Wolters Kluwer und Reed Elsevier verlegen wissenschaftliche Fachjournale und trotzen auf diese Weise der Anzeigenflaute
Analysten favorisieren Fachverlags-Aktien

Akademische Fachverlage sind die heimlichen Lieblinge der Analysten. Während die Flaute im Anzeigengeschäft anderen Medienkonzernen schwer zu schaffen macht, sind Spezialverlage wie Wolters Kluwer oder Reed Elsevier bislang von der Branchenkrise verschont geblieben.

DÜSSELDORF. Seit Jahren schütten sie regelmäßig Gewinne an ihre Aktionäre aus. Die Dividendenrendite liegt zwischen 2,8 (Reed Elsevier) und vier Prozent (Wolters Kluwer). Und mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen um 14 versprechen beide Konzerne im Vergleich zu anderen Verlagshäusern weiterhin eine hohe Ertragskraft.

Mit wissenschaftlichen Print- und Onlinejournalen haben sich die beiden wichtigsten Verlage auf dem Markt für Fachpublikationen an Universitäten einen Namen gemacht. Zu ihren Stammkunden zählen so renommierte Bibliothekenverbünde wie die University of California Libraries. Daneben sind freiberufliche Ökonomen, Juristen und Mediziner regelmäßige Leser ihrer Publikationen. Auch im Schulbuchgeschäft sind beide Verlagshäuser aktiv.

Allerdings haben die eher defensiven Werte in den vergangenen Monaten aus Sicht vieler Experten an Attraktivität eingebüßt. „Jetzt, wo sich die Märkte erholen, sind zyklischere Medienwerte wieder stärker gefragt“, sagt Florian Leinauer, Analyst bei Helaba Trust. Wie andere Branchenkenner erwartet er, dass sich die Aktien der kaum von Reklame abhängigen Spezialanbieter kurzfristig schlechter entwickeln als die entsprechende Benchmark. Unter der Hand aber kursieren die Titel bei vielen Analysten weiterhin als Geheimtipp für die lange Anlagefrist. „Wenn die Konjunkturängste zunehmen, ist so ein Wert wieder spannend“, sagt Leinauer.

Noch aber halten sich viele Marktbeobachter mit konkreten Kaufempfehlungen zurück. Schuld daran ist auch eine Serie von Negativnachrichten. Zwar verkündete der britisch-niederländische Verlag Reed Elsevier für das Jahr 2003 einen 30-prozentigen Anstieg des operativen Gewinns. Doch nur wenige Wochen zuvor hatte die Konzernleitung wegen schwacher Nachfrage auf dem amerikanischen Schulbuchmarkt ihre Ertragsprognosen für 2004 nach unten korrigiert. Härter traf es Konkurrent Wolters Kluwer: Das niederländische Medienhaus meldete für das abgelaufene Geschäftsjahr sogar einen Verlust von 69 Mill. Euro. Ausufernde Personalkosten und hohe Abschreibungen hatten die Bilanz des Branchenriesen Nummer zwei getrübt. Zudem stehen die Fachverlage erstmals seit Jahren vor strukturellen Problemen: Immer häufiger nutzen ihre akademische Stammleser das Internet oder kostenlose Informationsnetze (so genannte Open-Access-Plattformen), um ihr Wissen sowohl zu verbreiten wie auch anzureichern. Die teuren Verlagsdienste drohen damit überflüssig zu werden.

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