Zwei Jahre Insider-Barometer
Das Händchen für die eigene Aktie

Wie investieren Spitzenmanager? Seit zwei Jahren untersucht das Handelsblatt, wie sich die Top-Leute der Wirtschaft an der Börse verhalten. Und die Ergebnisse sind eindeutig: Je stärker sie sich an Firmen beteiligen, desto steiler steigt die Rendite.

FRANKFURT. Die Auswertung der Insider-Orders von Top-Managern gewinnt immer stärker an Bedeutung. Sowohl in der Finanzbranche als auch auf wissenschaftlicher Ebene stürzen sich die Experten auf Auswertungen über deren Käufe und Verkäufe und versuchen, daraus Schlüsse für Anlagestrategien zu ziehen.

Die Erkenntnisse sind eindeutig: "Wenn Manager mehr als 15 Prozent ihrer Firmen besitzen, so sind die Renditen fast immer zehnfach besser als im Marktdurchschnitt", sagt Ulf von Lilienfeld-Toal von der Stockholm School of Economics. Er hat in einer Langzeitbetrachtung die Entwicklung nach Insider-Deals in den USA untersucht. Das Insider-Barometer des Forschungsinstituts für Asset-Management an der RWTH Aachen bestätigt diese Einschätzung für den deutschen Markt. Top-Manager aus dem Dax schafften bei ihren Aktienorders 2007 eine Überrendite von 32 Prozent.

In Deutschland ist es erst seit dem Jahr 2002 möglich, Aktientransaktionen von Top-Managern auszuwerten, da sie seither erst an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht gemeldet werden müssen. Das Insider-Barometer, das die RWTH Aachen seit zwei Jahren zusammen mit Commerzbank Private Banking für das Handelsblatt berechnet, untersucht auffällige Insider-Transaktionen in den 160 Unternehmen des Dax, MDax, TecDax und SDax. Heraus kommen Aussagen zur generellen Entwicklung am Aktienmarkt sowie zu Einzeltiteln.

Die herausragende Order in den vergangenen Jahren kam von der Beteiligungsgesellschaft von SAP-Gründer Hasso Plattner. Für die Summe von über 210 Mill. Euro verkaufte sie Ende November 2006 Aktien des Unternehmens. Drei Monaten später wäre das Aktienpaket rund 19 Prozent weniger wert gewesen. Im Unternehmensumfeld hieß es dazu, die Stiftung verkaufe immer dann Aktien, wenn sie liquide Mittel für anstehende Projekte brauche.

Auch in diesem Jahr hat sich das Insider-Barometer bereits als guter Frühindikator erwiesen: Als es im ersten Quartal nach Hiobsbotschaften über weltweite Milliarden-Abschreibungen bei den Banken an der Börse rapide bergab ging, haben die Unternehmens-Insider zugegriffen wie nie zuvor. Die seit April anhaltende Erholung hat ihnen Recht gegeben.

Das beste Händchen unter den Top-Managern des Dax bewiesen bei den Käufen als auch bei Verkäufen Manager der Deutsche Börse: Im September 2007 orderte Finanzvorstand Thomas Eichelmann Aktien. In den drei Folgemonaten stieg deren Kurs 55 Prozent stärker als der Dax. Am 1. Februar dann trennte sich Aufsichtsrat Otto Wierczimock von einem Aktienpaket. Auch er lag damit richtig: Drei Monate später wäre das Paket knapp 20 Prozent weniger wert gewesen.

Auffällig ebenfalls: Je kleiner ein Unternehmen ist, umso größer sind oft die Auswirkungen von Insider-Deals auf den Kurs. Das fällt gerade beim SDax auf. Dort trennten sich Manager von Aktienpaketen, die im Anschluss in die Schlagzeilen gerieten. Die Immobilien-Gesellschaften Patrizia und Vivacon gehören ebenso dazu wie der Flugzeugmotoren-Bauer Thielert. "Pauschal lässt sich eine solche These zwar nie beantworten", sagt Christian Rouette von der Fifam. Prinzipiell sei es so, dass die großen Dax-Konzerne von Analysten stärker beobachtet werden und allein deswegen eher der Öffentlichkeit ausgesetzt sind. Dass hinter manchen Verkäufen bei kleineren Werten indes ein "höherer Informationsgehalt" stehen könnte, schließt er nicht aus.

Richtig reich ist kaum ein Top-Manager geworden. Chancen hätte Dieter Thomae, Aufsichtsrat beim SDax-Unternehmen Curanum gehabt. Er hat den Index nach dem Kauf um sagenhafte 76 Prozent geschlagen - weil er aber nur 10 140 Euro investiert hat, fiel der absolute Gewinn nicht allzu hoch aus.

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