Wiener Börse
Bawag wagt den Börsengang am 25. Oktober

Die Ruhe an der Wiener Börse ist vorbei. Österreichs viertgrößte Bank dringt an den Markt. Die beiden Finanzinvestoren Cerberus und Golden Tree, die hinter der Bawag Bank stehen, wollen bis zu 2,1 Milliarden erzielen.
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Die jahrelange Ruhe an der Wiener Börse ist vorbei. Nach Jahren gibt es in Österreich wieder einen großen Börsengang. Die in Wien ansässige Bawag Bank wagt voraussichtlich am 25. Oktober den Gang auf das Börsenparkett. Der IPO des viertgrößten Finanzinstituts der Alpenrepublik soll bis zu 2,1 Milliarden Euro in die Kassen der Mehrheitseigentümer Cerberus und Golden Tree bringen. Die Finanzinvestoren wollten schon lange aus der österreichischen Bank aussteigen. „Der Börsengang wird uns Zugang zum Kapitalmarkt, eine neue Aktionärsstruktur und mehr Unabhängigkeit verschaffen“, sagt der amerikanische Bawag-CEO Anas Abuzaakouk in Wien.

Insgesamt sollen über 40 Millionen Aktien der Bawag an die Börsen gebracht werden. Laut Börsenprospekt liegt der Preis zwischen 47 und 52 Euro pro Aktie. Die am morgigen Donnerstag beginnende Preisbildungsphase läuft bis 24. Oktober. Der Anteil von Cerberus und Golden Tree wird nach dem Börsengang von bislang 94 Prozent der Anteile auf knapp 56 Prozent sinken.

Der Börsengang wird federführend von den Investmentbanken Citigroup, Credit Suisse, Goldman Sachs, JP Morgan und Morgan Stanley begleitet. Commerzbank und die österreichische Raiffeisen fungieren als Co-Lead Manager beim IPO.

Die Bawag hatte zuletzt starke Halbjahreszahlen vorgelegt. Sie steigerte ihren Gewinn um drei Prozent auf 251 Millionen Euro, die Erträge im operativen Geschäft legten zu. Die Bank konnte ihren Marktanteil bei Konsumentenkrediten ausbauen. Der Nettozinsertrag stieg im ersten Halbjahr gegen den Trend um mehr als fünf Prozent auf 395 Millionen Euro – trotz der Niedrigzinsen, die der Finanzbranche zu schaffen machen. Besser als andere Banken haben die Wiener die Digitalisierung vorangetrieben und Kosten gesenkt. Zudem kam die Integration der österreichischen Start-Bausparkasse, die im vergangenen Jahr erworben wurde, schneller als geplant voran.

Der US-Finanzinvestor Cerberus gilt als knallharter Investor, der seine Beteiligungen radikal auf Profit trimmt. 90 Prozent der Führungsetage bei der Bawag wurden in den vergangenen Jahren ausgetauscht. Die Chefriege wurde dann mit eigenem Personal nachbesetzt.

Innerhalb des österreichischen Finanzsektors hat die Bawag eine Sonderstellung. Denn die Marktführer Raiffeisen Bank International und Erste Group haben sich auf Osteuropa spezialisiert und die Bank Austria ist im Besitz der italienischen Unicredit. Ihr Osteuropageschäft wurde zuletzt von Wien in die Zentrale nach Mailand verlagert.

Die Bawag will von der Konsolidierung des Finanzmarktes nicht nur in der Alpenrepublik, sondern auch in Deutschland und der Schweiz profitieren. Erst im Juli kaufte sie die Stuttgarter Südwestbank von den Zwillingsbrüdern Andreas und Thomas Strüngmann. „Diese Transaktion ergänzt unser Geschäft in Österreich und eröffnet uns eine solide Grundlage für Wachstum am deutschen Markt“, sagte CEO Abuzaakouk damals. Die Südwestbank betreut mit 650 Mitarbeitern 100.000 Privat- und Firmenkunden und verwaltet 7,4 Milliarden Euro an Kapital. Vor allem im Mittelstand, insbesondere bei Familienunternehmen im süddeutschen Raum, hat sie eine starke Stellung. In Österreich betreibt die auf Privatkunden und Kleinunternehmen spezialisierte Bawag die Onlinebank Easybank.

Der für die Bawag wichtige Kooperationsvertrag mit der österreichischen Post läuft frühestens Ende 2020 aus. Das Verhältnis zwischen der Bawag und der Post gilt in Wien als beschädigt. Denn die Post hat aus ihrer Sicht eine zu geringe Vergütung für Finanztranskationen der Bawag-Kunden in ihren Filialen bekommen. Zudem hatte die Bawag ihren Service in den Postfilialen eingeschränkt. Die Bawag nutzt bislang rund 350 Postämter in der Alpenrepublik, bestätigte ein Sprecher der Österreichischen Post. Es sei im höchsten Interesse, in den nächsten drei Jahren den Bankbetrieb sicherzustellen. „Wir sondieren international den Finanzmarkt und suchen nach Alternativen“, sagte ein Post-Sprecher in Wien. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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