Weltweit streichen Unternehmen aus Kostengründen Zweitnotierungen
Ausländische Firmen kehren der Deutschen Börse den Rücken

Große Namen haben in diesem Jahr die deutsche Börse verlassen: Nestlé gehört dazu, ebenso Vodafone, Philips, Volvo oder erst vor wenigen Wochen IBM. Ende September wird das niederländische Industrieunternehmen Stork sein Börsenlisting in Deutschland beenden. Dabei ist die Lage in Frankfurt kein Einzelfall. Weltweit reduzieren Unternehmen die Anzahl ihrer Börsennotierungen. Zweit- und Drittlistings werden gestrichen.

FRANKFURT/M. Die Commerzbank zog ihre Aktien aus Tokio zurück, Nokia beantragte ein Delisting in London. Auch die Wall Street hätte wohl schon etliche ausländische Unternehmen verloren, würden dort nicht strenge Regeln der Börsenaufsicht SEC den Rückzug erschweren.

Hohe Kosten bei insgesamt geringen Handelsvolumina sind in den meisten Fällen der Grund. Für die Anleger bringt das Thema „Delisting“ ein Umdenken, in manchen Fällen auch spürbare Nachteile. Beispiel Vodafone: Dass der britische Mobilfunkanbieter nur noch in London und New York, aber nicht mehr in Deutschland auf dem Kurszettel steht, empfinden viele Aktionäre, die während der Übernahmeschlacht im Jahr 1999 ihre Mannes- mann-Papiere gegen Vodafone-Titel getauscht haben, als deutliche Verschlechterung ihrer Anlegerrechte. Zum einen ist der Handel der Aktie damit teurer geworden, zum anderen werden Pflichtmitteilungen nur noch in englischer Sprache veröffentlicht. „Die Entscheidung zum Delisting zeigt, wie weit Vodafone inzwischen vom deutschen Anleger entfernt ist“, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Weniger groß ist indes der Aufschrei bei den institutionellen Anlegern wie Fonds oder Versicherungen. „Hier neigte man schon immer dazu, den liquidesten Börsenplatz zu wählen, auch wenn die Kosten dafür etwas höher lagen“, sagt Thomas Nolten, Leiter des Aktienhandels beim Bankhaus Metzler. Bei entsprechend großen Orders falle dies weniger ins Gewicht. Zumal gerade die großen ausländischen Börsenplätze inzwischen immer leichter zugänglich werden: Neue Computersysteme ermöglichen einen beinahe ähnlich schnellen Zugriff wie auf dem Heimatmarkt, ohne dass dafür ein ausländischer Makler eingeschaltet werden muss.

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