Anlegerakademie: Einmal um die Welt (I)
Osteuropa: Reise mit kleinen Hindernissen

Wer sich Bargeld oder Reiseschecks für einen Trip nach Osteuropa besorgen will, bekommt am Bankschalter so einiges mit - nicht immer sind das nützliche Tipps. Die gute Nachricht aber ist: Wer nach Osteuropa oder Russland reist, braucht sich nicht unbedingt schon in Deutschland mit Bargeld des entsprechenden Reiselandes einzudecken.
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BERLIN. Die Schlange vor dem Schalter der Commerzbank im Berliner Westend ist lang an diesem Donnerstagnachmittag. Trotzdem lächelt der Mitarbeiter freundlich - zumindest kurz. Als er fragt, ob man Kundin der Bank sei, und er ein "Nein" zu hören bekommt, stirbt sein Lächeln. Den Wunsch, Bargeld aus den baltischen Ländern zu kaufen, bügelt er ab: "Da gehen Sie am besten in die Wechselstube gegenüber." Dabei zeigt er auf das abgeranzte Leihhaus auf der anderen Straßenseite, in dessen Schaufenster Goldketten und Uhren glänzen - nebenbei wird dort auch Geld gewechselt.

Wer sich Bargeld oder Reiseschecks für einen Trip nach Osteuropa besorgen will, bekommt am Bankschalter so einiges mit - nicht immer sind das nützliche Tipps. Da nützt es auch nichts, Kundin des Instituts zu sein. "Welche Länder gehören zum Baltikum? Helfen sie mir mal auf die Sprünge", sagt die Mitarbeiterin der Deutschen Bank. Nachdem sie die Antwort erhalten hat, weist sie bedauernd darauf hin, dass die Bestellung von Sorten aus Estland, Litauen und Lettland jeweils erst ab 1 500 Euro möglich ist.

Wer nach Russland will und Rubel benötigt, muss mindestens 6 000 Euro eintauschen. Keine Chance für Rucksackreisende. Die Dresdner Bank hat nur gelegentlich ein paar polnische Zloty oder Kronen der Tschechischen Republik in der Kasse. Die Mitarbeiterin legt sich aber ins Zeug, berichtet von eigenen Reiseerfahrungen in Osteuropa.

Die gute Nachricht ist: Wer nach Osteuropa oder Russland reist, braucht sich nicht unbedingt schon in Deutschland mit Bargeld des Reiselandes einzudecken. Eine kleine Euro- oder Dollarreserve dürfte fürs Erste ausreichen, wenn eine EC-Karte mit Maestro-Zeichen vorhanden ist. Kreditkarte und Reiseschecks können nützlich sein, es geht aber auch ohne.

Die Wirtschaft in Osteuropa floriert. Bulgarien etwa weist für das vergangene Jahr eine Wachstumsrate von sechs Prozent aus; die slowakische Wirtschaft ist sogar um mehr als zehn Prozent gewachsen. Allein Ungarn tanzt aus der Reihe - die strengen Wirtschaftsreformen haben das Wachstum gebremst. Das Preisniveau ist deshalb in vielen Ländern Osteuropas gestiegen - getrieben vor allem von höheren Nahrungsmittel- und Energiepreisen. Der Vorteil für Reisende: Trotz Steigerung liegt das Preisniveau im Osten noch immer bei nur rund zwei Dritteln des Durchschnitts der Euro-Staaten.

Polen ist mit rund 38 Millionen Einwohnern die größte Volkswirtschaft in Osteuropa und steht beispielhaft für die aktuelle Entwicklung in vielen Ländern der Region: "Die Wirtschaft dort wird zunächst weiterhin relativ stark wachsen und die Inflation hoch bleiben", sagt Simon Quijano-Evans, Analyst bei Unicredit in Wien. "Unseren Prognosen nach wird die Inflation im Juli und August dieses Jahres ihren Höhepunkt erreichen und dann zurückgehen - allerdings hauptsächlich aufgrund von Basiseffekten aus dem Vorjahr." Die sinkenden Realeinkommen würden mittelfristig aber dazu führen, dass die private Nachfrage und damit auch das Wirtschaftswachstum nachgeben. Aktuell hat der polnische Zloty so stark aufgewertet, dass selbst die Tankstellen in Slubice nicht mehr von den Tanktouristen aus Frankfurt/Oder profitieren.

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