Viele Mankos
Pro Sieben Sat 1 gilt als teuer

Das angekündigte Sparprogramm bei Pro Sieben Sat 1 hat die Anleger bislang nicht beeindruckt. Zu viele Unwägbarkeiten sind bisher mit der Entscheidung, die angeblich nicht auf Druck der beiden neuen Mehrheitseigner KKR und Permira getroffen wurde, verbunden.

FRANKFURT. In der Medienwelt sorgte die Meldung für große Aufregung, am Aktienmarkt blieb sie bis jetzt weitgehend wirkungslos: Der Medienkonzern Pro Sieben Sat 1 will seine Rendite von 24 auf 30 Prozent steigern und baut dafür unter anderem rund 200 Stellen ab. Vor allem die bisherige „Cashcow“ Sat 1 und deren Informationsprogramm sollen davon betroffen sein. Lösen solche Meldungen an der Börse gewöhnlich ein Kursfeuerwerk aus, so zeigen sich die Börsianer bisher unbeeindruckt davon.

Der Hauptgrund: Zu viele Unwägbarkeiten sind bisher mit der Entscheidung, die angeblich nicht auf Druck der beiden neuen Mehrheitseigner KKR und Permira getroffen wurde, verbunden. Die Landesmedienanstalt Rheinland-Pfalz hat bereits unmittelbar im Anschluss daran eine Prüfung angekündigt, ob nach weiteren Kürzungen bei Sat 1 noch die Bedingungen für ein Vollprogramm vorhanden sind. Damit steht Analysten zufolge der Zugang zur Hälfte der deutschen Haushalte auf dem Spiel. „Wir sind allerdings der Meinung, dass der Entzug der Sendelizenz nicht eintreten wird“, sagt Gepa Theobald von der WestLB. Sat.1 habe immer noch einige Qualitätsreserven im Vergleich zu anderen deutschen Fernsehsendern. Nahezu alle Analysten, die die Aktie beobachten, glauben, dass damit der „größte anzunehmende Unfall für Pro Sieben Sat 1“, wie es ein Börsianer formulierte, vermieden werden kann.

Weiteres Manko jedoch: „Der Abbau von 200 Arbeitsplätzen kann nur ein kleiner Schritt sein, schließlich stellen die Personalkosten nicht das Hauptproblem dar“, sagt Friedrich Schellmoser von Unicredit. Der Medienkonzern will bis zu 90 Mill. Euro bis zum Jahr 2010 einsparen. Diese Summe soll sich aus Synergieeffekten aus der kürzlich erfolgten Übernahme des skandinavischen Medienhauses SBS ergeben. 3,3 Mrd. Euro haben die Münchener dafür bezahlt, größtenteils finanziert durch Kredite. Bonbon dabei: Die Summe ging an die beiden Besitzer KKR und Permira, denen SBS vorher gehörte. Mit 3,3 Mrd. Euro wurde SBS nach Ansicht von Christophe Cherblanc von der Société Générale teuer bezahlt. Für ihn sind die Skandinavier nur drei Mrd. Euro wert – 300 Mill. Euro weniger als gezahlt. Die Konsequenz für ihn: Diese Summe muss nun zusätzlich herausgeholt werden.

Dennoch gewinnt er dem SBS-Deal auch Positives ab, dürfte doch der Gewinn je Aktie in den kommenden Jahren deutlich anziehen. Geschätzten 1,32 Euro in diesem Jahr könnten Cherblancs Berechnungen zufolge 2008 bereits 1,87 Euro und ein Jahr später 2,33 Euro gegenüber stehen. Das dürfte seiner Ansicht nach vieles wett machen, was an Skepsis momentan gegenüber der Medienaktie aufkommt.

Mit seinem Kursziel von 35 Euro für die Pro Sieben Sat 1-Aktie steht Cherblanc allerdings an der Spitze der Optimisten. Das Gros der Experten hält bestenfalls Kurse um 30 Euro für die Aktie, die gestern gegen den allgemeinen Abwärtstrend auf 27,60 Euro zulegte, für angemessen. Am pessimistischsten ist Sonia Rebussier vom Bankhaus Sal. Oppenheim, die nur 25 Euro für angemessen hält.

Die große Unbekannte bleibt, wie Zuschauer und Werbekunden auf die neue Programmstruktur bei Sat 1 reagieren werden. „Die Programmkosten zu senken, ist ein sehr gefährlicher Schritt für einen Sender; wir befürchten einen weiteren Zuschauerschwund sowie einen Rückgang der Werbeeinnahmen“, sagt Friedrich Schellmoser.

Selbst wenn dieses Problem gelöst werden sollte, bleibt ein weiteres: Auf aktuellem Niveau gilt die Aktie, die innerhalb eines Jahres über 40 Prozent an Wert gewonnen hat, als teuer. Nach Schätzungen für 2007 liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf dem hohen Wert von 22. Am Aktienmarkt erwarten deshalb viele, dass zuerst Pro Sieben Sat 1 ein Zeichen des Aufschwungs gibt, ehe sie zugreifen.

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