Wegweisender Börsengang
In Indien boomt das IPO-Geschäft

2,4 Milliarden Dollar erhofft sich der indische Immobilienentwickler DLF von seinem Börsengang am Freitag. Sollte die Emission ein Erfolg werden, verspricht dies, eine Rekordjagd zu eröffnen, denn: Indiens Wirtschaft boomt und expandiert – und die Banken brauchen Kapital, um den Investitionsbedarf zu decken.

NEU DELHI. Indiens Investmentbanker erleben derzeit einen Boom mit Börsengängen. Am Freitag startet der größte Immobilienentwickler des Landes, DLF, an der Börse. Wird das Debüt ein Erfolg, gilt das als Signal für weitere Unternehmen, die aufs Parkett drängen. DLF-Aktien waren am Ende der Zeichnungsfrist gestern dreifach überzeichnet. Liegt der Ausgabekurs heute am oberen Ende der Preisspanne, spült das 2,4 Mrd. Dollar in die Kasse.

Das will die ICICI Bank schon nächste Woche mit einer Zweitemission von bis zu 4,9 Mrd. Dollar übertreffen. „Unsere Bank ist eng verkoppelt mit Indiens Wachstumskurs, und der ist von Dauer“, sagte K.V. Kamath. Der Chef von Indiens zweitgrößter Bank prophezeit dem Land bis 2010 Investitionen von 500 Mrd. Dollar in Infrastruktur und Fabrikerweiterungen. Das soll Kreditwachstum von 25 Prozent pro Jahr stützen. Um das abzusichern, brauchen auch die Rivalen mehr Kapital: Die HDFC Bank will Aktien im Wert von einer Mrd. Dollar verkaufen, die State Bank of India (SBI) plant eine Emission von bis zu 3,8 Mrd. und die UTI Bank von 600 Mill. Dollar.

Einer Studie des Analystenhauses CLSA zufolge stehen bis Ende 2007 noch 19 IPOs an, die zusammen bis 20 Mrd. Dollar einbringen sollen. Im boomenden Immobiliensektor will Emaar MGF 2,9 Mrd. Dollar aufnehmen, bei Omaxe sind es 340 Mill. Allerdings sind die Emittenten auf ausländische Investoren angewiesen: Fast die Hälfte des frischen Kapitals sollen nach CLSA-Einschätzung Fonds aus Übersee aufbringen.

Die indischen Börsen sehen manche Analysten vor einer Konsolidierungsphase. Denn die Indexstände haben sich in den vergangenen drei Jahren verdreifacht, die Bewertungen sind mittlerweile hoch und die Zinsen steigen. Doch für Sanjay Agarwal sind die Börsengänge nicht gefährdet: „Bei den richtigen Bewertungen wird Anlegern der Appetit auf indische Aktien nicht vergehen“, glaubt der Corporate Finance-Chef der Deutschen Bank in Indien. „Dieses Jahr werden eine Reihe großer IPOs über die Bühne gehen.“

Auch Sunil Srivastava von SBI Capital Markets ist für dieses Jahr zuversichtlich: „Wir denken, dass Erstemissionen die sechs Mrd. Dollar von 2006 übertreffen werden.“ Sein Institut zählt wie Kotak Mahindra, Edelweiss Capital oder Enam zu den stark auf dem Heimatmarkt verwurzelten Investmentbanken. Aber bei der Betreuung großer Deals genießen stark expandierende internationale Rivalen einen Vorteil: Sie haben ein globales Vertriebsnetz. Das ist wichtig, denn Indiens Aktienmarkt ist zwar für ein Schwellenland weit entwickelt und gut reguliert. Aber die Pensionsfonds sind in Staatshand und dürfen keine Aktien halten, Versicherer unterliegen Beschränkungen, und der Markt für Firmenanleihen ist winzig und illiquide.

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