Wacker Construction verschiebt Börsengang
IPO-Markt kommt aus dem Tritt

Der Baumaschinen-Hersteller Wacker Construction hat seinen für diese Woche geplanten Börsengang kurzfristig abgesagt. Sollten die Aktienmärkte aber wieder an Schwung gewinnen, kann der Gang an den Kapitalmarkt nach Aussage von Vorstandschef Georg Sick jederzeit über die Bühne gehen.

HB MÜNCHEN. „Der Markt für Börsengänge ist derzeit ziemlich aus dem Tritt“, begründete Sick am Sonntag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters die Verschiebung. „Die Finanzinvestoren haben auf einen sehr hohen Preisabschlag gedrängt, den wir nicht bereit waren zu gewähren“, sagte er.

„Das Management muss darauf achten, dass die Aktien nicht unter Wert verkauft werden.“ Sick zufolge wurde die Entscheidung „in Harmonie“ mit dem Großaktionär und der Familie getroffen.

Angesichts der jüngsten Turbulenzen an den Aktienmärkten hatten Investoren bei Börsenaspiranten zuletzt auf Preisabschläge von 30 bis 40 Prozent im Vergleich zu bereits an der Börse notierten Unternehmen gedrängt. So hatte im Juni der Kranhersteller Demag Cranes nur nach einer Preissenkung genügend Nachfrage nach seinen Aktien entfachen können, um den Sprung an den Kapitalmarkt zu schaffen.

Am Freitag hatte bereits er italienische Reifenhersteller Pirelli den Börsengang seiner Reifensparte abgesagt. Die Nachfrage der Investoren sei gering gewesen und die Aktienmärkte zu schwach, teilte der Mischkonzern mit. Mit dem IPO hatte Pirelli 810 Mill. Euro erlösen wollen. Mit dem Geld wollte der Konzern seine Verbindlichkeiten verringern.

Die spanische Börsenaufsicht CNMV hatte zuvor den geplanten Börsengang der Bolsas & Mercados Espanoles SA (BME) verschoben. Das IPO solle solange aufgeschoben werden, bis der Betreiber der spanischen Börse weitere Informationen über den Einfluss der EU-Rechtssprechung auf ihr Geschäftsmodell vorlege, teilte die Aufsichtsbehörde am Mittwoch mit.

Nach Aussage von Sick hat das Management von Wacker Construction auf der Werbetour bei potenziellen Investoren eine positive Resonanz zu den Wachstumsaussichten des Herstellers von leichten Baugeräten wie Presslufthämmern erhalten. Der für Freitag angestrebte Gang an die Börse sei daher lediglich verschoben worden. „Sobald das Marktumfeld aufnahmefähig ist und unsere Wertvorstellungen akzeptiert, dann machen wir den Börsengang auch“, sagte Sick. Einen genauen Zeitpunkt wollte er nicht nennen, schloss einen weiteren Versuch noch in diesem Jahr aber nicht aus.

Mit einem erwarteten Emissionsvolumen von bis zu rund 375 Millionen Euro hatte das Münchener Unternehmen als Kandidat für eine Mitgliedschaft im Kleinwerteindex SDax gegolten.

Auf das Firmenkonto sollten 80 bis 120 Millionen Euro fließen, während der Löwenanteil an den Finanzinvestor Lindsay Goldberg Bessemer (LGB) gegangen wäre. Dieser war Ende 2003 mit 30 Prozent bei dem 158 Jahre alten Familienunternehmen eingestiegen.

Mit den über die Börse eingesammelten Geldern wollte Sick das Vermietgeschäft ausbauen, die Präsenz im Ausland erhöhen sowie das Geschäft mit Kompakt-Baumaschinen - etwa Minibagger - stärken. Wacker Construction, die mit dem Börsen-Neuling Wacker Chemie nur den Namen gemein hat, steigerte 2005 mit etwa 2700 Mitarbeitern den Umsatz um 22 Prozent auf rund 500 Millionen Euro. Dabei wurde ein Gewinn von 31,2 Millionen Euro erzielt. Den Börsengang sollten Deutsche Bank und UBS federführend organisieren.

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