Zusammen mit Polens PKN könnte das führende Unternehmen Mittel- und Osteuropas entstehen
Ungarns Ölkonzern Mol setzt auf weitere Expansion in der Region

Schon in einigen Monaten könnte es zu einer Kooperation zwischen den Öl- und Kraftstoffkonzernen Mol Rt und PKN Orlen SA kommen.

BUDAPEST. Jan Kulczyk gibt sich optimistisch. Schon in einigen Monaten, so sagte er dem Handelsblatt, könne es zu einer Kooperation zwischen den Öl- und Kraftstoffkonzernen Mol Rt und PKN Orlen SA kommen. Kulczyk, er zählt zu den führenden Industriellen in Polen und hat beste Kontakte zu den Regierenden, betätigt sich als Vermittler einer solchen Zusammenarbeit. Mol und PKN sind die jeweiligen Branchenführer in Ungarn und Polen. Basis der möglichen Zusammenarbeit ist eine Absichtserklärung, die Vertreter beider Konzerne jetzt unterzeichnet haben. Darin werden sowohl eine Kreuzbeteiligung von 10 % bis 15 % des jeweiligen Aktienkapitals, als auch die Gründung einer gemeinsamen Tochter und sogar eine Fusion in Betracht gezogen.

Mit einem geschätzten Marktwert von 5,3 Mrd. $ würde ein fusionierter Konzern zum führenden Anbieter in Mittel- und Osteuropa (ohne Russland) aufsteigen. Sein Marktwert läge um 40 % über dem der österreichischen OMV, die ebenfalls um die Führung in der Region kämpft. Zusammen mit der kroatischen INA kontrollieren Mol und PKN etwa 25 % der Raffineriekapazitäten in diesem Teil Europas. „Somit wäre der strategische Wert einer fusionierten Gesellschaft weitaus höher, als es ihr jeweiliger Marktwert jetzt ausdrückt“, sagte der Analyst Michal Buczynski von der Millenium-Bank in Warschau.

Unabhängig von einer möglichen Partnerschaft mit PKN ist Mol schon seit einigen Jahren auf Expansionskurs. Seit der Übernahme der slowakischen Slovnaft und dem Erwerb von 25 % der Aktien der kroatischen INA betreiben die drei Gesellschaften zusammen etwa 1 200 Tankstellen in neun Ländern der Region. Zudem gehört Mol zu den Bietern für eine Übernahme von gut 33 % der Aktien der rumänischen Petrom und für eine Teilübernahme der tschechischen Unipetrol. Mol soll außerdem eine führende Rolle bei der Privatisierung der serbischen Naftna Industrija Srbije spielen.

Damit kommt der jetzt anstehenden Emission von Mol-Aktien eine besondere Bedeutung zu. Vorgesehen ist, 13,6 % der Anteile davon sowohl an der Börse als auch bei Privatanbietern zu platzieren. Der ungarische Staat hält noch 25 % an Mol. Außerdem will Mol selbst 4,3 % der unternehmenseigenen Aktien veräußern. Die Zeichnungsfrist läuft vom 27. November bis zum 5. Dezember. „Wir trennen uns von unseren Eigenaktien, um mit dem eingenommenen Geld unsere Kredite für die Akquisitionen von Slovnaft und INA zu tilgen“, erklärte Mol-Vorstandschef Zsolt Hernadi.

Budapester Analysten wie Szabolcs Szikszai von der Takarekbank sehen Mol mit gemischten Gefühlen. Einerseits werde die große Menge der Aktien den Kurs drücken. Andererseits würden die guten unternehmerischen Perspektiven des Konzerns auch Kurssteigerungen hervorrufen. Bei einem Gesamtumsatz von 1,07 Bill. Forint in den ersten neun Monaten 2003 hat Mol einen Reinertrag von 42,1 Mrd. Forint (knapp 163 Mill. Euro) erwirtschaftet. „Insgesamt glaube ich, dass die positive Tendenz überwiegen wird“, sagt Szikszai. Auch Tamas Pletser von der Erste Bank Investment Rt traut der Mol-Aktie weiteres Kurspotenzial zu und begründet dies mit der eingeleiteten Liberalisierung des Gasmarktes, der für Mol ein wichtiges Geschäftsfeld sei. Seit Jahresbeginn hat das Papier um 25 % zugelegt.

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