Vorsichtiger Ausblick
Anleger strafen Siemens ab

Fast alle gewinnen, einer verliert: Während der Dax in Richtung Jahreshoch marschiert, fällt die Siemens-Aktie weit zurück. Börsianer störte vor allem der "vorsichtige" Ausblick auf das kommende Jahr.
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HB FRANKFURT. Siemens-Aktien sind nach Zahlen zum vierten Quartal unter Druck geraten. Die Anteile an dem Mischkonzern rutschten ans Dax-Ende und verbilligten sich um mehr als drei Prozent auf 65,40 Euro. Der Dax legte dagegen um 0,6 Prozent zu auf 5 815 Punkte.

Ein Milliardenverlust beim Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks (NSN) und die Wirtschaftskrise haben bei Siemens deutliche Bremsspuren hinterlassen. In seinem Kerngeschäft fuhr Siemens 2009 zwar ein höheres Ergebnis ein als erwartet, der Ausblick des Konzerns für 2010 fällt aber sehr verhalten aus. Unterm Strich verdiente das Unternehmen mit rund 2,5 Milliarden Euro etwa 58 Prozent weniger als 2008, wie der Konzern am Donnerstag in München mitteilte.

Ein Verlust von 2,2 Milliarden Euro beim kriselnden Netztechnik-Hersteller Nokia Siemens Networks (NSN) riss ein Loch in die Bilanz. Im vierten Quartal machte der Konzern deshalb sogar ein Minus von 1,06 Milliarden Euro. Im operativen Geschäft konnte sich Siemens auch dank eines umfangreichen Sparprogramms gut behaupten. Der operative Gewinn in den drei Sektoren Industrie, Energie und Gesundheit stieg um 13 Prozent auf 7,47 Milliarden Euro. Im neuen Geschäftsjahr erwartet der Konzern hier aber nur noch ein Ergebnis zwischen 6 und 6,5 Milliarden Euro. „Insgesamt bleibt das Marktumfeld 2010 herausfordernd“, erklärte Vorstandschef Peter Löscher.

Analysten äußerten sich zurückhaltend zu den Siemens-Zahlen: Auftragseingang und operatives Ergebnis der Sektoren hätten zwar über den Erwartungen gelegen, schrieb DZ-Bank-Analyst Karsten Oblinger. Allerdings hätten höher als erwartete Belastungen für Nokia Siemens Networks zu einem nicht erwarteten Konzernverlust geführt. Auch der Ausblick für das Nettoergebnis liege deutlich unter seinen und den Erwartzungen des Marktes, schrieb er.

Ähnlich äußerte sich auch Analyst Theo Kitz von Merck Finck zu den Prognosen: "Während die Erwartungen für die Umsätze okay sind, deutet der Ausblick für den Gewinn der Sektoren darauf hin, dass die Marktschätzungen immer noch ein wenig zu hoch liegen und dass die Analysten ihre Erwartungen herunterschrauben müssen."

Michael Busse, Analyst bei der LBBW, verwies auf den schwachen Ausblick für das Sektorenergebnis und die Einkommen aus laufender Geschäftstätigkeit 2010. Es gebe im vierten Quartal unter dem Strich einige Belastungsfaktoren, die auch im kommenden Jahr auf die Stimmung drücken dürften. Diese überschatteten das außerordentlich gute Ergebnis in den Sektoren im vierten Quartal. Zudem hätten alle Sparten in dem Quartal sehr gute Margen ausgewiesen. Busse ließ sein Votum für die Siemens-Aktie auf "Hold" mit dem Kursziel 68 Euro.

"Die Aufträge im vierten Quartal waren sehr stark, während der Profit und die Zielsetzung für 2010 "In Line' ausgefallen sind", sagte Commerzbank-Analyst Ingo-Martin Schachel. Der neue Gewinnausblick des Managements für das Gesamtjahr 2010 sei identisch mit seinen Erwartungen, der Umsatzausblick liege leicht unter seiner Prognose. Aus seiner Sicht sollten das starke Quartal und auch der vielversprechende Ausblick die Aktien letztendlich unterstützen. Schachel bewertet Siemens-Papiere mit "Add" beim Kursziel 70 Euro.

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