Vor größter Tech-Neuemission
Banken fiebern Alibaba-Börsengang entgegen

Es wird der vermutlich größte Börsengang in der Technologiebranche: Das chinesische Pendant zu Amazon drängt an die Börse. Investmentbanken bringen sich in Stellung: Hunderte Millionen Dollar Gebühren stehen in Aussicht.
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HongkongEs dürfte der größte Börsengang in der Geschichte der Technologiebranche werden. Das chinesische Amazon-Pendant Alibaba will demnächst in den USA den Sprung auf das Parkett wagen. Rund um den Globus bringen sich deswegen schon jetzt die Investmentbanken in Stellung, um die Transaktion organisieren zu dürfen - schließlich winken Gebühren in Höhe von geschätzt 300 Millionen Dollar. Bereits jetzt wirft der Deal seine Schatten voraus. Um nicht aus dem Rennen zu sein, haben viele Banken zuletzt auf Mandate bei Konkurrenten von Alibaba verzichtet. Thomson-Reuters-Daten zufolge sind ihnen dabei im vergangen Jahr Einnahmen von zusammen 100 Millionen Dollar durch die Lappen gegangen.

Mit der Situation vertraute Personen sagten Reuters, viele Banken wollten das Management des chinesischen Internet-Händlers nicht vergraulen, in dem sie sich in einen Interessenskonflikt begeben. Zum Beispiel hatte Alibaba zuletzt angekündigt, die restlichen Anteile des Digitalkarten-Spezialisten AutoNavi kaufen zu wollen. Alibaba hielt bereits 28 Prozent der Aktien und bewertete AutoNavi nun mit insgesamt 1,6 Milliarden Dollar. Einige Banken lehnten es aber ab, an einer Abwehrstrategie für AutoNavi mitzuarbeiten, um nicht Alibaba zu verärgern, so die Insider. Am Ende übernahm die kleinere Investmentbank Lazard die Aufgabe.

Alibaba wird bei seinem Börsengang vermutlich auch Facebook übertreffen. Das Listing des weltgrößten Internet-Netzwerks hatte 2012 ein Volumen von 16 Milliarden Dollar. Am Graumarkt gehen Investoren mittlerweile von einem Alibaba-Wert von bis zu 250 Milliarden Dollar aus. Zum Vergleich: Apple kommt auf einen Börsenwert von 481 Milliarden Dollar, Facebook nur auf 183 Milliarden. Alibaba wäre damit weltweit das zehntteuerste Unternehmen noch vor dem seit langem etablierten US-Einzelhandelsriesen Walmart, der 2013 auf Umsätze von gut 473 Milliarden Dollar kam.

In China ist Alibaba zwar mit Abstand der Marktführer im Internet-Handel, doch viele Chinesen nutzen inzwischen lieber ihre Smartphones zum Shoppen und wandern zu Rivalen ab. Außerdem ist die Technologiebranche in der Volksrepublik im Umbruch. Die vielen Übernahmen und Zusammenschlüsse bringen die Banken in die Bredouille, weil es Überschneidungen zum Geschäft von Alibaba geben könnte.

Als heiße Kandidaten für das Börsengang-Mandat gelten die Deutsche Bank, Credit Suisse sowie die US-Häuser Citigroup, Goldman Sachs, JPMorgan und Morgan Stanley. Alle arbeiteten bereits im Kredit-Bereich mit Alibaba zusammen, weswegen ihre Chancen gut stünden, so die Insider.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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