Zumwinkel war skeptisch
Chronologie des Einlenkens

Fast wäre der Börsengang ganz ins Wasser gefallen, doch die Postbank feiert trotzdem – auf dem Wasser. Am Sonntagabend lehnt Vorstandschef Wulf von Schimmelmann an der Reling des Dreimasters „De Liefde“ und begrüßt 500 Gäste. Trotz der Verschiebung um zwei Tage und peinlicher Preissenkung, die opulenten Feierlichkeiten am Mainufer vor der Silhouette der Bankentürme hat die Postbank nicht abgesagt.

FRANKFURT/M. Für die Gäste gibt es „hausgemachte Bonbons von Steinpilzen auf Kopfsalat an einer geschäumten Auberginen-Champagner-Sauce“ samt Feuerwerk. Und so steht von Schimmelmann als Gastgeber auf dem Schiff, und auch wenn dem Manager mit der markanten Hakennase und dem grauen Haar das Lächeln schwer fällt, ringt er sich einen Scherz ab: „Wir freuen uns, dass sich so viele Freunde der Postbank versammelt haben. Die, die uns beim Börsengang ein paar Schwierigkeiten bereiteten, haben wir gar nicht erst eingeladen, aber um allen Spekulationen vorzubeugen, unsere Investmentbanker sind hier.“

Galgenhumor nennt man das wohl. Ein paar Minuten vorher zeigte von Schimmelmann, was er wirklich von seinen Bankern hält. In der Menge der Gäste war der Bankchef auf Georg Hansel gestoßen, seinen Top-Berater in Diensten der Deutschen Bank. „Schönes Wetter“, versucht es Hansel mit der harmlosesten aller Bemerkungen. „Ja, das klappt wunderbar, aber damit habt ihr Investmentbanker ja auch nichts zu tun“, lautete von Schimmelmanns Replik.

Die Szene illustriert, wie zerrüttet die Beziehung zwischen der Postbank und ihren Beraterbanken ist, da ist nichts mehr zu kitten. Von Schimmelmann und Postchef Klaus Zumwinkel glauben genau zu wissen, wem sie das peinliche Debakel rund um den größten deutschen Börsengang seit drei Jahren zu verdanken haben: ihren Investmentbankern, vor allem der Deutschen Bank, die zusammen mit Morgan Stanley die Aktien an Investoren in aller Welt verkaufen sollten. Noch immer geht es um das an die Öffentlichkeit gelangte interne Papier, in dem die Deutsche Bank den Wert der Postbank auf ein Minimum von 4,4 Milliarden Euro herunterechnet. Zumwinkel sah den Wert seiner Finanztochter stets bei sechs Milliarden. „Als sie den lukrativen Auftrag für den Börsengang bekamen, haben die Banken Zumwinkel signalisiert, dass sechs Milliarden realistisch sind. Er hat ihnen geglaubt und wurde bitter enttäuscht“, heißt es in Postkreisen. Einerseits. Andererseits aber waren es am Ende doch die in Ungnade gefallenen Banker, die eine Lösung für den verpatzten Börsengang fanden, eine Lösung die dem sturen Manager vom Niederrhein half, sein Gesicht zu wahren. Zumwinkel selbst hätte die Platzierung wohl am liebsten ganz abgesagt – eine Chronologie seines Einlenkens.

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