Vielzahl an Emissionen
Klima für Börsengänge wird rauer

Das Klima für Aktienemissionen ist in den letzten Wochen deutlich rauer geworden. Der Grund: Weil in den nächsten Wochen europaweit sehr viele Unternehmen an die Börse streben, kommt es auf Investorenseite zu einem harten Auswahlprozess, der auf die Preise drückt.

FRANKFURT. Allein in Deutschland wollen in diesem Monat noch etwa ein Dutzend Unternehmen mit einem Emissionsvolumen von etwa 1,5 Mrd. Euro an die Börse. Emissionsberater wie Konrad Bösl von der Münchener Agentur Schlecht & Partner sprechen deshalb von einem regelrechten „Preiskrieg“, der im Moment tobt.

Daran ändert auch nichts, dass das Klima an der Börse an sich im Moment sehr gut ist. Der Deutsche Aktienindex (Dax) nahm gestern die Marke von 6 100 Punkten und nähert sich seinem Jahreshoch von Mitte Mai bei 6 140 Punkten an.

„Der Markt zeigt sich nach wie vor aufnahmebereit, jedoch nicht in jedem Sektor“, sagt Stefan Winter, Vorstand bei UBS Deutschland. Probleme gibt es derzeit vor allem bei Emissionen aus den Bereichen Biokraftstoffe und Immobilien. Aus beiden Segmenten sollte ursprünglichen Planungen zufolge die Mehrzahl der Emissionen im zweiten Halbjahr kommen. Doch mit BDI Biodiesel und Crop Energies haben die beiden ersten Emissionen aus dem Biokraftstoffsektor enttäuscht. Beide Aktien notieren deutlich unter ihrem Ausgabepreis.

Dem deutschen Marktführer Verbio, der ursprünglich für heute sein Börsendebüt geplant hatte, schlug deshalb während der Zeichnungsfrist ein scharfer Wind entgegen. Im so genannten Handel per Erscheinen, in dem Aktien bereits vor ihrer Erstnotiz gehandelt werden, notierte die Aktie gestern mit 14 Euro deutlich unter der Preisspanne von 17 bis 21 Euro. Der Biosprithersteller senkte wegen der schleppenden Nachfrage am Mittwoch den Preis für seine Aktien und verlängerte die Zeichnungsfrist. Das Börsendebüt im Prime Standard verschiebt sich dadurch auf den 16. Oktober. Für die beiden deutlich kleineren Wettbewerber Petrotec und Ecodasa, die in den nächsten Wochen an die Börse streben, wird die Lage so allerdings noch schwieriger.

Mit reichlich Gegenwind kämpft derzeit auch der Immobiliensektor. Die Berliner Estavis hat am Wochenende noch vor Beginn der heißen Phase den Börsengang abgesagt. Und die Immobilienholding Gagfah, die Marktgerüchten zufolge ursprünglich bis zu 1,5 Mrd. Euro an der Börse erlösen wollte, hat ihre Vorstellungen deutlich reduziert. Bei einem Ausgabepreis von 17 bis 19 Euro könnte der Erlös zwischen 760 und 850 Mill. Euro liegen. Damit wäre Gagfah hinter Wacker Chemie der zweitgrößte deutsche Börsengang in diesem Jahr.

Nachdem Gagfah das Volumen an die Marktbedingungen angepasst hat, sollen Finanzkreisen zufolge Investoren aus den USA und Großbritannien großes Interesse haben. Die Ausländer trauten dem deutschen Markt für Wohnimmobilien mehr zu als die Deutschen selbst, hieß es. Es wird deshalb mit einer Platzierung von mehr als 50 Prozent der Aktien im Ausland gerechnet. Aber auch bei der für den 23. Oktober geplanten Gagfah-Emission wird kräftig um den Preis gerungen. Im Handel per Erscheinen kosteten Gagfah-Titel gestern zwischen 17 und 17,80 Euro.



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Generell fordern die Investoren im Moment größere, liquide Börsengänge mit einem stabilen, transparenten Geschäft und einer hohen Dividendenrendite, sagt Georg Hansel, Managing Director bei der Deutschen Bank. Bei Gagfah hat man das zur Kenntnis genommen und für 2007 eine Dividende von 0,71 Euro je Aktie in Aussicht gestellt. Das entspräche je nach Ausgabekurs einer Dividendenrendite von 3,7 bis 4,2 Prozent.

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