Asset-Management: Nachhaltige Anlagekonzepte
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Bei nachhaltigen Geldanlagen denken Privatanleger meist an Publikumsfonds, die neben finanziellen auch ökologische, soziale und ethische Kriterien beachten. Doch diese Fonds sind nur ein kleiner Ausschnitt des Marktes nachhaltiger Kapitalanlagen.

BERLIN. Vor allem Vermögende und institutionelle Anleger wie Kirchen, Stiftungen oder Pensionsfonds treiben „Socially Responsible Investment“ (SRI), so der internationale Begriff, voran. In Europa werden bereits mehr als eine Billion Euro nach nachhaltigen Kriterien verwaltet. Seit 2003 ist der Markt real um 36 Prozent gewachsen, korrigiert um den Wertanstieg des Aktienindexes MSCI World. Das ermittelte der europäische Dachverband für nachhaltige Investments Eurosif in Paris. In den USA machen solche Anlagen bereits zehn Prozent des Marktes aus. Die Corporate Governance, also die verantwortungsvolle Unternehmensführung, sowie Umwelt- und Sozialaspekte seien bedeutsam für die Finanzleistung von Unternehmen, urteilen drei Viertel von 180 US-Institutionellen, die die Investmentberatung Mercer dieses Jahr befragte. SRI senke Risiken oder steigere Renditen.

In Deutschland weicht zudem die Skepsis, dass die Auswahl nachhaltiger Anlagen zu Lasten der Rendite gehen könnte: Drei Viertel der Pensionskassen erwarteten marktfähige Renditen, ergab eine Umfrage der Hannover Researchagentur Scoris. „Wir wollen 100 Prozent unserer Anlagen nachhaltig ausrichten. Unsere Erfahrungen sind sehr positiv, wir stellten keine wirtschaftlichen Leistungseinbußen fest“, sagt Claus Meier, Oberkirchenrat der Evangelisch-Lutherischen Kirche Bayerns.

Die Anlagekonzepte sind aber sehr unterschiedlich, je nachdem, wie Großanleger Nachhaltigkeit verstehen. Strenge Kriterien wünschen Kirchen und Stiftungen. Für sie entwickeln Finanzinstitute zusammen mit speziellen Researchhäusern zunehmend Spezialfonds und Zertifikate. Sie ergänzen Ratingkriterien mit individuellen Vorstellungen der Kunden: etwa weitere Ausschlussfaktoren oder andere Gewichtungen und Zusatzaspekte beim so genannten Best-in-Class-Ansatz. Die Bank für Kirche und Caritas in Paderborn legt bereits 60 Prozent ihrer Anlagen auf dem Kapitalmarkt und 95 Prozent der Aktienanlagen nachhaltig an.

SRI ist viel mehr als Fondsgeschäft. Anschaulich zeigt das die belgisch-französische Dexia. Neben 22 Fonds durchleuchtet die Bank Aktienportfolios nach nachhaltigen Kriterien. Das heißt „Screening“. Es führt zu Ausschluss, Über- oder Untergewichtung von Titeln. „Wir verwalten 1,7 Mrd. Euro in nachhaltigen Publikumsfonds und 12,3 Mrd. Euro in Spezialfonds und Screening-Mandaten für Institutionelle. Das sind 14 Prozent des anvertrauten Vermögens von 110 Milliarden Euro“, sagt SRI-Fondsmanager Roland Kölsch.

Screening-Konzepte existieren im europäischen Ausland seit Jahren. Der norwegische Petroleum Fund, zweitgrößter Pensionsfonds der Welt, führt regelmäßig Screenings durch und stößt gegebenenfalls Beteiligungen ab. Im Juni verkaufte er zum Beispiel seinen Anteil am weltgrößten Einzelhändler Wal-Mart, weil der Menschen- und Arbeitsrechte missachte. Nach Deutschland kam Screening erst 2004 mit einem Angebot der BHF Bank. Sie nutzt das praxiserprobte Konzept des niederländischen ING-Konzerns. Es bewertet die Titel der Aktienindizes S&P 500 und FTSE 300 mit einem „Non-Financial-Indicator“. Die BHF verwaltet auf diese Weise 13 Mill. Euro.

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