Anleihen der öffentlichen Hand
Niedrige Zinsen, wenig Risiko

Seit kurzem wirbt "Günther Schild" in Fernsehspots und Anzeigen für die "entspannendste Geldanlage Deutschlands". Günther Schild ist eine Schildkröte und neuer Werbeträger für Wertpapiere des Bundes. Sie soll für Ausdauer, Gelassenheit und natürlich auch für Sicherheit stehen: So wie der Panzer das Reptil vor Blessuren schützt, schützt der Staat seine Anleger vor Kapitalverlust. Doch die Sicherheit hat ihren Preis.

FRANKFURT. "Deutschland gehört zu den solventesten Schuldnern weltweit", sagt Carl Heinz Daube, Geschäftsführer der Deutschen Finanzagentur. Als eines der wenigen Länder besitze Deutschland ein Dreifach- A-Rating für Top-Bonität von den großen Ratingagenturen, betont der Geschäftsführer des zentralen Dienstleisters für das Schuldenmanagement und die Kreditaufnahme des Bundes, und ergänzt: "Somit gehören Bundeswertpapiere zu den sichersten Geldanlagen, die es gibt."

Die Sicherheit hat allerdings ihren Preis. So symbolisieren Schildkröten gemeinhin auch Genügsamkeit. Das gilt auch für das neue Maskottchen der Bundeswertpapiere, denn viel zu holen gibt es mit den Zinsanlagen des Bundes derzeit nicht. Die Unsicherheit angesichts der anhaltenden US-Immobilien- und Bankenkrise und die sich verschlechternden Wirtschaftsaussichten haben institutionelle Investoren, die an den Kapitalmärkten das große Geld bewegen, seit Ende Juli wieder verstärkt zu Bundesanleihen greifen lassen. Die Folge: Die Kurse stiegen, und die Renditen sanken. So werfen Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren nur noch gut vier Prozent Rendite ab, für fünfjährige Bundesobligationen gibt es nur noch knapp 3,9 Prozent. Diese Renditen streichen Anleger ein, wenn sie die Papiere jetzt kaufen und bis zur Fälligkeit halten. Vor zwischenzeitlichen Kursschwankungen sind die Investoren aber nicht geschützt.

Gut einen halben Prozentpunkt mehr Rendite bekommen Anleger, die zu ausgewählten Anleihen der Bundesländer oder zu denen von staatseigenen Förderbanken wie der KfW Bankengruppe oder der Landwirtschaftlichen Rentenbank greifen. Die Förderbanken haben wie der Bund die Bonitätsnote "AAA", weil der Staat ihre Verbindlichkeiten garantiert. Bei den Bundesländern bescheinigt nur die Ratingagentur Fitch allen Ländern ebenfalls ein Top-Rating. Sie begründet dies vor allem mit dem Länderfinanzausgleich. Die Agenturen Standard & Poor's (S&P) und Moody's zielen dagegen mehr auf die durchaus unterschiedliche Wirtschaftskraft der einzelnen Länder ab. Im Zweifelsfall dürfte der Bund aber strauchelnde Länder auffangen, meint Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank.

Auch für Anleihen anderer Länder aus dem Euro-Raum bekommen Anleger inzwischen je nach Land und Laufzeit bis 0,8 Prozentpunkte mehr Rendite als für Bundesanleihen. Seit dem Ausbruch der Finanzmarktkrise haben sich die Renditeaufschläge der anderen Euro-Staaten im Vergleich zu Bundesanleihen so deutlich erhöht wie noch nie. Dahinter steckt vor allem die Sorge, dass Länder wie zum Beispiel Spanien oder Italien weit schwerer von einem Konjunktureinbruch getroffen werden als Deutschland.

Die Renditeunterschiede auszunutzen lohnt sich aber nur für Anleger, die viel Geld investieren. So macht ein halber Prozentpunkt Renditeunterschied bei einer Anlage von 1 000 Euro gerade mal fünf und bei 10 000 Euro 50 Euro pro Jahr aus. Zudem haben Bundeswertpapiere für Privatanleger den großen Vorteil, dass sie ohne Gebühr bei der Bundesfinanzagentur direkt kaufen können. Dafür müssen Anleger bei der Agentur ein - ebenfalls gebührenfreies - Schuldbuchkonto eröffnen. Nähere Informationen dazu gibt es im Internet unter www.bundeswertpapiere.de.

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