Anlegerakademie: Die Tücken der Industriemetalle

Anlegerakademie
Die Tücken der Industriemetalle

Industriemetalle locken Investoren mit zum Teil kräftigen Preissteigerungen. Von solchen Kursrenditen können Aktien- und Anleihebesitzer nur träumen. Doch wer in Industriemetalle investiert, darf die Tücken des Marktes nicht unterschätzen. Die Preise der Metalle hängen von sehr unterschiedlichen Faktoren ab.
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UNKEL. Kupfer etwa kostet heute rund 13 Prozent mehr als im Juni, Zink ist 16 Prozent teurer. Für eine Tonne Zinn müssen sogar 21 Prozent mehr bezahlt werden.

Ganz wesentlich ist die wirtschaftliche Entwicklung in den Industriestaaten, die Kupfer, Aluminium, Nickel, Blei oder Zink und Zinn nachfragen. „Mit anziehender Konjunktur steigt die Industrieproduktion – und damit auch die Nachfrage nach Industriemetallen“, erklärt Gabor Vogel, Rohstoff-Analyst bei der DZ Bank. Als besonders konjunktursensibel gelte Kupfer. Faustregel: Wenn die Industrieproduktion um ein Prozent steigt, nimmt die Kupfernachfrage um 0,8 Prozent zu.

Kupferbestände schrumpfen

Die Folgen dieser starken Abhängigkeit von der konjunkturellen Entwicklung ließen sich im Mai an den Metallpreisen ablesen. Die Märkte sorgten sich um die Erholung der Wirtschaft, entsprechend brachen die Preise zeitweise deutlich ein. Besonders die Furcht vor einem schrumpfenden Bedarf des rohstoffhungrigen Chinas brachte die Notierungen unter Druck.

Als wichtiger Indikator für das Verhältnis von Angebot und Nachfrage gelten die Lagerbestände. Sinkende Bestände deuten auf steigende Preise hin. Bei gut gefüllten Lagern wächst indes die Wahrscheinlichkeit eines Preisrückgangs. Bei dem wichtigsten Industriemetall Kupfer etwa sind die Lager zuletzt kräftig geschrumpft. „Der Abbau der Lagerbestände ist auf eine verstärkte Nachfrage zurückzuführen, die den globalen Kupfermarkt ins Defizit treiben könnte“, warnte daher bereits die Commerzbank.

Einen Bestandsüberblick bieten die großen Rohstoffbörsen: London Metal Exchange (LME), New York Commodities Exchange (Comex) und Shanghai Futures Exchange. Aus ihren Lagern rund um den Globus werden die Metalle ausgeliefert, deren Terminkontrakte an den Börsen gehandelt werden.

Die Terminkontrakte (Futures) der einzelnen Metalle laufen monatlich aus. Käufer, die kein Interesse an einer Lieferung haben, müssen ihre Kontrakte vor dem Laufzeitende verkaufen und gegebenenfalls in den nächsten folgenden Terminkontrakt investieren. Dieser Kontrakt kann günstiger sein, ist aber oft teurer als der auslaufende Kontrakt. Fürs gleiche Geld bekommt man also weniger Anteile; das bedeutet de facto einen Wertverlust.

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  • Es ist schon erstaunlich, dass dem privaten Anleger vom Einstieg in andere Metalle abgeraten wird, obwohl hier ein sehr gute Gewinnmöglichkeiten warten. Gold und Silber sind schon mal verboten worden (USA) bei industriemetallen ist das kaum möglich, 1) warum soll die industrie sich krisensicher ausstatten, was dem Privatmann verwehrt werden soll. 2) industriemetalle werden gebraucht bzw. verbraucht und ohne die geht es nicht. Da entstünde bei einem Verbot ein ganz anderer Druck auf die Politik als bei einem Goldverbot. Es gibt genug hochpreisige Metalle, die sehr wohl als Anlage herhalten können. Hier ein beispiel: Vor 3,5 Jahren habe ich indium gekauft und physisch eingelagert. Vor kurzem habe ich es für den 11,3 fachen Preis verkauft!!! Das wichtigste ist, sich zu informieren wofür die Metalle gebraucht werden und welche Produkte in Zukunft damit bestückt werden. Aus indium bin ich rausgeganen, weil der Preis so hoch ist, dass sich Entwicklungen von Alternativen lohnen. Das 11,3 Fache ist eine Marge, die von Gold und Silber so schnell nicht erreicht wird, dafür sind sie auch deutlich wertbeständiger. Mit der letztgenanten Aussage soll nur angeregt werden, dass neben Gold und besonders Silber es dem Privatman auch zusteht vom ganz fetten Kuchen der anderen Metalle zu protitieren. Leider ist das weder von der industrie noch von der Politik gewünscht, hochpreisige Metalle sind kein Versprechen sondern ein Wert, der sich immer zu einem anderen Wert tauschen lässt (im Gegensatz zu unserem Papiergeld). Was ist den heute noch ein 100 Reichsmarkschein wert? im Ausland (CH) kommt der Private auch an interessante Metalle, die sonst nur auf der Londoner Metallbörse gehandelt werden. Aus meiner Sicht ist es sinnvoll einen kleinen Teil seiner Edelmetall-Reserven in hochwertige industriemetalle an zu legen, auch wenn das von "Oben" nicht gewünscht wird.

  • Die Aussage von Herrn bachmann, dass die investition in Aktien von Minenkonzernen eine Alternative sei, ist wissenschaftlich nicht belegt. im Gegenteil: Aktien rohstoffproduzierender Unternehmen korrelieren kaum mit der Preisentwicklung der Rohstoffe, die sie überwiegend fördern.
    Dies lässt sich u.a. hier nachlesen:
    GORTON, G. / ROUWENHORST G.K. (2005): Facts and Fantasies about Commodity Futures.
    in: Financial Analysts Journal. 2006, Vol. 62.

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