Aktien-Fachchinesisch
Was der Analyst unter Übergewicht versteht

"Buy", "outperform", "overweight": alles klar? Jeden Tag prasseln Dutzende von Aktienempfehlungen auf die Anleger nieder. Die Ratschläge sind nicht immer leicht zu verstehen. Denn die Sprache der Aktienprofis ist tückisch. Die Anleger-Akademie erklärt, wie deren Tipps zu deuten sind.
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FRANKFURT. Die Analysten der Citigroup haben gestern Eon und RWE herabgestuft, ihre Kollegen vom Düsseldorfer Bankhaus Lampe rieten, die Beiersdorf-Aktie weiter zu halten, und bei der Unicredit empfahlen die Experten den Anlegern weiter die Aktie des Medizintechnikers Drägerwerk zum Kauf.

Jeden Tag prasseln Dutzende von Aktienempfehlungen auf die Anleger nieder. Das alles geschieht in der Regel mit entsprechenden Auswirkungen auf die Kurse. Keine Frage, Analysten stellen mit ihren Urteilen eine bedeutende Macht am Aktienmarkt dar.

Das Problem für Anleger ist, dass es keine einheitlichen Urteile gibt. Jede Bank hat ihre eigenen Definitionen zu den jeweiligen Empfehlungen.

Das zeigen schon die unterschiedlichen Begriffe, mit denen beispielsweise ein positives Urteil ausgedrückt werden soll. Was bei der Deutschen Bank "buy", also "kaufen" heißt, nennt die Credit Suisse "outperform" ("besser als der Markt") und Morgan Stanley wiederum "overweight", also "übergewichten". Das jeweilige Urteil bezieht sich dann bei einer Bank wie Merck, Finck & Co. oder der BHF auf einen Zeitrahmen von sechs Monaten, bei anderen wie Morgan Stanley bezieht es sich auf eine Zeitspanne von 18 Monaten.

Einige Banken geben absolute, andere relative Empfehlungen

Zu guter Letzt geben Banken wie Berenberg oder die genossenschaftliche DZ Bank eine absolute Empfehlung ab, wollen also das absolute Kurspotenzial einer Aktie vorhersagen. Andere wiederum wie die Schweizer UBS oder das Bankhaus Metzler sagen die Entwicklung hingegen relativ vorher, setzen diese also in Relation zu einem Marktsegment oder einem Index. Die heutige Aufstellung ist Teil einer neuen Anleger-Akademie, die hinter die Kulissen von Kennzahlen, Bewertungen und Ratings blickt.

Die Redaktion hat sich aus diesem Grund über Wochen durch die so genannten "Disclaimer" gearbeitet. Das sind die mittlerweile immer größeren Studienanhänge, geschrieben im schönsten Juristendeutsch. Herausgekommen ist eine verständliche Übersetzung für den Privatanleger.

Die Exoten sprechen nur noch von "kaufen" und "verkaufen"

Das war manchmal einfach, manchmal schwerer. Wenn die Unicredit beispielsweise eine Kaufempfehlung dann abgibt, wenn Aktienkursentwicklung plus Dividende höher als die Eigenkapitalkosten der Aktienanlage ist, dann ist vielen Anlegern wohl immer noch nicht klar, was damit gemeint ist. Für das Institut ist aber nicht die genaue Begriffsdefinition wichtig, sondern dass die Eigenkapitalkosten in der Regel bei acht bis zehn Prozent liegen. Eine Kaufempfehlung der Unicredit bedeutet, dass die Renditeerwartungen für eine Aktie darüber liegen.

Eine exotische Stellung nimmt in der gesamten Aufstellung übrigens die Privatbank Metzler ein. Bei ihr gibt es nur "kaufen" oder "verkaufen". Schon vor Jahren hat man das, was andernorts "neutral", "halten" oder "gleichgewichten" heißt, gestrichen. Ein solches Urteil habe für den Anleger keinerlei Relevanz, hieß es damals zur Begründung. Ihn interessiert nur, ob er kaufen oder verkaufen soll.

Die nächste Anleger-Akademie am kommenden Freitag befasst sich mit den Zahlen in der Bilanz einer Aktiengesellschaft und den Rückschlüssen, die sich für Anleger daraus ziehen lassen. Für sie geht es um die Frage, ob eine Aktie eher teuer oder günstig zu haben ist. Nur wer hier die wichtigsten Kennzahlen deuten kann, der kauft am Ende auch die Aktie, die in Zukunft Potenzial nach oben hat.

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