Windkraft
Nordex spürt Gegenwind

Kann ein Unternehmen zu schnell wachsen? Es scheint fast so. Der Windanlagenbauer Nordex baut sein Geschäft rasant aus, gerät dabei aber ins Straucheln. Von 2004 bis 2007 hat das Unternehmen aus Norderstedt seinen Umsatz von rund 200 Mill. auf knapp 750 Mill. Euro fast vervierfacht. Dieses Jahr soll der Umsatz um weitere 50 Prozent steigen. Doch der Anlagenbauer musste eine Gewinnwarnung herausgeben.

FRANKFURT. Im laufenden Jahr würde das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) nur noch 60 bis 66 Mill. Euro betragen. Bisher hatte Nordex mit einem Gewinn von 77 Mill. Euro gerechnet. Die Börse reagierte sofort. Während die Aktie Anfang Juli noch bei über 27 Euro notierte, liegt sie nun bei rund 20 Euro.

Nordex hat eine turbulente Börsengeschichte hinter sich. Von Spitzenkursen über 100 Euro im Jahr 2001 fiel die Aktie für lange Zeit in den einstelligen Bereich. Ende 2004 stand das Unternehmen am Rande des Abgrunds. Es gab zu wenig Abnehmer, und die gestiegenen Materialkosten ließen sich nicht weiterreichen. Beides hat sich inzwischen geändert.

Die gekürzte Gewinnprognose sehen Analysten allerdings als Vertrauensverlust: "Dies ist schon das zweite Jahr in Folge, in dem das Ziel bei der Ebit-Marge nicht erfüllt wird", sagt WestLB-Analystin Katharina Cholewa. "Das hat zum Kursabschlag geführt. Es wird lange dauern, bis man dem Vorstand wieder glauben kann."

Nordex-Chef Thomas Richterich erklärte die Prognosesenkung mit dem Satz: "Wir können nicht beides gleichzeitig tun, den Umsatz steigern und die Profitabilität erhöhen." Analystin Cholewa betont, dass der Vorstand aber genau das zuvor versprochen habe. Die WestLB hat die Aktie von "kaufen" auf "reduzieren" herabgestuft und das Kursziel von 34 Euro auf 20,60 Euro gesenkt. Von zwölf Analysten, die das Unternehmen bewerten, sprechen sich nur noch drei für den Kauf der Aktie aus. Drei plädieren für "halten", sechs für "verkaufen".

Nordex kämpft an mehreren Fronten mit unerwarteten Kostensteigerungen. Auftraggeber in Italien und Großbritannien haben so viele Turbinen bestellt, dass es Nordex nicht schafft, sie alle rechtzeitig zu errichten. Daher muss das Unternehmen mit externen Partnern zusammenarbeiten; für zu späte Auslieferungen werden Strafen fällig. Beides schlägt mit je zwei bis drei Mill. Euro Kosten zu Buche. Zudem verzögert sich der Start der Produktion in den USA. Dies hat zu einer weiteren Kostensteigerung von rund fünf Mill. Euro geführt.

Alexander Stiehler, Analyst bei Unicredit, hält die Expansionsstrategie des Unternehmens dennoch für sinnvoll. Er lobt, dass Nordex nur in die Länder geht, in denen es auch langfristig einen großen Markt für Windturbinen gibt.

Der Analyst weist aber auch auf die hohe Materialkostenquote hin, die bezogen auf den Umsatz rund 80 Prozent beträgt. Stahl wird immer begehrter und teurer. "Daher ist es ohnehin nicht einfach, die anvisierte Ebit-Marge von neun bis zwölf Prozent zu erreichen", sagt Stiehler.

Die ambitionierten Pläne, die Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee für den Ausbau von Windparks auf hoher See, sogenannte Offshore-Anlagen, verkündet hat, helfen Nordex wenig. "Von den Windanlagenbauern, die bereits Offshore-Anlagen gebaut haben, ist Nordex das Unternehmen mit den kleinsten Turbinen und der geringsten Erfahrung", sagt Stiehler. Für die nächsten fünf Jahre sei Offshore noch kein Thema. Ähnlich sieht das WestLB-Analystin Cholewa. "Offshore birgt hohe Risiken. Die Windparkbetreiber werden nur Turbinen von Anbietern wählen, die damit bereits viel Erfahrung haben." Repower und Siemens seien da besser aufgestellt.

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