolidierungsbedarf am deutschen Aktienmarkt. Der Dax dürfte zunächst seine Überkauftheit abbauen, meint Marcel Mußler, Herausgeber der Mußler-Briefe. So lange der Dax nicht über 3.905 Punkte, wo die Nackenlinie einer potenziellen umgekehrten Schulter-Kopf-Schulter-Formation liegt, hinweggehe, sei das Potenzial begrenzt.

Schwächere Konjunkturdynamik

Nach Einschätzung von Markus Reinwand, Aktienstratege bei der Helaba, dürften die Konjunkturdaten „wohl auf eine Abschwächung der US-Konjunkturdynamik hindeuten.“ „Auch die Ausblicke der Unternehmen auf den weiteren Jahresverlauf klangen zuletzt eher verhalten.“ Reinwand geht daher ebenfalls nicht davon aus, dass der Dax in der kommenden Woche die Marke von 3900 Punkten nachhaltig überwinden werde.

Etwas optimistischer blickt hingegen Stefan Schießer, Aktienstratege bei der DZ Bank, auf die nächste Woche. „Die Belastungsfaktoren wie der hohe Ölpreis oder die Lage am amerikanischen Arbeitsmarkt, die die Aktienkurse in den vergangenen Wochen gedrückt hatten, dürften in ihrer Bedeutung weiter nachlassen und somit dem Aktienmarkt Rückenwind geben“, sagte Schießer. „Aus fundamentaler Sicht könnte ich mir vorstellen, dass der Dax die 3900er-Marke hinter sich lassen dürfte.“

Investoren halten sich zurück

Der deutsche Leitindex hat in dieser Woche größtenteils auf der Stelle getreten. Der Dax konnte im Wochenverlauf lediglich rund ein halbes Prozent zulegen und notierte am Freitagnachmittag bei 3880 Punkten. Auf eher zurückhaltend aufgenommene Äußerungen von US-Notenbankpräsident Alan Greenspan zur Lage der US-Wirtschaft, die Spekulationen über eine Verlangsamung des Zinsanhebungstempos genährt hatten, reagierten die Aktienmärkte indes kaum.

Auch die Anhebung der Gewinn- und Umsatzprognose des weltgrößten Handy-Herstellers Nokia hatte nur kurzfristig die Nachfrage nach Dividendenpapieren angekurbelt. Die Senkung der Umsatzprognose durch den weltgrößten Hersteller von Handy-Chips, Texas Instruments, sorgte für Vorsicht bei den Anleger. „Angesichts fehlender Unternehmensergebnisse dürften sich die Investoren mit Engagements an den Aktienmärkten weiter zurückhalten“, sagte Klude.

Zahlreiche Konjunkturdaten

Den Reigen an Konjunkturdaten werden am Dienstag die US-Einzelhandelsumsätze für August eröffnen. Ebenfalls am Dienstag steht in den USA die Bekanntgabe der Leistungsbilanz für das zweite Quartal auf der Agenda. Aus deutscher Sicht dürfte der ZEW-Konjunkturindex für September von Interesse sein. Am Mittwoch folgen dann in den USA die Lagerbestände für Juli und die Industrieproduktion für August. Außerdem wird der Empire-State-Index der Fed von New York erwartet. Am Donnerstag stehen die Verbraucherpreise für August, der Konjunktur-Index der Philadelphia Fed sowie die Wochenstatistik zu den Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe zur Veröffentlichung an. Außerdem werden in den USA die Realeinkommen für August bekannt gegeben.

Am Freitag steht dann schließlich noch der an den Finanzmärkten besonders beobachtete vorläufige Index für das US-Verbrauchervertrauen der Universität Michigan für September auf dem Programm. Zudem dürften zum Wochenschluss die Kurse an den deutschen Aktienmärkten angesichts des großen Verfalltermins an der Derivatebörse Eurex (Dreifacher Hexensabbat) starken Schwankungen unterliegen.

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