Zahl des Tages
Geheimnisvoller Rohstoff-Riese Glencore

40,3 Milliarden Euro soll der skandalumwitterte Schweizer Rohstoffhändler Glencore an der Börse wert sein. Da könnten die Schweizer nach dem geplanten Börsengang doch mal etwas abzweigen, um ihr Image aufzupolieren.
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Auf 40,3 Milliarden Euro schätzt der Schweizer Rohstoffhändler Glencore seinen Marktwert an der Börse. 15 bis 20 Prozent seiner Anteile bringt das Unternehmen Ende Mai in London an die Börse, die Preisspanne für die Aktien soll zwischen 480 und 580 Pence liegen. Rund 7,4 Milliarden Euro will der Konzern so an der Börse einsammeln, etwa 6 Milliarden soll aus neuen Aktien stammen, den Rest verkaufen Altaktionäre.

Das ist eine Menge Holz für einen Rohstoffhändler. Und tatsächlich ahnte bisher wohl kaum jemand, dass der Schweizer Konzern so viel wert sein soll. Die 500 Manager um Glencore-Chef Ivan Glasenberg, denen der Konzern gehört, gaben sich in Sachen Geschäftszahlen nämlich genauso zugeknöpft wie in Sachen Geschäftsmodell. Nun ist immerhin eines klar: Geht der Börsengang glatt, dann wird das Unternehmen an der Börse in etwa so viel wert sein wie die Deutsche Bank oder BMW. Und wird es auf etwas mehr als ein Viertel des Börsenwerts des Schweizer Nestlé-Konzerns bringen.

Firmengründer Marc Rich dürfte sich ärgern, dass er Glencore schon 1993 für ein Hundertstel des heutigen Wertes verkauft hat. Allerdings hatte er damals auch 50 Millionen Dollar Steuerschulden, weswegen er jahrelang vom FBI verfolgt wurde, bis ihn Bill Clinton 2001 begnadigte.

Der heutige Glencore-Chef Ivan Glasenberg sollte das Geld der Aktionäre nutzen, um dem Image seines Unternehmens auf die Sprünge zu helfen. Glencore hängt nämlich aus der Zeit des mysteriösen Mr. Rich noch immer ein äußerst zweifelhafter Ruf an, kürzlich wurde der Rohstoffhändler erst wegen Menschenrechtsverletzungen im Kongo angeklagt.

Was also tun mit der Kohle aus dem Börsengang? Mit geschätzten 7,4 Milliarden Euro, die Glencore an der Börse einsammeln will, könnte man 221 Tonnen Gold oder 8165 Tonnen Silber kaufen. Der Rohstoffhändler könnte aber auch einfach mal 29,8 Millionen Tonnen Weizen erwerben und an Kinder in der Dritten Welt verteilen. Das wären immerhin rund 17 Prozent der weltweiten Weizenbestände oder knapp 30 Kilo Weizen für jeden der eine Milliarde Hunger leidenden Menschen weltweit.

Bill Gates pumpte im vergangenen Jahr nahezu dieselbe Summe für Impfstoffe in Entwicklungsländer. Einfach so. Statt über den mysteriösen Mr. Rich würden dann bald alle über den generösen Mr. Glasenberg sprechen. Das ist wenig wahrscheinlich. Wäre aber mal was.

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