Wende
Fiat bleibt eine Wette

Überleben sie, überleben sie nicht? Das war die Frage, die sich Investoren, Mitarbeiter und die italienische Bevölkerung in Hinblick auf den Autokonzern Fiat in den vergangenen Jahren gestellt haben.

HB MAILAND. Von mehr als 30 Euro im Jahr 2000 rutschte die Aktie zwischenzeitlich auf unter fünf Euro im April des vergangenen Jahres. Mittlerweile steht das Fiat-Barometer wieder im positiven Bereich. Das Traditions-Unternehmen mit Sitz in Turin scheint die Trendwende geschafft zu haben. Auch die Aktie hat im vergangenen Jahr eine beachtliche Rally hingelegt und hält sich mittlerweile fast stabil über der Acht-Euro-Marke. Dennoch bleiben viele Fragen offen, wie es langfristig um den Konzern bestellt ist.

Vor allem wegen der verlustreichen Autosparte hat Fiat zwischen 2001 und 2004 insgesamt 8,5 Milliarden Verlust eingefahren. Nach mehreren Führungswechseln hat schließlich der Italo-Kanadier Sergio Marchionne im Frühjahr 2004 das Ruder übernommen und die Autosparte radikal saniert. Im vergangenen Jahr schrieb der Konzern denn auch zum ersten Mal wieder einen Gewinn.

„Fiat hat die Talsohle erreicht. Es ist auf dem richtigen Weg der Restrukturierung, und die Erholung ist absehbar“, schreibt die Rating-agentur Fitch. „Die Kehrtwende ist geschafft. Sie sind aus der Verlustzone raus, und es geht wieder aufwärts, weil Marchionne eine echte Sanierung durchgesetzt hat“, meint auch Jürgen Pieper, Auto-Analyst vom Bankhaus Metzler.

Das große Fragezeichen der Analysten heißt jedoch Nachhaltigkeit. Pieper hat Zweifel, „ob das Unternehmen nachhaltig wettbewerbsfähig und ähnlich profitabel wie die Konkurrenz“ sein wird. „Es bleibt abzuwarten, ob die Autosparte eine nachhaltige Verbesserung vorlegen kann, angesichts des Drucks auf dem Markt, der auch andere, deutlich besser positionierte Autohersteller wie Peugeot und Renault gezwungen hat, ihre Ziele nach unten zu korrigieren und für 2006 vorsichtiger zu werden“, gibt Stephen Reitman, Analyst der Investmentbank Merrill Lynch zu bedenken. Und auch die Investmentbank Morgan Stanley bleibt skeptisch: „Unsere Befürchtungen richten sich vor allem auf die Nachhaltigkeit der Performance“, schreiben die Analysten.

Fiat selbst setzt für die Zukunft vor allem auf eine breit angelegte Produktoffensive. In den vergangenen Monaten hat das Unternehmen eine ganze Reihe neuer Modelle auf den Markt gebracht. Der große Hoffnungsträger ist der neue Punto. Aber auch der Croma, der Alfa 159 und der neue Alfa Brera, die Cross-Version des Panda und andere Modelle sollen die Kunden wieder für Fiat begeistern.

Doch auch die Konkurrenz schläft nicht, und Fiat muss heute bei den PKWs mit viel mehr Modellen der Konkurrenz kämpfen als noch vor zehn Jahren. In den vergangenen Jahren hat Fiat auf dem wichtigen europäischen Markt nicht zuletzt wegen der Konkurrenz von Herstellern wie Renault, Peugeot und Toyota deutlich an Marktanteilen verloren. 6,5 Prozent Marktanteil hatten sie im vergangenen Jahr in Europa. „Dass Fiat wieder in die Nähe seiner historischen Marktanteile von 12 Prozent kommt, halte ich für unwahrscheinlich“, sagt Analyst Pieper.

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