Warten auf gute Zahlen
Gildemeister unter Zugzwang

Derzeit schwimmt der deutsche Maschinenbau auf einer regelrechten Auftragswelle. Doch der Branchenprimus, der Gildemeister-Konzern, kämpft mit niedrigen Margen und hohen Schulden – und das vor dem Hintergrund, dass die Branche das dritte Wachstumsjahr in Folge erwartet.

FRANKFURT. Das ist nun der Zeitpunkt, um sich um die Schwachstellen im Unternehmen zu kümmern, fordern daher Analysten.

Denn trotz guter Umsatzentwicklung bleibt dem Unternehmen, mit dessen Maschinen Autoteile, Handygehäuse und Skibindungen produziert oder bearbeitet werden, unter dem Strich nur wenig übrig: 2005 verbuchte der Werkzeugmaschinenbauer einen Nettogewinn von 13,5 Mill. Euro bei einem Umsatz von 1,1 Mrd. Euro. Zudem sorgen Schulden von über 300 Mill. Euro für Bremsspuren in der Bilanz.

Doch der Markt scheint zunächst an die Fähigkeiten des Managements zu glauben. Der Kurs der Gildemeister-Aktie stieg in der ersten Aprilhälfte nach Vorlage der Geschäftszahlen für 2005 auf knapp 7,80 Euro – der höchste Stand seit zwei Jahren. Seitdem hat sie allerdings schon wieder knapp vier Prozent abgegeben.

Roland Könen, Analyst beim Bankhaus Lampe, zeigt sich zuversichtlich. „Das Unternehmen hat an seinen Kosten gearbeitet und das Potenzial, die Margen weiter zu steigern.“ Derzeit empfiehlt er, die Aktie zu halten, ebenso wie vier weitere Analysten. Drei raten zum Kauf der Papiere und einer zum Verkauf. Es werde sich positiv auswirken, dass Gildemeister die Produktion optimiert und den Vertrieb in Asien ausgebaut habe, sagt Könen. Zudem hätten diese Maßnahmen in den vergangenen Jahren Kosten verursacht, die zukünftig nicht mehr anfielen.

Auch wenn das Unternehmen mit einer Belebung des Inlandsmarktes rechnet, setzt Vorstandschef Rüdiger Kapitza vor allem auf die Impulse aus Übersee. In Asien will Gildemeister nach dem Vertrieb auch die Produktion ausbauen und die Fabrik im chinesischen Schanghai erweitern. „Für den Umsatz und den Auftragseingang ist das sehr positiv “, sagt Analyst Jürgen Siebrecht von HSBC Trinkaus & Burkhardt. „Allerdings muss Gildemeister zeigen, dass hier auch ein Beitrag für den Gewinn generiert werden kann.“ Der Konzern hat sich für 2006 zum Ziel gesetzt, im asiatischen Raum nach dreijähriger Aufbauphase die Gewinnschwelle zu erreichen.

In Bezug auf das Engagement in China verweist Siebrecht zudem auf die Gefahr von Plagiaten. Dortige Hersteller verursachen mit ihren preiswerteren Nachahmerprodukten europäischen und US-amerikanischen Maschinenbauern Kopfzerbrechen.

Das größte Manko des Konzerns ist nach Ansicht Siebrechts jedoch der geringe Free-Cash- Flow von 3,2 Mill.Euro Ende 2005. Gildemeister will die frei verfügbaren liquiden Mittel dieses Jahr unter anderem durch den Abbau der Lagerbestände und den Verkauf von Forderungen auf mindestens 30 Mill. Euro erhöhen.

Die Frage sei jedoch, wie hoch der Anteil daran aus interner Optimierung sein werde, sagt Siebrecht. Insgesamt sei die Stimmung, getrieben von der guten Konjunktur, zuversichtlich, sagen Analysten. Es werde sich jedoch zeigen, ob die Aktie ihr Niveau bei einem weniger freundlichen Umfeld halten könne. „Die Zeichen sind positiv, aber das Unternehmen muss jetzt liefern“, sagt Könen.

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