Zweifel an Nachhaltigkeit
Streikende und Steuerpläne beflügeln Aktien

Erleichterung über das Ende des Streiks in der ostdeutschen Metallindustrie hat den Aktien der deutschen Automobil-Hersteller am Montag Schub gegeben. Die Entscheidung der Bundesregierung für vorgezogene Steuerentlastungen in Milliardenhöhe hat zudem den Konsumwerten Auftrieb verliehen.

Reuters FRANKFURT. Marktteilnehmer sagten, durch das Streikende seien hohe zusätzliche Kosten abgewendet worden. Die Aktien von BMW stiegen um 3,2 % auf 34,46 €. Volkswagen-Titel legten wie Daimler-Chrysler auch mehr als zwei Prozent zu. Bei BMW und Volkswagen hatte der Streik zur Einführung der 35-Stunden-Woche Produktionsausfälle verursacht. Am Wochenende kündigte IG Metall aber nach vierwöchiger Streikdauer das Ende des Arbeitskampfes an. Damit verfehlte die Industriegewerkschaft erstmals seit 50 Jahren ein Streikziel und will nun kürzere Arbeitszeiten über Haustarifverträge mit einzelnen Unternehmen durchsetzen.

„Es werden hohe zusätzliche Kosten abgewendet, nachdem nun nicht mehr gestreikt wird“, sagte der Auto-Analyst Albrecht Denninghoff von der Hypo-Vereinsbank. „Der Streik hat zu drei bis vier ausgefallenen Produktionstagen geführt, das ist nicht wenig, hätte aber noch bedeutsamer werden können.“

Gerald Rössel, Fondsmanager bei Invesco Asset Management, sagte, ein positiver Analystenkommentar der US-Investmentbank Merrill Lynch für die Autobranche stütze ebenfalls die Börsenkurse. Merrill hat den europäischen Autosektor am Montag auf „Overweight“ von zuvor „Underweight“ hochgestuft.

Ferner äußerten sich Börsianer positiv zu den Steuerplänen der Bundesregierung, die durch das Vorziehen der dritten Steuerreformstufe auf 2004 die lahmende deutsche Wirtschaft stimulieren will. „Da an der Börse bekanntlich Erwartungen gehandelt werden, besteht jetzt die Hoffnung, dass die schwache Nachfrage nach Autos verbessert werden kann“, sagte Analyst Denninghoff.

Konsumwerte bekommen Auftrieb

Die Entscheidung der Bundesregierung für vorgezogene Steuerentlastungen in Milliardenhöhe hat generell den deutschen Konsumwerten Auftrieb verliehen. Die Aktien von Adidas-Salomon stiegen 1,9 % auf 75,55 € und die im im Nebenwerte-Index MDax notierten Titel von Karstadt-Quelle sogar um 3,4 % auf 18,20 €. Auch die Anteilsscheine des Konsumelektronikspezialisten Medion, der mit dem Vertrieb des „Aldi-PC“ bekannt wurde, legten 2,2 % auf 37,54 € zu.

„Die Aussicht, dass die Verbraucher demnächst mehr Geld in der Tasche haben werden, hilft den Konsumwerten natürlich erst einmal“, sagte ein Händler. „Ich bezweifle aber, dass sich daraus ein nachhaltiger Aufschwung entwickelt.“ Auch der Analyst Christian Schindler von der Landesbank Rheinland-Pfalz äußerte sich zurückhaltend. Ein Teil des zusätzlichen Geldes werde sicherlich in den Konsum fließen. Für eine langfristige Steigerung der Binnennachfrage sei es aber notwendig, die Arbeitslosigkeit zu verringern: „Wenn die Leute nicht mehr Angst um ihren Job haben, werden sie eher wieder ein Auto oder andere Dinge kaufen.“

Andere Börsianer äußerten sich ähnlich und wiesen zudem darauf hin, dass der Bundesrat den Plänen noch zustimmen muss. Die Union, die den Bundesrat dominiert, hatte zuvor ihre Ablehnung zu den Regierungsplänen signalisiert. Außerdem sei die Finanzierung noch unklar, sagten Händler. „Wenn hier nur Geld von einer Tasche in die andere verschoben wird, sprich die Entlastung mit Steuern- und Abgabenerhöhungen an anderer Stelle finanziert wird, ist das ein Nullsummenspiel für die Konjunktur“, sagte ein Börsianer.

Die Bundesregierung will die dritte Stufe der Steuerreform um ein Jahr auf 2004 vorziehen und damit einen Wachstumsimpuls auslösen. Finanzminister Hans Eichel (SPD) bezifferte das Entlastungsvolumen auf 15,5 Mrd. €.

Die Aktien der Einzelhandelskette Metro tendierten am Montag praktisch unverändert bei 27,82 €. Händler begründeten dies damit, dass sich das Papier in den vergangenen Tagen überdurchschnittlich entwickelt hat.

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