Briefmarken
Handeln, Haben, Horten

Briefmarken sammeln gilt gerade unter jungen Menschen oft als langweilig. Doch diese Ansicht täuscht: Vor allem in Deutschland können Postwertzeichen als Spekulationsobjekt durchaus interessant sein – zumindest wenn man über das notwendige Wissen und Verhandlungsgeschick verfügt.
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DÜSSELDORF. Obwohl der Boom um die Briefmarke bereits Anfang der 80er-Jahre vorerst endete, ist der deutsche Markt noch immer der größte der Welt. Jedes Jahr werden hierzulande Postmarken für deutlich über 400 Millionen Euro verkauft. Allein über 500 Unternehmen haben sich auf den Handel spezialisiert, von denen allerdings die größten zehn gut 80 Prozent des Gesamtmarkts abdecken.

Während jedoch gerade in der absoluten Boom-Phase zwischen 1960 und 1980 auch die breite Masse verstärkt zur „Aktie des kleinen Manns“ griff – und später häufig nicht einmal mehr den Einstandspreis erzielte, sind es inzwischen fast ausschließlich Experten, die den Markt beherrschen. Denn den Wert einer Marke zu bestimmen, ist alles andere als einfach.

Immerhin ist der ursprüngliche Preis bei den meisten Marken nur noch Makulatur. Gerade exotische und alte, aber auch junge, ungewöhnliche Papiere können enorme Preise erzielen, die dem Vielfachen des aufgedruckten Wertes entsprechen. Ein Beispiel dafür ist eine deutsche Marke mit der Schauspielerin Audrey Hepburn als Motiv. Bei der Post sollte sie vor rund sieben Jahren ursprünglich nur 56 Cents kosten. Da die Erben der Schauspielerin die Marken jedoch einstampfen ließen und nur drei Bögen diesem Schicksal entgingen, stieg der Preis enorm an. Vor rund zwei Jahren wurden dann auf einer Auktion für das Postwertzeichen 135 000 Euro gezahlt.

Diese Entwicklung ist jedoch sicher die Ausnahme. „Das war schon ein Ausreißer“, sagt Arnim Hölzer, Präsident vom APHV, der Dachorganisation der deutschen Briefmarkenfachhändler. Immerhin werden seit den 50er-Jahren die Marken als Massenware produziert. „Echte Preissteigerungen sind daher vor allem bei älteren Marken zu erwarten“, sagt auch Hans-Jürgen Steffen, Geschäftsführer vom Briefmarkenhaus Saarphila in Saarbrücken.

Bei den neueren Drucken sind nur noch manche Mängelexemplare oder später vernichtete Ausgaben wie etwa die Sonderausgaben zu den Olympischen Spielen 1980 in Moskau wirklich vielversprechend. Diese wurden – bis auf wenige von der Frau des ehemaligen Postministers verschickte Marken – komplett vernichtet, da der Westen den Wettkampf boykottierte. Doch nicht nur das Prägejahr, das Motiv und der Ort sind für den Wert entscheidend.

„Ein entscheidendes Kriterium bei der Bewertung ist auch der Zustand“, sagt Steffen. Experten achten daher bei den guten Stücken auch auf die Rückseiten. Neben dem perfekten Druck und der absoluten Unversehrtheit ist auch die aufgetragene Gummierung, mit der die Marke auf dem Umschlag haften soll, ein Anhaltspunkt für den möglichen Preis. „Ist die Marke absolut unbenutzt, das heißt, dass noch nicht einmal ein Fingerabdruck auf der Rückseite zu sehen ist, macht sich das auch positiv im Wert bemerkbar“, sagt Dieter Michelson, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Briefmarkenversteigerer.

Bei älteren Modellen, die vor dem ersten Weltkrieg produziert wurden, gab es die Gummierung teilweise noch gar nicht. Auch der heute gängige Zackenrand war damals noch unbekannt. Vielmehr mussten Post-Mitarbeiter die fertig gedruckten Wertzeichen noch per Hand mit einer Schere auseinander trennen. „Bei diesen Briefmarken kommt es daher darauf an, dass die Ränder zu allen Seiten genau gleich groß sind und das eigentliche Motiv auf keinen Fall angeschnitten wurde“, sagt Steffen. Bei anderen, bereits benutzten Wertzeichen ist sogar der Stempel mitunter mehr wert als das eigentliche Papier.

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