Wettstreit mit London
Wall Street: Mega-Börsengänge im Visier

Im Wettlauf der beiden weltweit führenden Kapitalmärkte um die Rückkehr der Investoren nach der Finanzkrise scheint vorerst New York die Nase vorne zu haben. Während die Börse in London bislang keinen Neuling auf dem Parkett begrüßen konnte, verzeichnete New York bislang 18 Börsengänge mit einem Gesamtvolumen von 4,17 Mrd. Dollar in diesem Jahr.

NEW YORK/LONDON. An der Wall Street stellt man sich auf weitere, zum Teil sehr große Platzierungen von über eine Mrd. Dollar ein. "Wir werden eine Hand voll von Mega-Börsengängen in den nächsten ein, zwei Monaten sehen", sagte Lisa Carnoy, Leiterin Equity Markets bei Bank of America. Zuletzt hatte die US-Tochter des brasilianischen Fleischereikonzerns JBS die Unterlagen für die Platzierung von Aktien im Wert von zwei Mrd. Dollar eingereicht, und der Hotelkonzern Hyatt plant den Verkauf von Papieren im Wert von 1,15 Mrd. Dollar.

Die sich abzeichnende Erholung kann aber nur schwer überdecken, dass das Geschäft mit Börsengängen auch in den USA bislang nur schleppend vorankommt. So liegt das Platzierungsvolumen bislang 85 Prozent unter dem des Vorjahres. Der größte Börsengang war bislang Starwood Properties mit einem Volumen von gut 900 Mio. Dollar. Starwood lockte Investoren mit der Aussicht, das eingesammelte Geld zur staatlich subventionierten Investition in toxische Kreditpapiere nutzen zu wollen.

Aber nicht nur außergewöhnliche Geschäftsmodelle ziehen. Offenbar drängen Investoren, die in den Zeiten der Krise ihr Geld bei sich gehalten und die Erholung des Dow Jones von 44 Prozent verpasst haben, nun mit Macht in die Märkte. So platzierte der Private Equity Fonds KKR den Mikrochiphersteller Avago erfolgreich am Markt und plant nun die Discounterkette Dollar auf das Parkett zu schicken. Man könne zwar noch nicht davon reden, dass die Finanzkrise völlig vorbei sei, sagte KKR-Partner Scott Nutall zuletzt. "Aber es lassen sich einige Dinge machen".

Vor allem Investoren wie KKR scheinen die Gunst der Stunde nutzen zu wollen, um sich so von Firmen zu trennen, die zuletzt nicht verkäuflich waren. Dies ist auch der Grund, warum Expertin Carnoy mit so großen Platzierungen rechnet. KKR & Co hätten in der Krise Firmen länger auf den Büchern gehalten und mehr privates Geld in sie investiert. Entsprechend sei der Platzierungsbedarf nun auch größer. Der letzte Börsengang im Wert von mehr als einer Mrd. Dollar an der Wall Street stammt aus dem April 2008. Damals sammelte American Water Works 1,4 Mrd. Dollar ein.

Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten herrscht in Europas größtem Finanzzzentrum London im Geschäft mit Börsengängen nach wie vor Flaute. In diesem Jahr wagte den Daten des Informationsdienstes Thomson Reuters noch kein einziges Unternehmen den Sprung auf das Londoner Börsenparkett.

Experten befürchten, dass es noch eine ganze Weile dauern wird, bis größere Börsengänge wieder eine Chance am Markt haben, auch wenn sich die Stimmung allmählich aufhellt. "Bislang hat die Flut von Kapitalerhöhungen aus dem Finanzsektor und aus anderen Branchen die Aufmerksamkeit der Großinvestoren voll auf beansprucht", meint ein Londoner Investmentbanker.

Doch das scheint sich nach der Rally an den Aktienmärkten in den vergangenen Monaten langsam zu ändern. "Vor drei Monaten haben die Investoren sofort abgewunken, wenn das Thema Börsengänge angesprochen wurde, inzwischen hören sie einem zumindest wieder zu", sagt der Banker.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%