Windkraft-Anlagen
Vestas verunsichert Anleger

Der dänische Produzent von Windrädern hat nicht genügend Bauteile in seinem Lager. Das Problem: Vestas kauft seine Komponenten von Zulieferern, die den größten Mitbewerbern des dänischen Konzerns gehören. Am heutigen Mittwoch legt das Unternehmen seine Quartalszahlen vor.

HB STOCKHOLM. Diskussionen über die Klimakatastrophe, ständig steigende Energiepreise und nicht zuletzt ein wachsendes Umweltbewusstsein bei den Verbrauchern hat den Produzenten von Windkraftwerken zuletzt gute Geschäfte beschert. Beim weltweit größten von ihnen, dem dänischen Konzern Vestas, stehen gleich mehrere Großaufträge in den Büchern – und dennoch hat Vestas Probleme. Denn das Unternehmen hat die Nachfrage falsch eingeschätzt und jetzt nicht genügend Transformatoren, Generatoren und Hydrauliksysteme, die Vestas von Zulieferern bezieht, im Lager.

Für die Anleger war die Kursentwicklung von Dänemarks größtem Anlagenbauer ein Auf und Ab: Wer zu Jahresbeginn bei Vestas investiert hatte, kann sich über einen Kursanstieg von rund 55 Prozent freuen. Wer allerdings vor einem Jahr einstieg, muss sich mit einem Plus von gerade einmal zehn Prozent begnügen.

David Halldén, Analyst bei Chevreux in Stockholm, sieht in dem Mangel an Komponenten den Hauptgrund für die unsichere Kursentwicklung bei Vestas. „Wir beurteilen die Entwicklung vorsichtig, obwohl wir eine sehr positive Sicht zum Gesamtmarkt haben“, sagt er. Ein Grund für die Skepsis von Halldén ist der Umstand, dass Vestas seine Komponenten von Zulieferern kauft, die den größten Mitbewerbern des dänischen Konzerns gehören. „Der deutsche Windkraftwerk-Hersteller Siemens und der indische Konkurrent Suzlon kontrollieren fast 70 Prozent der Zulieferer für die Windenergiebranche“, sagt der Analyst. Bei Lieferengpässen werden natürlich zuerst die eigenen Besitzer beliefert, erst danach die Konkurrenz. Darunter leidet derzeit Vestas, obwohl der Konzern mit einem Weltmarktanteil von 28 Prozent der größte Produzent von Windkraftanlagen ist.

Bis 2008 peilt Vestas die Zehn-Prozent-Marke an

Branchenkenner sind sich nicht einig, ob Vestas die unerwartet große Nachfrage nach den bis zu 383 Tonnen schweren und 150 Meter hohen Konstruktionen aus Stahl befriedigen kann. „Die Dänen haben das Konzept mit Zulieferern anstatt mit eigener Komponentenproduktion gewählt“, sagt ein Kopenhagener Analyst und betont, dass man bis zu zwei Jahre warten müsse, bis die Flaute bei den Komponenten überwunden sein wird.

Von diesem Problem abgesehen hat die Branche jedoch gute Wachstumsaussichten. Nach Berechnungen werden bis 2014 weltweit Windkraftwerke mit einer Leistung von insgesamt 210 000 Megawatt installiert werden. Zum Vergleich: Heute liefern die großen Windräder gerade einmal rund 60 000 Megawatt. Damit hat die Branche ein großes Wachstumspotenzial, zumal das Kyoto-Protokoll über die Begrenzung und Minimierung von Schadstoffemissionen den Produzenten von Windkrafträdern weiteren Zulauf bescheren wird.

Auch Vestas profitiert trotz des Ärgers um die fehlenden Komponenten vom Boom. Allein im ersten Halbjahr steigerte der Konzern seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 40 Prozent auf umgerechnet mehr als 1,6 Mrd. Euro. Der Vorsteuergewinn stieg nach einem Verlust von 90 Mill. Euro im ersten Halbjahr 2005 auf einen Gewinn von 34 Mill. Euro. Ob die Entwicklung so weiter geht, wird sich am heutigen Mittwoch zeigen: Vestas legt die Ergebnisse für das dritte Quartal vor. Für das laufende Jahr prognostiziert Vorstandschef Ditlev Engel eine Umsatzrendite von vier bis sieben Prozent – je nach Umfang der Lieferengpässe. Bis 2008 peilt das Unternehmen die Zehn-Prozent-Marke an. Analyst Halldén hält das für zu optimistisch und geht selbst von knapp acht Prozent aus. Die Vestas-Prognose sei bereits im Aktienkurs berücksichtigt. Aktionären von Vestas bleibt die Hoffnung, dass die Lieferengpässe doch schneller behoben werden können.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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