Volkswagen und Dieselgate
VW-Aktionäre atmen durch

Am späten Donnerstag soll ein Meilenstein in der Abgasaffäre des Volkswagen-Konzerns erreicht sein: eine Einigung mit US-Behörden. Die Aktionäre hoffen auf ein relativ mildes Ergebnis. Die Aktie ist Tagesgewinner im Dax.

Wolfsburg/FrankfurtAm Mittwochnachmittag meldet die Nachrichtenagentur Reuters: Mindestens zehn Milliarden Euro wird Volkswagen wegen des Abgasskandals um Millionen manipulierte Diesel-Motoren zurücklegen müssen. Doch was macht die Aktie? Sie zeigt sich völlig unbeeindruckt und glänzt weiter mit einem Tagesplus von fast sieben Prozent. Die 120-Euro-Marke ist bei den im Deutschen Aktienindex notierten Vorzugsaktien geknackt. Das VW-Papier geht am Donnerstag als Spitzenreiter aus dem Dax.

Von den 180 Euro vor Bekanntwerden des Skandals im September vergangenen Jahres ist die Aktie zwar weit entfernt. Doch in den vergangenen Wochen hat die Aktie sich von knapp über 100 Euro kontinuierlich nach oben gekämpft. Selbst die Aussicht, dass die Dividende schlimmstenfalls komplett gestrichen werden könnte, tat der Mini-Rally keinen Abbruch.

Am Mittwoch profitierte Volkswagen wohl auch davon, dass Anleger auf ein vergleichsweise glimpfliches Ende einer Auseinandersetzung mit den US-Behörden erwarten. Dass eine hohe Milliardenbelastung droht, ist zwar so gut wie Gewissheit. Doch in den Aktienkurs waren durch den Kurssturz ab September selbst Horrorszenarien eingepreist.

Volkswagen muss sich bis Donnerstag mit der US-Umweltbehörde EPA über die Reparatur oder den Rückkauf der rund 580.000 manipulierten Autos in den USA einigen. Sollte das nicht gelingen, droht im Sommer ein Prozess.

Der Konzern setzt aber in der Abgasaffäre weiter auf eine außergerichtliche Einigung in den Vereinigten Staaten. Eine von den Klägern geforderte beschleunigte Anhörung oder einen Prozess hält VW „nicht für angemessen oder für nötig“, wie aus Dokumenten des Bezirksgerichts in San Francisco hervorgeht. Analysten werteten die Aussagen der VW-Anwälte in dem Gerichtsdokument daher als Hinweis, dass der Wolfsburger Konzern fristgerecht einen Kompromiss präsentieren wird. Die Einigung mit den Umweltbehörden dürfte den Großteil der zu zahlenden Strafen ausmachen und könnte ausreichend für VW sein, um den Jahresabschluss wie vorgeschrieben bis Ende April vorzustellen.

Nach Handelsblatt-Informationen ist der wahrscheinlichste Ausgang, dass am Donnerstag eine Einigung mit den staatlichen Stellen über die Höhe der Strafzahlungen verkünden und detailliert erklärt werden wird, wie die Autos repariert werden sollen. Eine gleichzeitige Einigung mit privaten Klägern, in einem Verfahren des Justizministeriums und der Handelsbehörde FTC wäre die Ideallösung, gilt aber als wenig wahrscheinlich.

Die Erwartung sei gestützt worden, „dass VW am Donnerstag eine umfassende Einigung mit der EPA präsentieren wird“, sagte Arndt Ellinghorst vom Analysehaus Evercore ISI. Damit könne Volkswagen wahrscheinlich einen Schlussstrich unter die Probleme in den USA ziehen. „Volkswagen hat ein großes Interesse daran, sich zu vergleichen“, sagte Frank Schwope von der NordLB.

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