Wenige Emissionen dieses Jahres überzeugen am Aktienmarkt
Anleger verlieren die Lust auf Börsenneulinge

Die noch vor wenigen Wochen gute Stimmung unter Anlegern gegenüber Börsengängen (IPO) hat sich verdüstert – und zwar drastisch. Was die schlechte Kursentwicklung der letzten vier Neuemissionen Tipp24, HCI, Jerini und Lloyd Fonds bereits erahnen ließ, bestätigt jetzt der Sentix IPO-Barometer.

FRANKFURT/M. Die 2 000 institutionellen und privaten Anleger, die jeden Monat nach ihrer Investitionsbereitschaft bei Börsenkandidaten befragt werden, haben ihre Erwartungen deutlich zurückgeschraubt. Besonders dramatisch: Gerade bei Fondsgesellschaften und Großinvestoren, die gewöhnlich maßgeblich zum Gelingen einer Neuemission beitragen, ist die Stimmung so schlecht wie noch nie.

„Zuletzt wurde die Stimmung für Aktien-Neuemissionen bei den Anlegern durch Platzierungsschwierigkeiten getrübt“, sagt Sentix-Geschäftsführer Patrick Hussy. Im laufenden Jahr hat das Geschäft mit Neuemissionen erstmals seit 2001 wieder deutlich angezogen und bewegt sich mit bislang elf Börsengängen etwa im Mittel der letzten 25 Jahre. Noch in dieser Woche kommen mit der Baumarktkette Praktiker, dem Flugzeugmotoren-Hersteller Thielert und dem Fondsanbieter Rothmann drei weitere Neuzugänge hinzu, ehe anschließend das Emissionsjahr 2005 bis auf einige kleinere Platzierungen weitgehend abgeschlossen sein dürfte.

Doch die Kursentwicklung der elf Börsenneulinge hinkt bislang im Vergleich zum Gesamtmarkt kräftig hinterher. Während der Deutsche Aktienindex (Dax) als wesentlicher Gradmesser in diesem Jahr schon um rund 20 Prozent zugelegt hat und die Zuversicht unter den deutschen Anlegern nach dem ebenfalls gerade erst präsentierten Investor Confidence Index der Vermögensverwalter von JP Morgan so hoch ist wie in den letzten zwölf Monaten nicht mehr, notiert der größte Teil der elf Börsenneulinge unter ihrem Ausgabepreis (siehe Tabelle). Lediglich die beiden Solarunternehmen Conergy und Q-Cells sowie der Flugzeugzulieferer MTU Aero Engines und der Online-Baufinanzierer Interhyp machten den Anlegern bisher Freude.

Die Großinvestoren stehen deshalb Neuemissionen noch kritischer gegenüber als bisher schon. Da ihre Mittelzuflüsse noch immer gering sind, müssen sie sich für jedes Investment in einen Börsenneuling von Papieren im Bestand trennen. Das sind entweder Titel, die gut gelaufen sind und bei denen Kasse gemacht wird, oder Aktien, die die Erwartungen nicht erfüllt haben. Generell gilt: „Ein Börsenneuling muss uns davon überzeugen, dass er eine bessere Kursentwicklung bietet als einer der Werte, die wir im Portfolio haben“, sagt Christian Lienke von Union Investment.

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