Zockerpapier
VW-Aktie auf Crashkurs

Seit einer Woche hat die Volkswagen-Aktie fast die Hälfte ihres Wertes eingebüßt – auch heute gehört sie zu den größten Verlierern im Dax. Analysten erwarten, dass der Kurs noch stärker einbricht. Erklären können sie den plötzlichen Absturz indes nicht. Haben sich Hedge-Fonds verzockt und welche Rolle spielt Porsche?

FRANKFURT. Die Volkswagen-Aktie führt ein seltsames Eigenleben. Während fast alle deutschen Aktien ins Minus rutschten, legte der Autobauer wochenlang kräftig zu. Dann folgte der Absturz. Seit einer Woche hat die VW-Aktie 40 Prozent ihres Wertes verloren. Heute fällt sie um rund sieben Prozent auf 226 Euro.

Analysten raten schon seit langem zum Verkaufen der Papiere und sehen sich nun bestätigt. Warum VW an der Börse über Wochen eine unvergleichliche Rally hinlegte, konnten sie sich nie erklären. "Die Aktie war völlig unberechenbar", sagt Jürgen Pieper, Autoanalyst beim Bankhaus Metzler. Er hält das Papier immer noch für überteuert und erwartet, dass der Kurs noch stärker einbricht. Ein fairer Wert liege bei 140 Euro.

Damit liegt Pieper noch am oberen Ende der Schätzungen. In den vergangenen Tagen haben die meisten Analysten ihre Kursziele für VW drastisch gesenkt: Goldman Sachs rechnet mit einem Kurs von 90 Euro, Equinet mit 88 Euro, die Deutsche Bank mit 70 Euro. Am wenigsten bietet Adam Jonas von Morgan Stanley. Sein Kursziel: 69 Euro.

Die Blase könnte so schnell platzen, wie sie entstanden war. Zunächst hatte sich der Wert von VW seit Mitte September nahezu verdoppelt. Allein am 7. Oktober schnellte der Kurs im Tagesverlauf um 55 Prozent auf über 450 Euro, der Börsenwert stieg auf 127 Mrd. Euro. Damit waren die Wolfsburger nicht nur mehr wert als jedes andere Unternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax), sie lösten auch den japanischen Konkurrenten Toyota als Nummer Eins der Autobranche ab. Toyota kommt auf einen Börsenwert von rund 90 Mrd. Euro.

In Finanzkreisen wird vermutet, dass Wetten mit Optionsscheinen hinter den schwindelerregenden Bewegungen stecken. Der starke Kursanstieg sei fundamental nicht begründet und dürfte derivatebedingt gewesen sein, sagt Frank Schwope von der NordLB. Finanzinvestoren sollen in großem Stil auf fallende Kurse bei VW spekuliert haben. Da VW-Stammaktien im Zuge der angekündigten Übernahme durch Porsche als relativ hoch bewertet galten, wähnten sich die Finanzjongleure auf der sicheren Seite.

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