Alternative Anlageklassen werden populärer
Indizes: Suche nach dem rechten Maßstab

Die Einfallsreichtum der Indizes-Anbieter scheint nahezu grenzenlos und lässt den Indexmarkt stetig wachsen. Allein das in Indexfonds angelegte Kapital erreichte im zweiten Quartal 2008 ein neues Rekordhoch. Zwar wird derzeit noch am meisten in Aktienprodukte investiert. Immer populärer werden jedoch Indizes und Indexfonds auf alternative Anlageklassen wie Rohstoffe oder Immobilien.

DÜSSELDORF. Es war eine Woche des Wahnsinns. Am Dienstag, dem 30. November 1999, gab der US-Indexanbieter Standard & Poor’s nach Börsenschluss bekannt, dass die Internetaktie Yahoo am 7. Dezember in den erlauchten Kreis des US-Standardwerteindexes S&P 500 aufsteigt. Schon in den Jahren 1996 bis 1999 hatte sich der Aktienkurs glatt verachtzigfacht. In den sieben Tagen zwischen der Ankündigung und der tatsächlichen Indexaufnahme kletterte die Yahoo-Aktie von 212 auf 348 Dollar. Das entspricht einer Rendite von 7,3 Prozent – pro Tag. Den meisten Anlegern würde diese Rendite wohl auch pro Jahr mehr als genügen.

Allerdings dämmerte vielen Anlegern auch, dass die als einfach, günstig und transparent gepriesenen Indexfonds (ETFs) auch Nachteile haben. Denn wer einen Indexfonds auf den S&P 500 hielt, stieg damals in die völlig aufgeblähte Yahoo-Aktie ein – gemäß den Indexregeln natürlich am Abend des 7. Dezember zu 348 Dollar. Ähnlich erging es wenig später auch Dax-Investoren, denn auch Werte wie MLP, Epcos oder Infineon wanderten zu Höchstkursen in den Deutschen Aktienindex (Dax) – und fielen anschließend wieder.

ETF-Investoren geben ihr Geld also prozyklisch aus. Denn klassische Indizes wie der S&P 500 oder der Dax sind anhand der Marktkapitalisierung der enthaltenen Unternehmen konstruiert. Das heißt ganz banal: Aktien werden dann in einen Index aufgenommen, wenn sie bereits stark gestiegen sind. Und je größer das Unternehmen, desto größer die Gewichtung. Wenn sich der Kurs verdoppelt, verdoppelt sich das Gewicht der Aktie im Index und damit auch das Investment in diesen Wert.

So sind es Erfahrungen wie die aus den wilden Börsenjahren 1999 und 2000, welche die Innovationen der Anbieter von Indizes und Indexfonds vorantreiben. Über 100 000 Indizes berechnet alleine der Datenanbieter S & P; 1 500 Indexfonds buhlen weltweit um Anleger. Rund um den 1988 eingeführten Dax hat die Deutsche Börse eine Produktfamilie von knapp 800 Indizes entwickelt. Und der Markt wächst weiter: Das in Indexfonds in Europa angelegte Vermögen erreichte im zweiten Quartal 2008 ein neues Rekordhoch, vermeldete Detlef Glow vom Fondsanalysehaus Lipper vergangene Woche.

Noch immer ist vor allem die Indexfondsindustrie stark aktienlastig: Knapp drei Viertel des in Indexfonds weltweit investierten Vermögens liegt in Aktienprodukten. Das wird sich ändern. „Derzeit ist der Markt stark an Anleiheprodukten interessiert“, sagt Axel Lomholt, Leiter der Produktentwicklung und des Aktienportfoliomanagement bei I-Shares.

Noch eine Nische, aber immer populärer auf der Suche der Anleger nach neuen Renditequellen, sind Indizes und Indexfonds auf alternative Anlageklassen wie Rohstoffe, Hedge-Fonds, Holz, aber auch Immobilien oder Frachtraten. „Ein wichtiger Markt für uns ist die Entwicklung von Indizes auf neue Anlageklassen wie Wasser, Umwelttechnologien, aber auch völlig neue Märkte wie Kohlendioxid“, sagt Werner Bürki, Vorsitzender des Aufsichtsrats des Indexanbieters Dow Jones Stoxx.

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