Weltgrößter Aluminiumhersteller senkt Kosten
Analysten sehen Kurspotenzial für Alcoa

Obwohl der größte Aluminiumhersteller der Welt, Alcoa, mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen der Anleger übertroffen hat, haben viele Analysten ihre Gewinnerwartungen für diesen Aktientitel gesenkt. Doch die Analysten setzen schon auf den nächsten Aufschwung.

HOUSTON. Über einen Mangel an Lob kann sich der größte Aluminiumhersteller der Welt, Alcoa, zurzeit nicht beklagen. Vor kurzem legte das Unternehmen die besten Quartalsgewinn- und Umsatzzahlen der Firmengeschichte vor. Damit übertraf der US-Konzern die Erwartungen der Anleger. Trotz positiver Bewertungen und Prognosen gibt es aber auch einige Belastungsfaktoren: hohe Energiekosten in einigen Regionen wie zum Beispiel Deutschland sowie zuletzt gefallene Aluminiumpreise. Dennoch haben viele Analysten ihre Gewinnerwartungen für diesen Aktientitel gesenkt. Doch die Analysten setzen schon auf den nächsten Aufschwung.

Die steigenden Energiekosten könnten die Aluminiumkonzerne zwingen, ihre Produktion zurückzufahren. Dies erwartet eine Reihe von Experten. Denn die Aluminiumerzeugung ist sehr energieintensiv.Denn die Energiekosten machen bei Aluminium ein Drittel der Produktionskosten aus. Tatsächlich hat Alcoa entsprechende Schritte bereits angedeutet. Mit den laufenden Verträgen zahlt der Betrieb für einige Produktionsstätten Strompreise, die mehr als 50 Prozent über dem internationalen Durchschnitt liegen. Die nächsten Abkommen könnten sogar noch teurer werden. Sorgen um die Rentabilität von Alcoas russischen Schmelzereien lassen die Anleger zusätzlich vorsichtig agieren.

Dennoch betrachten die Analysten die Aktie inzwischenwieder mit Wohlwollen: Die jüngsten Quartalszahlen seien nur der Anfang einer massiven Erholung im Aluminiumsektor und besonders bedeutend für den Marktführer Alcoa. „Alcoa bietet ein solides Finanzprofil, während wir auf einen zyklischen Aufschwung zusteuern“, sagt John Hill von Citigroup Smith Barney. Der Dow-Jones-Aluminiumindex war in den vergangenen Wochen bereits um einige Prozent gestiegen.

„Unser Optimismus für Alcoa beginnt sich auszuzahlen, wie man an der guten Bilanz sieht“, erklärt auch Daniel Roling von Merrill Lynch. „Die Aktie hat ein gewaltiges Aufwärtspotenzial und auch Gewinnpotenzial, weil die wirtschaftlichen Aktivitäten in den USA und weltweit gesund aussehen.“ John Tumazos von Prudential schätzt, dass der Kurs innerhalb eines Jahres 45 Dollar erreicht, also fast 30 Prozent über die Bestmarke von Ende November hinausklettert.

Sein Zwölfmonatstief hatte der Kurs erst Anfang Juli markiert und liegt auch zurzeit nur leicht darüber. Deshalb raten Experten verstärkt zum Aufstocken. „Die Anleger betrachten Alcoa im Moment eher feindselig, und die Erwartungen sind so stark gesunken, dass das Überraschungspotenzial nach oben nicht zu verachten ist“, sagt Tumazos. Bereits in den vergangenen Handelstagen notierte die Alcoa-Aktie fester, nachdem Credit Suisse First Boston (CSFB) die Einstufung für die gesamte Branche von „untergewichten“ auf „durchschnittlich“ heraufgesetzt hatte.

Hilfreich wird sich der steigende Aluminiumpreis auswirken, erwarten die Analysten. „Der Preis ist zwischen Mitte März und Anfang Juli von 92 Cent pro US-Pfund auf 77 Cent gefallen, und dieser Ausverkauf erscheint uns übertrieben“, sagt John Hill. Wenn dieser Wert wieder steige, werde Alcoa davon direkt profitieren: „Für jeden Cent, um den der jährliche Aluminiumpreis steigt, erhält Alcoa acht Cent Gewinn pro Aktie zusätzlich.“ CSFB-Mann David Gagliano rechnet zudem mit einem allmählichen Rückgang des Angebots und ab Jahresende mit einer steigenden Nachfrage nach Aluminiumprodukten, was die Preise weiter stabilisieren sollte. Zu den vielversprechendsten Abnehmern zählt Daniel Roling dabei die Luftfahrtbranche. „Diese Sparte ist kürzlich wieder zum Leben erwacht und hat ein Umsatzplus von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal geliefert – und die kommerzielle Luftfahrt steht erst am Beginn ihrer Erholungsphase.“

Um die eigenenKosten weiter zurückzufahren, kündigte Alcoa außerdem kürzlich die Streichung von 6500 Stellen weltweit an. So ist beispielsweise die Schließung eines Schmelzwerks der Hamburger Aluminium-Werk GmbH geplant. Die Restrukturierung soll in den kommenden zwölf Monaten ablaufen und eine Ersparnis von jährlich 150 Mill. Dollar vor Steuern einbringen. Denn vor allem inDeutschland ist Energie teuer.

Vor allem die hohen Energiepreise, die bei Aluminium ein Drittel der Herstellungskosten ausmachen, bereiten den Konzernen Probleme. In Deutschland habenDie Rekordpreise für Rohöl und Erdgas zusammen mit der hohen Steuerbelastung haben den Energiepreis hierzulande auf ein Allzeithoch getrieben.

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