Vorräte an internationalen Metallbörsen sind deutlich gesunken
Chinas Nachfrage stützt Aluminiumpreise

Bis vor kurzem galt Aluminium noch als Nachzügler bei den seit Jahresbeginn boomenden Metallpreisen. Das Angebot schien reichlich, die Vorräte mit einer Versorgungsdauer von über neun Wochen verhältnismäßig hoch. Doch das Bild hat sich gewandelt. Die Preise der Industriemetalle befinden sich zurzeit in einer Korrekturphase. Aluminium hat dabei Experten zufolge gute Chancen, die Preiskorrektur am besten zu überstehen.

LONDON. Gestützt wird der Aluminiumpreis von dem unersättliche Bedarf Chinas. Das Land ist nach den USA der zweitgrößte Aluminiumverbraucher der Welt. Hinzu kommen die Knappheit an Tonerde und Verzögerungen bei der Inbetriebnahme neuer Hüttenkapazitäten. Ingrid Sternby von Barclays Capital in London sieht daher bis auf Weiteres Preise von 1 700 bis 1 720 Dollar je Tonne (t). Zuletzt war das Metall vor rund zehn Jahren so teuer.

Aluminium findet in nahezu allen Gebieten der Technik und des täglichen Lebens Anwendung. Sein geringes Gewicht hilft im Verkehrssektor – ob als Motorblock im Pkw, als ICE-Mittelwagen oder im Flugzeugbau, Treibstoff bzw. Energie zu sparen. Im Bauwesen ist die Langlebigkeit und Wartungsfreiheit von Fenstern, Dächern, etc. aus Aluminium gefragt. In der Verpackung schützt es dank der Barriereigenschaften Lebensmittel und Pharmazeutika. Die Dosenhersteller sind Großabnehmer. Seine gute Leitfähigkeit macht Aluminium zudem für die Elektrotechnik interessant. 30 Prozent des Weltangebots gehen in den Transportsektor, etwa je 20 Prozent in den Verpackungssektor und das Baugewerbe. Weltweit werden 29 Mill. t Aluminium benötigt, davon ca. 3 Mill. t in Deutschland.

China war schon im Jahr 2003 mit 4,6 Mill. t der zweitgrößte Aluminiumverbraucher der Welt. Bis 2006 soll der Verbrauch dort auf mindestens 6 Mill. t wachsen. Das macht das Riesenreich „zur treibenden Kraft am Welt-Aluminiummarkt“, meint Matthew Parry von der Londoner Economist Intelligence Unit, EIU. Binnen Jahresfrist habe das Land seine Primäraluminiumkapazitäten zwar „dramatisch ausgeweitet“ und mit Exporten Anbietern wie Australien, Kanada und Russland Konkurrenz gemacht. Doch inzwischen hat sich die Situation wieder verändert. Die Verdoppelung des Preises für Tonerde und Engpässe in der Stromversorgung hemmen die Aluminiumerzeugung. Nach Einschätzung der Londoner CRU-Experten sollen bereits seit Mitte 2003 Kapazitätserweiterungen in der Größenordnung von 2,73 Mill. t auf Eis liegen. Aus Sorge über die Eigenversorgung hat Peking laut Jim Lennon von Macquarie Research inzwischen sogar „Maßnahmen ergriffen, um die Exporte von Aluminium unattraktiv zu machen.“

Als „positives Zeichen“ für das Leichtmetall wertet Lennon auch den Umstand, dass für dessen physische Lieferungen ein wachsendes Aufgeld gezahlt werde. Die „Prämien“ für die meisten anderen Metalle seien dagegen erneut rückläufig, da der Markt die negativen Auswirkungen der weithin erwarteten Erhöhung der US-Zinsen fürchte.

Der Aluminiumpreis wird daneben von sinkenden Vorräten gestützt. In den Lagerhäusern der Metallbörsen in London, Shanghai und New York nahmen die Bestände seit Jahresanfang um 365 000 t auf 1,29 Mill. t ab. Lennon glaubt, dass dieser Wert kaum noch von bisher nicht gemeldeten, versteckten Beständen Frage gestellt werden kann.

„Aluminium hat damit in der derzeitigen Preisspanne von 1 650 bis 1 680 Dollar je Tonne eine sehr solide Basis“, meint denn auch Ingrid Sternby von Barclays Capital. „Sollte der Preis sich etwa wieder der 1 500 Dollar-Marke nähern, würden die Fonds sicherlich zukaufen“, stützt auch Parry von der EIU diese Erwartung. Erst ab 2005 geht der Experte wegen des nur noch um 3,4 Prozent steigenden Weltverbrauchs – nach sechs bis sieben Prozent jährlich seit 2002 – von einem leichten Abbröckeln des Preises aus. Damit liegt er offenbar im Trend der Meinungen auch anderer Analysten.

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