Warum Privatanlegern vor Börsengängen wichtige Analysen vorenthalten werden
Studien vom Schwarzmarkt

Der Anruf dauerte kaum länger als eine Minute. Das Anliegen musste nicht länger erklärt und Überzeugungsarbeit musste erst recht nicht geleistet werden: Natürlich kenne man die Regeln, wolle aber gerne behilflich sein, so die freundliche Antwort. Kurze Zeit später wechselte ein diskretes DIN-A4-Kuvert den Besitzer.

HB FRANKFURT. Szenen wie diese, denen stets etwas Konspiratives anhaftet, spielen sich derzeit regelmäßig ab, wenn ein Unternehmen den Börsengang plant. Auf der abgebenden Seite stehen Fondsgesellschaften oder Vermögensverwalter. Empfänger sind kleine Anlageberater, Privatanleger und Journalisten.

Es geht um Analystenstudien, die die betreuenden Banken eines Börsenkandidaten im Vorfeld der Emission anfertigen. Zugänglich gemacht werden diese in der Regel nur den so genannten institutionellen Anlegern. Der Rest muss als einzige Informationsquelle mit dem Emissionsprospekt Vorlieb nehmen. Der Grund, warum viele Anleger im Vorfeld einer Emission so heiß auf Analystenstudien sind, ist schnell erklärt: Der Emissionsprospekt enthält nur sehr vage Aussagen, was die Entwicklung des Unternehmens in der Zukunft angeht.

In Analystenstudien sind Umsatz- und Ergebnisprognose weit in die nächsten Jahre berechnet. Teilweise sogar bis ins Jahr 2019, wie in der jüngsten Studie der Deutschen Bank zum Börsengang des Hamburger Solar-Unternehmens Conergy. Nun lässt sich über die Sinnhaftigkeit solcher Langfristprognosen trefflich streiten. Dennoch: Es lassen sich damit Aussagen über die künftige Entwicklung der Aktie treffen. Und gerade die interessieren die Anleger.

Zur Rechtfertigung ihrer aktuellen Verteilungspraxis berufen sich die Konsortialbanken gerne auf die Going-Public-Grundsätze der Deutschen Börse. Doch in diesen steht nur, dass im Rahmen der so genannten Black-out-Periode spätestens zehn Kalendertage vor Beginn des öffentlichen Angebots bis spätestens 30 Kalendertage nach Beginn des öffentlichen Angebots keine Unternehmensstudien verteilt werden dürfen.

In der Praxis werden deshalb die begehrten Studien unaufgefordert vor Beginn der Black-out-Periode an die Großinvestoren verschickt. Anschließend geht man mit Details zum Börsengang an die Öffentlichkeit und erklärt zugleich die Black-out-Periode für eröffnet. Privatanleger, die sich in der Regel erst dann für die Emission interessieren und nach Studien fragen, werden dann auf die bestehenden Regeln verwiesen.

Seite 1:

Studien vom Schwarzmarkt

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%