Zu den wenigen Favoriten zählen der Weltmarktführer Inbev und der südafrikanisch-britische Konzern SAB-Miller
Analysten sind bei Brauereien wählerisch

In keiner anderen Branche wird so laut gejammert wie in der Brauindustrie. Und meistens ist das Wetter schuld. Ist es in der warmen Jahreszeit zu regnerisch, bleiben die Biergärten geschlossen und die Absätze der Brauereien sinken. Doch auch ein europäischer Jahrhundertsommer wie 2003 konnte die Brauer nicht wirklich begeistern, war es zum Biertrinken doch nun schon wieder zu heiß, und die durstigen Konsumenten wichen auf alkoholfreie Getränke aus.

DÜSSELDORF. Eine große deutsche Braugruppe hat ihren Aktionären – meist unter Hinweis auf das Wetter – sogar über mehrere Jahre die Zahlung einer Dividende verweigert. Und doch gibt es Unternehmen in der Branche, die sich wenig wetterfühlig zeigen und wetterunabhängig hochprozentige Gewinne ausweisen. So hat der belgisch-brasilianische Braugigant Inbev, der sich innerhalb weniger Jahre von einem Zusammenschluss mittelständischer Brauhäuser zum größten Braukonzern der Welt entwickelt hat, im vergangenen Jahr sein Betriebsergebnis um satte 8,9 Prozent gesteigert. Die Konzernleitung will die Vorsteuerrendite innerhalb der nächsten drei Jahre von 25 auf 30 Prozent erhöhen.

Unter Analysten lösen solche Nachrichten natürlich ein Gefühl der Euphorie aus. Ein „Outperformer“ ist die Inbev-Aktie für die Experten von Goldman Sachs, und auch die Analysten vom Lehman Brothers empfehlen: „Übergewichten“.

Aber auch der südafrikanisch-britische Braukonzern SAB-Miller, weltweit die Nummer vier der Branche, belegt derzeit in der Gunst der Investmenthäuser einen der vorderen Plätze. Die Experten von JP Morgan rechnen für die nächsten drei Geschäftsjahre mit einer stetigen Zunahme des Gewinns pro Aktie und sehen auch beim Aktienkurs des in London notierten Unternehmens noch viel Spielraum nach oben. Auch Goldman Sachs stuft die Aktien auf „Outperformer“ ein. In der nächsten Zeit sei allerdings weiter mit starken Kursschwankungen zu rechnen, so die Investmentbanker. Die Papiere hatten Anfang des Jahres einen kräftigen Kurssprung hingelegt, nachdem Gerüchte über ein mögliches Interesse von SAB-Miller an der kolumbianischen Bavaria Group aufgekommen waren. Jedoch steht die Bavaria, wegen ihrer starken Position in zahlreichen lateinamerikanischen Wachstumsmärkten ein begehrter Übernahmekandidat, offenbar doch nicht zum Verkauf.

Um die Bavaria mitgeboten haben soll auch der niederländische Brauriese Heineken, der aber im Augenblick nicht in großer Spendierlaune ist, weil ihn noch die Schulden aus der Übernahme der österreichischen Brau Union drücken. Um für künftige internationale Akquisitionen etwas flüssiger zu werden, hat Heineken die Immobiliensparte seiner österreichischen Tochter für 238 Mill. Euro jetzt an eine Investorengruppe verkauft. Darüber hinaus leiden die Niederländer immer noch unter dem schwachen Dollarkurs, weil sie im Gegensatz zu Inbev in Nordamerika über keine eigenen Produktionsstätten verfügen.

Trotz der Beteuerungen von Heineken-Chef Thony Ruys, die langfristigen Gewinnaussichten des Unternehmens seien positiv, fanden die Analysten den Einbruch vom Nettogewinn im vergangenen Jahr von über 30 Prozent wenig amüsant. „Untergewichten“ steht demnach auf den Empfehlungslisten sowohl von Lehman Brothers als auch von JP Morgan.

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