Agrarrohstoffe
Wenn Hedge-Fonds beim Kakao zuschlagen

Investoren haben Agrarrohstoffe wie Kakao, Kaffee oder Zucker längst als Anlage entdeckt. Langfristig werden die Rohstoffpreise steigen. Doch solche Engagements verlangen hohes Fachwissen und gute Nerven, denn die Märkte sind launisch und Kurse schwanken enorm.
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FRANKFURT. In den vergangenen Jahren sind nach Angaben der OECD mehrere hundert Milliarden Dollar Anlagegelder in Rohstoffe geflossen. Vor allem der demografische und ökonomische Wandel wird langfristig zu steigenden Rohstoffpreisen führen. Doch sie schwanken stark, Anleger brauchen ein enormes Fachwissen, wenn sie sich erfolgreich engagieren wollen. Selbst innerhalb von Subkategorien des Marktes handelt es sich nicht um eine homogene Anlageklasse. Das gilt speziell auch für Agrarrohstoffe wie Kakao, Kaffee und Zucker.

Beispiel Kakao. Der Markt geriet in den vergangenen Monaten in den Blickpunkt der Öffentlichkeit, als sich der britische Hedge-Fonds Armajaro größere Mengen des Rohstoffs physisch anliefern ließ, es kurzzeitig zu Engpässen kam und die Preise sich binnen weniger Monate verdoppelten. Inzwischen hat sich die Situation beruhigt.

Beim Kakao sind die Spekulationsfantasien verflogen

Kakao wird zu 71 Prozent auf dem afrikanischen Kontinent - in Cote d'Ivoire und Ghana - angebaut. Gehandelt wird der als Basis für die Schokoladenproduktion geltende Rohstoff an den Warenterminbörsen in London und New York. Die International Cocoa Organization (ICCO) geht davon aus, dass am Weltkakaomarkt in der Saison 2009/10 ein Angebotsdefizit von 72 000 Tonnen existieren wird. Denn aktuelle Daten zeigen, dass die Kakaovermahlung der Schokoproduzenten - wichtiges Indiz für die künftige Nachfrage - in der laufenden Saison über den Erwartungen liegt.

In der kommenden Saison 2010/11 aber wurde aufgrund höherer Produktion ein Überschuss erwartet. ICCO-Chef Jan Vingerhoets hat aufgrund der hohen Nachfrage seine Schätzung eines in der Saison 2010/11 möglichen globalen Überschusses von 90 000 auf 75 000 Tonnen reduziert. Unterm Strich haben sich Preisfantasien wieder beruhigt. Vom Handelsblatt befragte Analysten sehen den Kakaopreis Ende 2010 bei rund 2 900 Dollar je Tonne (derzeit liegt der Preis bei rund 2 700 Dollar). Diese Schätzung liegt deutlich unter der Prognose von 3 700 Dollar je Tonne, die Fachleute noch Anfang 2010 abgegeben hatten. Diese "neue Bescheidenheit" wird von Experten vor allem mit dem unsicheren Verhalten der Konsumenten begründet.

Nun zum Kaffee. Der Markt hat sich in den vergangenen Monaten besser entwickelt als der Kakaomarkt. Vom Handelsblatt befragte Analysten erwarten Ende 2010 einen Arabica-Preis von rund 1,55 Dollar je Pound (454g). Noch im Januar 2010 lagen die Prognosen bei 1,40 Dollar je Pound. Aber auch hier drohen Enttäuschungen. Kaffee wird an den Terminbörsen vor allem in den beiden Qualitäten Arabica und Robusta gehandelt. Von der weltweiten Ernte der Saison 2009/10 in Höhe von 120 Mio. Säcken mit einem Gewicht von je 60 Kilogramm dürften rund 70 Mio. Säcke auf Arabicas und etwa 50 Mio. Säcke auf Robustas entfallen, so die International Coffee Organization (ICO). Fachleute gehen für die Saison 2010/11 von einem Anstieg der globalen Kaffeeproduktion auf 136 Mio. Säcke aus. Sie setzen dabei auf eine Rekordernte im größten Anbauland Brasilien. Dies dürfte nach Meinung von Experten Druck auf die Kaffeepreise auslösen.

Ähnlich schwierig wird es wohl beim Zucker. Kapitalanleger sind jüngst Fans des Rohstoffs geworden, der aus Rohr und Rüben gewonnen wird. Die Preise dieses agrarischen Rohstoffs schossen vor allem deshalb in die Höhe, weil Zucker nicht nur in der Nahrungsmittelbranche eingesetzt wird, sondern Basis zur Herstellung von Bioenergie ist. So hat sich der Preis für Rohzucker in nur zwei Jahren fast verdoppelt. Und das inmitten der schlimmsten Krise seit 80 Jahren und auch vor dem Hintergrund eines steigenden Zuckerangebots. Die International Sugar Organization (ISO) erwartet für die Saison 2010/11 einen globalen Zuckerüberschuss von 3,22 Mio. Tonnen. Für die vergangene Saison hatte die ISO ein Defizit von 4,95 Mio. Tonnen errechnet. Das aller Voraussicht nach in der kommenden Saison weiter steigende globale Zuckerangebot wird vor allem auf gute Ernten in den beiden wichtigsten Produzentenländer Brasilien und Indien zurückgeführt.

Mitten in der Krise hat sich der Preis von Zucker verdoppelt

Vom Handelsblatt befragte Rohstoff-Analysten erwarten, dass der Rohzuckerpreis an der Intercontinental Exchange (ICE) Ende 2010 bei 17,35 Cents je Pound liegen wird (derzeit rund 24 Cent). Für das Jahr 2011 wird von den Analysten ein Durchschnittsniveau vor nur noch 15,25 Cents je Pound erwartet.

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