Weiter anziehende Gewinnmargen erwartet
Europas Anlagehäuser steigern Erträge

Die Branche profitiert laut McKinsey von wachsenden Einnahmen und niedrigeren Kosten.

FRANKFURT/M. Die europäische Anlagebranche hat ihre Talsohle überwunden. Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft McKinsey stieg die durchschnittliche Gewinnmarge im vergangenen Jahr deutlich: von 12,7 auf 13,9 Basispunkte des verwalteten Vermögens (ein Basispunkt entspricht 0,01 Prozent, siehe Grafik „Bessere Aussichten“). McKinsey-Partner Martin Huber, der die Asset-Management-Beratung in Deutschland verantwortet, bleibt optimistisch. „Für das laufende Jahr erwarte ich eine noch höhere Profitabilität“, sagt er.

Die dem Handelsblatt vorliegende Studie gilt als wichtiger Indikator für die Lage der europäischen Vermögensverwalter. Bis zur Publikation des Papiers gab es keine verlässlichen Daten über das Abschneiden der Branche im vergangenen Jahr, da die Mehrzahl der Fondshäuser keinen Veröffentlichungspflichten unterliegt. Einbezogen in die Analyse sind 110 Gesellschaften mit rund 4 300 Mrd. Euro an verwaltetem Fremdvermögen.

Mehre Faktoren spielen für den Ertragserfolg im vergangenen Jahr und den positiven Ausblick eine Rolle. „Es sind die guten Börsenentwicklungen, das wachsende Kapital bei den Verwaltern und die Erfolge bei den Kostensenkungen“, sagt David Clarkson, Consultant bei der Beratungsgesellschaft Mercer Oliver Wyman in London. Besonders auffällig ist laut Huber, dass zum ersten Mal in den sieben Jahren der Datenerhebung die Kostenquote gesunken ist. Dieser Quotient, das heißt Kosten im Verhältnis zum verwalteten Vermögen, fiel von 20,0 auf 19,2 Basispunkte.

Sowohl die Experten von McKinsey und Mercer als auch Vertreter großer Anlagegesellschaften erwarten weiter anziehende Gewinnmargen für das laufende und kommende Jahr. Ein wichtiger Aspekt für Huber ist dabei „die steigende Anlagebereitschaft, wie sie sich in den höheren Mittelzuflüssen für Fondsprodukte zeigt, getrieben vom Privatkundengeschäft“. Er weist darauf hin, dass die Gewinnmarge in diesem Kundensegment im Schnitt bei über 20 Basispunkten liege, im Geschäft mit institutionellen Investoren dagegen nur fünf Basispunkte erreicht.

Viele Fachleute sind sich darin einig, dass in Zukunft vor allem die großen und internationalen Anlagehäuser sowie die kleinen Spezialisten zu den Gewinnern zählen werden. Für die großen Häuser sieht Maarten Slendebroek in London besondere Profitabilitätsvorteile. Der Vertriebsleiter Kontinentaleuropa bei Merrill Lynch Investment Managers erkennt einen starken Trend der Investoren zum Kauf von Anteilen an großen Fonds mit guter Leistungsbilanz. „Die ziehen immer mehr Geld an, und das führt zu stark steigender Profitabilität, da die Kosten überwiegend fix sind“, sagt Slendebroek.

Bei allem Optimismus wittern die Experten jedoch Risiken. McKinsey-Berater Huber weist insbesondere auf die Konkurrenz durch Hedge-Fonds, Anbieter strukturierter Produkte wie Zertifikate sowie geringmargige Indexportfolios hin. Wichtig sei auch der anhaltende Druck von Seiten der Vertriebspartner, die immer höhere Anteile an der Managementgebühr verlangten – was die Einnahmen der Investmenthäuser drücke. Der Merrill-Experte sieht Gefahrenquellen vor allem in schwächeren Aktienbörsen, was sich in sinkenden Vermögen der hochmargigen Aktienprodukte und daher fallenden Einnahmen niederschlagen würde. Auch ein Investorentrend zu geringmargigen Fonds dürfte seiner Einschätzung nach die Ertragslage belasten.

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