Wachstumsindexierte Wertpapiere
Analysten wetten auf Argentinien

Das überraschend hohe Wirtschaftswachstum Argentiniens hat ein neuartiges Finanzinstrument in den Blickpunkt der Analysten gerückt: Wertpapiere, die an das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gekoppelt sind. Argentinien hatte diese Papiere im vergangenen Jahr im Rahmen der umstrittenen Umschuldung ausgegeben.

BUENOS AIRES. „Die argentinische Wirtschaft ist viel schneller gewachsen als irgendjemand erwartet hat“, sagt Walter Molano von der US-Investmentfirma BCP-Securities. Das Statistikamt hatte Ende vergangener Woche bekannt gegeben, dass die argentinische Wirtschaft 2005 um stolze 9,2 Prozent zugelegt hatte. Analyst Molano hält die wachstumsgebundenen Wertpapiere bereits „für einen der attraktivsten Werte auf dem Markt.“

Bei aller Euphorie ist jedoch Vorsicht geboten. Zur Erinnerung: Argentinien hatte sich Ende 2001 für zahlungsunfähig erklärt und bei der Umschuldung letztes Jahr seinen privaten Gläubigern den größten Forderungsverzicht aller Zeiten abgerungen: Die Anleger erhielten mit den neuen Bonds weniger als die Hälfte des ursprünglichen Werts ihrer Altanleihen. Die von Argentinien damals im Tausch gegen die notleidenden Bonds angebotenen Anleihen enthielten BIP-indexierte Komponenten in Peso, Dollar oder Euro, die seit November 2005 als selbständige Wertpapiere notieren. Seitdem steigt deren Kurs stetig an, allein in den letzten vier Wochen um 20 Prozent. Für Kleinanleger sind diese Instrumente allerdings nicht geeignet.

Denn bei den BIP-indexierten Wertpapieren handelt es sich nicht um eine Anleihe, sondern um eine Art Derivat mit entsprechendem Risiko. Die meisten Investmenthäuser berechnen den theoretischen Wert der Papiere wie den eines Optionsscheins. Nach Ansicht des Bridport Investor Service indes handelt es sich „in gewissem Sinne um ein Aktien-Instrument, das eine variable Rendite ähnlich einer Dividende abwirft“. Anleger würden so zu Teilhabern der „Argentinien AG“.

Auf die Papiere leistet der Staat keine Kapitalzahlungen, sondern nur jährliche Zinsen oder Dividenden. Argentinien zahlt jeweils fünf Prozent des „überschüssigen“ realen Jahreswachstums. Das ist die Differenz zwischen dem jeweils tatsächlichen BIP eines Jahres und dem im Umschuldungsprospekt jeweils prognostizierten BIP. Gezahlt wird höchste 30 Jahre oder solange, bis ein Gesamtwert von 48 Prozent des ursprünglichen Nennwerts der Altanleihen erreicht ist. Bei einem durchschnittlichen Wachstum von fünf Prozent ab 2007 wäre der maximale Rückzahlungswert schon innerhalb von zwölf Jahren erreicht, rechnet Bridport vor.

Das im Umschuldungsprospekt zugrunde gelegte Wachstum ist zumindest für die ersten Jahre sehr konservativ berechnet, das nützt den Anlegern. Für 2005 legte der Staat ein Wachstum von 2,9 Prozent zugrunde, also 6,3 Prozent unterhalb des tatsächlichen Zuwachses. Für 2006 liegt die Vorgabe bei 3,6 Prozent Wachstum, wohingegen die meisten Analysten von sechs bis acht Prozent ausgehen. Die Experten schätzen aufgrund des Wachstumspotenzials des Landes, dass sich der Kurs der Papiere mittelfristig verdoppeln könnte.

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