Zulieferer für die Pharma-Industrie
Gerresheimer setzt neuen Maßstab

Mit dem Düsseldorfer Verpackungskonzern Gerresheimer nutzt eine weiterer großer Börsenkandidat das aktuell gute Marktumfeld, um über den Aktienmarkt deutlich mehr Geld zu erlösen als ursprünglich erwartet wurde.

FRANKFURT. Kursierte vor Wochen unter Investoren und Investmentbankern noch ein Emissionsvolumen „um die 800 Mill. Euro“, so zeigen die nun vorgelegten Daten einen Betrag von maximal über 1,1 Mrd. Euro. Auf diese Zahl kommt, wer die bis zu 25,3 Mill. angebotenen Aktien mit der Obergrenze der Preisspanne von 37 bis 45 Euro multipliziert.

Damit wäre Gerresheimer der bislang größte Börsengang in diesem Jahr. Die Rangliste führte bisher der Telekom-Konzern Versatel mit einem Emissionsvolumen von 720 Mill. Euro an. Auch Versatel konnte letztlich über die Börse mehr als den ursprünglich anvisierten Betrag erlösen.

Nach den nun von Gerresheimer vorgelegten Daten könnten nach der für den 11. Juni anvisierten Erstnotiz bis zu 1,1385 Mrd. Euro an den Verpackungsmittel-Hersteller für die Pharma-Industrie und dessen Altgesellschafter fließen. „Gerresheimer ist im Vergleich zu den Wettbewerbern sehr breit aufgestellt“, begründet Vorstandschef Axel Herberg die offensive Herangehensweise an das Thema Börsengang.

In der Tat hat die heutige Gerresheimer Holding hat in der Tat nur noch wenig mit der Gerresheimer Glas AG, zu tun, aus der sie einst hervor ging und deren Ursprünge bis ins Jahr 1864 reichen. Die wurde im Jahr 2003 von den damaligen Haupteignern Investcorp und JP Morgan im Rahmen eines so genannten Squeeze-Out-Verfahrens von der Börse genommen, ein Jahr später an BCP Murano, eine Tochter der weltgrößten Beteiligungsgesellschaft Blackstone, verkauft und kehrt nun an die Börse zurück.

Aus dem Unternehmen, das einst seinen Schwerpunkt in der Herstellung von Glas-, Plastik- und Pappverpackungen für die Getränkeindustrie hatte, ist nach einem intensiven Konzernumbau ein hoch spezialisierter Verpackungs-Hersteller für die Pharma-Industrie geworden. Für die Großen der Branche wie Astra Zeneca, Novartis, Pfizer oder Roche fertigt Gerresheimer Spritzen, Ampullen und Pipetten und erzielt damit den überwiegenden Teil des Umsatzes. Die Getränkeindustrie trug im letzten Jahr nicht mal mehr zehn Prozent zum Gesamtgeschäft bei.

Deswegen hinkt laut Vorstandschef Axel Herberg der Vergleich der Summe von 600 Mill. Euro, die vor einigen Jahren von den Investoren für Gerresheimer Glas gezahlt wurde mit der Bewertung des aktuellen Konzerns.

Unter Investoren gilt Gerresheimer indes mit der aktuellen Bewertung von bis zu 1,425 Mrd. Euro als ambitioniert bewertet. Zumal die Düsseldorfer noch eine Schuldenlast von etwa 860 Mill. Euro mit sich schleppen. Die sollen mit einem Teil des Erlöses aus dem Börsengang abgebaut werden. Bis zu 477 Mill. Euro werden dem Unternehmen direkt in die Kasse fließen.

Zustande gekommen ist diese Schuldenlast durch acht Akquisitionen in den letzten zwei Jahren. Zuletzt kaufte Gerresheimer den Regensburger Kunststoff-Spezialisten Wilden, zudem gab es einige Joint Ventures in China.

Würde der Börsengang nun in dem Rahmen verlaufen, wie ihn sich das Unternehmen vorgestellt hat, hätte es bei der nächsten Dax-Überprüfung im September bereits beste Möglichkeiten in den MDax aufzusteigen. In dem unterhalb des Dax angesiedelten Index sind die 50 mittelgroßen an der deutschen Börse gehandelten Werte gelistet.

Details zum IPO

ISIN: DE000A0LD6E6

Preisspanne: 37 bis 45 Euro

Zeichnungsfrist: voraussichtlich vom 29.5. bis zum 8.6.2007

Erstnotiz: 11. Juni 2007

Anzahl der Aktien: bis zu 25,3 Mill. Stück, davon 10,6 Mill. aus einer Kapitalerhöhung, der Rest aus Altaktionärsbesitz von BCP Murano.

Konsortialführer: Credit Suisse, Morgan Stanley; daneben gehören ABN Amro Rothschild, Cazenove und Dresdner Kleinwort dem Konsortium an.

Börsensegment: Prime Standard

Free Float nach Börsengang: bei vollständiger Ausübung bei bis zu 80,6 Prozent

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