Weltweit größter Börsengang
EDF-Anleger setzen auf Indexfantasie

Der weltweit größte Börsengang dieses Jahres ist kein großes Geschäft für die Anleger. Die Aktie des französischen Stromkonzerns EDF wurde am Montagmittag bei der Erstnotierung an der Pariser Börse mit 32,15 Euro bewertet.

HB PARIS. Damit konnten zumindest die Privatanleger rechnerisch einen leichten Gewinn von 0,038 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis von 32 Euro erzielen. Die professionellen Anleger mussten dagegen einen Verlust von 85 Cent je Aktie verkraften. Vorbörslich hatte die Aktie sogar 20 Prozent unter dem Ausgabekurs gelegen.

Während die Privatanleger die Aktie mit 32 Euro zugeteilt bekamen, zahlten institutionelle Investoren 33 Euro. Im Vergleich zu den europäischen Wettbewerbern habe die Aktie bereits ein hohes Bewertungsniveau, hieß es im Handel. Daher werde angenommen, dass Privatanlegern sich schon mit einem kleinen Plus aus der Aktie verabschieden könnten.

Etwas Unterstützung könnte der „Börsenneuling“ durch die Indexfantasie bekommen. Am 5. Dezember werde entschieden, ob die Aktie in den französische CAC 40 aufgenommen werde. Als Abstiegskandidat werde TF 1 gehandelt, die um 0,5% auf 21,21 Euro nachgeben. Die erste Notierung in EDF werde für 12 Uhr MEZ erwartet.

Privatanleger, denen ein Nachlass von einem Euro auf dem Ausgabepreis eingeräumt wird, erhalten wegen der hohen Nachfrage 60 Prozent der zugeteilten Aktien, wie Finanzminister Thierry Breton am Freitag im Hörfunksender RTL Radio bekannt gab.

Ursprünglich waren für private und für institutionelle Anleger je 50 Prozent angestrebt worden. Weil aber institutionelle Investoren weniger Anteile orderten, wurde das Verhältnis auf 50 zu 50 abgeändert.

Bei voller Ausübung einer Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) werde der Börsengang dem weltgrößten Erzeuger von Atomenergie sieben Milliarden Euro in die Kassen spülen. Analysten kritisierten indes den hohen Preis der EDF-Aktien.

Auf der Basis von 33 Euro je Aktie würde EDF - Schulden eingerechnet - mit rund 60 Milliarden Euro bewertet und den deutschen Wettbewerber Eon als den am höchsten bewerteten Energiekonzern Europas ablösen. Der französische Staat wird 85 Prozent der Anteile an EdF behalten.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters aus Marktkreisen erfuhr, waren die Aktien des Unternehmens am Freitag etwas mehr als zweifach überzeichnet. Breton zufolge orderten 4,85 Millionen französische Privatanleger EdF-Aktien. Damit wurde ein neuer Rekord in der Geschichte französischer Börsengänge aufgestellt.

Bisher hatte France Telecom mit 3,8 Millionen Kleinanlegern die Höchstmarke gehalten.

Beschäftigten von EDF wurden in einer separaten Transaktion existierende Aktien mit einem noch höheren Preisnachlass zugeteilt. Dies dürfte dem französischen Staat bis zu einer Milliarde Euro zusätzlich einbringen, erwarten Experten.

„Einschließlich der Mitarbeiter und der früheren Mitarbeiter werden wohl mehr als fünf Millionen Franzosen einen Anteil an EDF besitzen“, sagte Breton.

Analysten und Fondsmanager kritisierten indes den hohen Preis der Anteile und möglichen daraus resultierenden Risiken. „Nach meiner Einschätzung ist das sehr teuer. Ich habe keinen Zweifel daran, dass sich die Aktien schlechter entwickeln werden, als die der Gaz de France“, sagte Jacques-Antione Bretteil von der Fondsgesellschaft International Capital Gestion. Die Aktien der EDF-Schwestergesellschaft Gaz de France waren bei ihren Börsendebüt im Juli um 23 Prozent in die Höhe geschnellt. Sollte sich der EDF-Kurs enttäuschend entwickeln, stelle dies für die Regierung ein politisches Risiko dar, sagten Analysten. Immerhin repräsentiere die hohe Zahl von Aktionären etwa 18 Prozent der französischen Wähler.

Die Regierung war mit ihren Plänen zur Teilprivatisierung der großen Energieversorger auf starken Widerstand bei den Gewerkschaften gestoßen. Dieser hält offenbar an. Die Gewerkschaft CGT hat für Montag parallel zum Start des Börsenhandels zu Protesten vor dem Amtssitz von Ministerpräsident Dominique de Villepin aufgerufen. Die oppositionellen Sozialisten haben angekündigt, den Prozess der Privatisierung im Falle eines Wahlsiegs 2007 umzukehren.

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