Zu wenige Investoren
Steilmann dampft Börsengang ein

Der Modehändler Steilmann findet zu wenige Käufer für seine Aktien. Die Firma senkt den angestrebten Emissionserlös und die Aktien-Preisspanne beim geplanten Börsen-Debüt. Nicht der einzige Pannen-Börsengang der Saison.

Der Herbst 2015 droht zum Herbst der vermasselten Börsengänge zu werden. Erst grätschte Volkswagen mit dem Dieselgate-Skandal dem Automobilzulieferer Schaeffler dazwischen. Nun gerät auch die Modekette Steilmann unter die Räder. Der Modehersteller und -händler findet offenbar nicht genügend Investoren: Statt bis zu 98 Millionen Euro begnügt sich das Unternehmen aus Bergkamen nun mit einem Erlös von 50,3 Millionen Euro, wie Steilmann am Donnerstag mitteilte. Das Aktienangebot wird auf 14,4 Millionen von bis zu 19,55 Millionen Papiere verkleinert, der Preis dafür auf 3,50 Euro festgesetzt. Das liegt am unteren Ende der bis zu 5,00 Euro reichenden Spanne. Die Steilmann-Papiere können nun noch eine Woche länger gezeichnet werden, bis zum 29. Oktober. Am 3. November sollen sie erstmals an der Frankfurter Börse gehandelt werden.

Dabei hatte Steilmann noch vor wenigen Tagen mit dem Emissionserlös noch Großes vor: Die Firma plante einen rasanten Wachstumskurs. „Ich will in den nächsten drei Jahren den Umsatz verdoppeln und das Ebitda entsprechend steigern”, sagte Vorstandschef Michele Puller noch am 13. Oktober in Frankfurt. Dazu sollen auch Zukäufe etwa in Italien und der Schweiz beitragen, der Auslandsanteil am Umsatz soll damit auf 40 von 20 Prozent steigen. „Die Möglichkeiten, die zurzeit am Markt sind, sind nicht die teuersten”, sagte Puller. Steilmann wollte mit dem Emissionserlös den italienischen Finanzinvestor Equinox bei der Billigmodekette Adler herauskaufen und damit allein die Mehrheit übernehmen. Das kostet 41 Millionen Euro, wie aus dem Börsenprospekt hervorgeht und wäre wohl auch bei der neuen Zielsumme noch drin. Zu den Übernahmeplänen hat sich der Modehändler bislang nicht weiter geäußert.

Im abgelaufenen Jahr hatte das Unternehmen aus dem westfälischen Bergkamen den Umsatz zwar um 22 Prozent auf 896 Millionen Euro gesteigert, unter dem Strich aber 4,2 Millionen Euro Verlust geschrieben. Grund dafür waren Bilanzeffekte von 15 Millionen Euro durch die Bündelung der Modegruppe unter einem Konzerndach, wie Finanzvorstand Jens Brüggemann sagte. Operativ (Ebitda) schrieb Steilmann 53 Millionen Euro Gewinn.

Steilmann hat sich auf die Altersgruppe der über 45-Jährigen konzentriert. „Meine Vision ist es, in diesem Bereich wie 'Zara' zu werden. Wir beherrschen die ganze Wertschöpfungskette”, sagte Puller. Nun sieht es so aus, als müsste das Unternehmen vorerst kleiner Brötchen backen.

Für die künftigen Aktionäre heißt es nun: Abwarten. Eine Dividende sollte es angesichts des angestrebten Expansionskurses in diesem Jahr ohnehin nicht geben. „Vielleicht auch 2016”, so die wenig hoffnungsvolle Botschaft Pullers. „Aber wir werden die Aktionäre nicht vergessen.”

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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