Zeitarbeitsfirma plant Ausschüttung trotz roter Zahlen – Aufstieg in den AEX-Index könnte Aktie beflügeln: Vedior wirbt mit Dividende um Anleger

Zeitarbeitsfirma plant Ausschüttung trotz roter Zahlen – Aufstieg in den AEX-Index könnte Aktie beflügeln
Vedior wirbt mit Dividende um Anleger

Die Dividendenpolitik des niederländischen Zeitarbeitskonzerns Vedior kann guten Gewissens als unorthodox bezeichnet werden. Obwohl das Unternehmen für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Verlust ausgewiesen hat, will es 25 Prozent mehr ausschütten als im Vorjahr.

AMSTERDAM. Der Personaldienstleister, der in 37 Ländern aktiv ist, in Deutschland jedoch nur ein paar vereinzelte Aktivitäten verfolgt, will 20 Cent pro Aktie zahlen.

Die ungewöhnlich großzügige Dividendenpolitik liegt an den neuen Spielregeln für börsennotierte Unternehmen in Europa. Sie müssen in diesem Jahr nach dem neuen Rechnungslegungs-Standard IFRS bilanzieren. Der Zeitarbeitskonzern, der seit 1999 rote Zahlen schreibt, nutzte diesen Umstand, um neben dem offiziellen Ergebnis nach GAAP erstmals auch das – sehr viel bessere – IFRS-Ergebnis zu veröffentlichen. Der Unterschied ist beeindruckend: Statt eines Nettoverlustes von 151 Mill. Euro hätte Vedior nach den neuen Regeln einen Gewinn von 116 Mill. Euro erzielt.

Der tiefere Grund für die hohe Ausschüttung ist der Ehrgeiz von Vedior-Chef Zach Miles, die nur mäßig bekannte Vedior-Aktie aus dem Schatten von Wettbewerbern wie Randstad oder Adecco zu holen. Dafür ist der im Vorjahr an die Spitze des Unternehmens gerückte Finanzfachmann offenbar bereit, bei der Dividende tief in die Tasche zu greifen und die Verluste aus dem Vorjahr aus den Reserven zu bezahlen.

„Vedior wird die Premium-Marke für Zeitarbeit werden“, verkündete der Brite vergangene Woche vollmundig vor Journalisten. Unterstützung erhält er von Analysten. So traut etwa Peter Koster, Analyst bei der niederländischen Privatbank FBS Bankiers, Vedior in den kommenden Jahren zweistellige Ergebniszuwächse zu. Er hat die Aktie daher gerade von „reduzieren“ auf „kaufen“ heraufgestuft.

Auch bekanntere Institute wie Deutsche Bank Research oder Rabo Securities sehen Vedior als Kauf beziehungsweise als „Outperformer“. Nachdem das Unternehmen wie die meisten europäischen Zeitarbeitsfirmen schwer unter der Wirtschaftsflaute der vergangenen Jahre litt, scheint sich jetzt eine Trendwende abzuzeichnen. Zieht die Konjunktur wieder an, merken das zuerst die Zeitarbeitsfirmen, da die Industrieunternehmen zu Beginn eines Aufschwungs lieber erstmal Leiharbeiter anheuern, ehe sie selbst wieder neue Mitarbeiter einstellen.

Mit Spannung warten die Analysten nun auf die Jahreszahlen des Vedior-Konkurrenten Randstad in der kommenden Woche. Berichtet auch dieser von einer Geschäftsbelebung, wäre das ein gutes Zeichen für die europäische Konjunktur.

Zusätzlichen Auftrieb erhält die Vedior-Aktie von dem bevorstehenden Aufstieg in den Amsterdamer Auswahlindex AEX. Während die Aktien des in Deutschland weit bekannteren Konkurrenten Randstad weiterhin im Mittelstandsindex notieren, rückt Vedior zum 1. März in den Leitindex auf. Eine derartige Aufwertung zieht im allgemeinen Kursgewinne nach sich, weil sich internationale Fondsgesellschaften oft an der Zusammensetzung der Indizes orientieren.

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