Zweifel an Stresstests
Anleger verkaufen Bankaktien

Mit einem Mal sind sie wieder da: die Sorgen um Europas Banken. Eigentlich hatten die Stresstests die Märkte beruhigen sollen. Fast alle Banken seien gerüstet, um eine Krise zu überstehen, hieß es. Eine Zeit lang schien die Beruhigungspille zu wirken. Jetzt setzt sich mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass es um die europäischen Banken doch nicht so gut bestellt ist. Bankaktien geben deutlich nach.
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HB FRANKFURT. Die Börse hat für gewöhnlich ein gutes Gespür dafür, wenn etwas faul ist. So wie im Falle der Stresstests für Europas Banken. Die Zweifel an den Ergebnissen wachsen - und Bankaktien geben heute deutlich nach. Die französischen Banken zählen zu den größten Verlierern. Société Générale, Credit Agricole und BNP Pairbas verlieren rund drei Prozent. Die britischen Banken Royal Bank of Scotland und Barclays fallen um zwei bis drei Prozent. Im Dax geben die Papiere der Deutschen Bank und der Commerzbank gut zwei Prozent nach.

Nach einer Analyse des "Wall Street Journals" haben die Stresstests für die europäischen Banken Risiken aus Staatsanleihe-Positionen in Wahrheit nur ungenügend widergespiegelt. Die Europäische Union hatte bei 91 Kreditinstituten Stresstests durchgeführt, die 84 Banken bestanden hatten.

Finanzinstitute in Europa halten mehr als 134 Mrd. Euro in Staatsanleihen aus Griechenland, Portugal und Spanien, wie aus Berechnungen von Bloomberg hervorgeht. Besonders skeptisch beurteilen die Anleger griechische Anleihen. Auch nach dem von der EU und dem Internationalen Währungsfonds im Mai beschlossenen Rettungsplan fordern die Investoren weiterhin hohe Renditeaufschläge bei Griechenland-Bonds. Am Freitag lag die Rendite zehnjähriger griechischer Staataanleihen bei 11,28 Prozent, gegenüber 2,34 Prozent bei vergleichbaren deutschen Staatsanleihen.

Ein Zahlungsausfall Griechenlands könnte Zusammenbrüche bei Banken mit großen Positionen bei Staatsanleihen in ihren Portfolios auslösen, warnt auch Analyst Konrad Becker von Merck Finck & Co in München. "Ein Ausfall bei einem EU-Land würde das Vertrauen in die Banken verfliegen lassen", erläutert er. "Wenn die Anleger nicht mehr bereit sind, in Banken zu investieren, werden viele Banken innerhalb von Monaten und nicht Jahren Pleite gehen."

Bei den Stresstests wurden nur Staatsanleihen berücksichtigt, die von den Banken zum Verkauf gehalten werden. Papiere, die als Reserven in den Bankbilanzen standen, blieben außen vor. Staatsanleihen in ihren Reserven müssen die Banken nur dann abschreiben, wenn es deutliche Zweifel an der Fähigkeit des Landes zur Rückzahlung der Anleihe oder der Zahlung von Zinsen gibt. Laut einer Umfrage von Morgan Stanley halten die europäischen Banken rund 90 Prozent ihrer griechischen Aleihen in ihren Bilanzen.

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Kommentare zu " Zweifel an Stresstests: Anleger verkaufen Bankaktien"

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  • Halten europaeische banken auch US-Staatsanleihen? Die sind sicher?... obwohl die USA doch "bankrotter" sind als die Griechen. banken in Europa droht basel iii obwohl die USA nicht einmal basel ii eingefuehrt haben. Was das WSJ nicht alles weiss, vielleicht sollten die mal vor der eigenen Haustuere fegen.

  • Ach Mensch, die Analysten wieder:
    "Wenn die Anleger nicht mehr bereit sind, in banken zu investieren, werden viele banken innerhalb von Monaten und nicht Jahren Pleite gehen."
    dieser Satz ist genauso aussagekräftig wie:
    "Wenn es regnet, wird die Erde nass" oder frei nach Otto Waalkes:
    "Obs schön wird oder nicht, dass hängt vom Wetter ab"

  • Ja, manchmal wundert es einem was für eine lange Leitung die "Anleger" haben, aber der Trick mit dem Handels- und dem Anlagebuch war echt fies.
    Mal abgesehen davon, dass der Stresstest wohl ohnehin an die Testobjekte angepasst wurde.

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