Altersvorsorge
Der Blick auf das ganze Leben der Frau

Frauen müssen mit Blick auf ihre Lebenserwartung und ihre Erwerbsbiografie anders sparen als Männer. Die gängigen finanziellen Standardlösungen für die Altersvorsorge sind für sie meist nicht optimal. Es lohnt sich, genauer hinzuschauen.

KÖLN. Ein Ehepaar – Frau Else K. (64) und Herr Ludwig K. (65) – möchte einen Einmalbetrag in Höhe von 300 000 Euro für die gemeinsame Rente anlegen. Diverse Vorschläge von Banken und Versicherungen lauten unisono: Schließen Sie eine Sofortrente für ihn als Hauptversicherten ab und verbinden Sie diese für Frau K. mit einer Witwenrente in Höhe von 60 Prozent. Das sei günstiger wegen der Kalkulation, hatte man ihnen gesagt. Frauen leben statistisch gesehen länger, dafür bekommen sie bei gleichem Einsatz eine kleinere Rente als gleichaltrige Männer.

Meine Empfehlung ist anders: Beide sollen lieber zwei eigenständige, völlig unabhängige Verträge mit jeweils 150 000 Euro wählen. Die beiden Renten werden vom Versicherer dann auf zwei separate Konten überwiesen, solange die jeweilige Person lebt. Im Todesfall erhält Witwe oder Witwer die Rente des verstorbenen Partners weiter, bis die so genannte Rentengarantiezeit verstrichen ist. Ich empfehle dafür 20 Jahre. Die eigene Rente läuft lebenslang. Die Vorteile dieser Variante: Wenn es gut läuft mit den beiden, wird die Rente sowieso gemeinsam genutzt, wenn nicht – Scheidungen der über 65-Jährigen nehmen rasant zu – gibt’s keinen Stress. Außerdem bringt diese Aufteilung einen finanziellen Vorteil von etwa 40 Euro monatlich. Diese Lösung ist für die Frau besser und schadet auch dem Partner nicht. Warum wird sie nicht zur Standardlösung? In der Finanzbranche ist vielfach noch der Mann das Maß aller Dinge und die Frau lediglich ein von ihm abgeleitetes Wesen, auch bei der Privatrente.

Ein neuer Fall: Erika S. (34) möchte gemeinsam mit ihrem Freund Bernd M. (36) ein Kind, beide Partner wollen sich finanzielle Einbußen für ihre Altersrente aufteilen. Die Vorgaben: Beide verdienen etwa 4 000 Euro brutto. Sie will zwei Jahre aussetzen, danach vielleicht noch fünf Jahre in Teilzeit arbeiten. Beide sparen derzeit jeweils 300 Euro im Monat für die zusätzliche Altersversorgung.

Auch hier gibt es eine Standardlösung: Versicherungsprodukte, die für Frauen eine vermeintlich flexible Vorsorge mit Babypausen für die Prämien, Geburtengeld und Entnahmeerlaubnis vorsehen. Frei nach dem Motto: Frauen kriegen Kinder und stoppen ihren Sparplan. Mir gefällt diese Lösung nicht.

Das Problem für die spätere Rente ist für Erika S. gar nicht einmal die erste Auszeit, denn dafür gibt es einen Kindererziehungsbonus von der gesetzlichen Rente. Die Kluft im Vergleich zur Erwerbszeit mit vollem Gehalt ist zwar sichtbar, aber nicht schlimm: Der Verlust für die Rente ab 67 beträgt lebenslang etwa 33 Euro im Monat.

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